Was sie machen

Kinderfeste, Brandanschläge, Fussballturniere, Aufmärsche oder Heimatabende: So unterschiedlich wie die Parteien, Organisationen und Gruppen sind auch die Aktionsformen. Hier finden Sie eine Auswahl bekannter Strategien.

Rechtsextremisten wollen die Demokratie abschaffen. Trotzdem kandidieren sie bei Wahlen. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sitzen DVU und NPD in den Landtagen; in anderen Bundesländern sind sie in Kommunalparlamenten und Kreistagen vertreten. »

Abwassergebühren, Kitaplätze und Umweltschutz: Vor Ort geben sich Nazis gerne bürgernah. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern war Kommunalpolitik für die NPD ein wichtiger Baustein auf dem Weg in den Landtag. »

Mit eigenen Schülerzeitungen, Schulhof-CDs und Angeboten für Hausaufgabenhilfe werben NPD und “Freie Nationalisten“ um Schüler. »

Stricken fürs Vaterland ist schon lange out bei den meisten Frauen, die sich in der Neonaziszene und der NPD engagieren. Stattdessen gründen sie eigene Gruppen, organisieren sich in Internetforen oder schlagen auch mal selber zu. »

Jedes Wochenende demonstrieren in Deutschland Neonazis. Gegen Flüchtlingsheime, gegen alternative Jugendzentren, für NS-Kriegsverbrecher und Holocaust-Leugner. »

Die Statistik ist eindeutig: Mindestens drei rechte Gewalttaten registrieren Sicherheitsbehörden in Deutschland pro Tag. Angriffe auf Afrodeutsche, Migranten, nicht-rechte und alternative Jugendliche und alle anderen, die nicht ins rechtsextreme Weltbild passen gehören vielerorts zum Alltag. »

Mit Feindlisten im Internet, Steckbriefen in der Nachbarschaft und Drohschreiben gehen Neonazis gegen engagierte Gewerkschafter, Politiker, Journalisten oder junge Linke vor. Angst zu verbreiten und einzuschüchtern sind die Ziele der "Anti-Antifa"-Strategie. »

Landgasthöfe, Scheunen, Gutshäuser und Abrißobjekte: In vielen Regionen haben NPD und Neonazis in den letzten Jahren Immobilien gekauft. »

T-Shirts mit dem Portrait von Che Guevara, schwarze Fahnen und Kapuzenpullover im Stil der Autonomen. Mit der Querfront-Strategie wollen Neonazis vor allem Linke verwirren, in dem sie deren Symbole und Idole kopieren und mit rechtsextremen Inhalten besetzen. »

Immer wenn es um die Existenz sogenannter "national befreiter Zonen" geht, stecken dahinter weniger strategische Schachzüge der Neonazis als vielmehr Schwächen von Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft. Deshalb ist es sinnvoll, sich mit dem ursprünglichen Konzept der Neonazis, der Debatte um das "Unwort des Jahres" und den no-go-areas für potenzielle Opfer rechter Gewalt genauer zu beschäftigen. »

Zeltlager mit Fahnenappell, kostenlose Kinderbetreuung, illegale Rechtsrock-Konzerte, Altenheimbesuche und nationale Kinderfeste. Die Angebote von “Neonazi-Kameradschaften", der “Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) und der NPD zielen bewußt auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. »

Das Verbot des rechtsextremen Hooligan-Gruppierung "Blue White Street Elite" durch Sachsen-Anhalts Innenminister Anfang April ist nur ein Beispiel dafür, wie ernst die Behörden die Unterwanderung von Fanblöcken durch rechtsextreme Hooligans und organisierte Neonazis nehmen. »

In den Verlautbarungen von NPD und Neonazis stehen die "soziale Frage" und Sozialarbeit hoch im Kurs. Doch oft bleibt es bei vollmundigen Ankündingungen von Hartz IV-Beratungen oder Hausaufgabenhilfen. »

Zivilgesellschaftliche Initiativen und demokratische Parteien sollen nicht mehr über NPD und Neonazis diskutieren können, sondern nur noch mit ihnen - so lautet das Ziel der Rechtsextremisten. Dafür haben sie sogar einen Begriff erfunden: Wortergreifungsstrategie. »

"Kampf um die Straße", "Kampf um die Parlamente", "Kampf um die Köpfe" und "Kampf um den organisierten Willen" lauten die Slogans der NPD, wenn es um das "Vier-Säulen-Konzept" geht, mit dem die NPD ihren Einfluss ausbauen will. »

Internationale Netzwerke haben für Rechtsextremisten eine lange Tradition: Ganz bewusst greifen NPD und deutsche Neonazis dabei in der Zusammenarbeit mit französischen, italienischen oder osteuropäischen Rechtsextremistenauf das historische Vorbild der internationalen SS-Verbände zurück. »

Neue Beiträge aus "Was sie machen"

Tierschutz als Deckmantel für Naziideologien


Hier ist die Verortung wenigstens im Namen klar: NS-Antispe Foto: © Screenshot

Die Sympathie für Tiere wird oft von Nazis instrumentalisiert, um auf antidemokratische und rassenbiologische Positionen überzuleiten.
So zeigt sich die Tierliebe der Rechtsextremen besonders dann, wenn sie sich gegen eigene Feindbilder richten lässt.

Von Eric Stritter

2009: 1.669 Menschen Opfer rechtsextremer Gewalt allein in den östlichen Bundesländern und Berlin


2009 wurden 1.669 Menschen Opfer rechtsextremer Gewalt. Foto: © Capri / Jugendfotos.de

Für das Jahr 2009 haben sieben Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in den östlichen Bundesländern und Berlin insgesamt 739 rechts-motivierte Gewaltdelikte mit 1.669 Betroffenen registriert. Das sind weniger als in den drei vorangegangenen Jahren, liegt aber deutlich über den Werten für die Jahre 2003 bis 2005.

Warum engagiert sich die NPD in der Kommunalpolitik?


Plakat der NPD zur Kommunalwahl 2009 in Mecklenburg-Vorpommern Foto: © ngn / sr

"Bürgernähe zeigen, vor Ort siegen. Auf kommunaler Ebene kann die Ausgrenzung unterlaufen werden" - so war vor Jahren eine Artikel in der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" überschrieben. Soll heißen: Kommunalpolitik dient der Partei vor allem dazu, sich beim Bürger beliebt zu machen und Wahlerfolge auf Landes- oder Bundesebene vorzubereiten.