Seine Publikationen bietet der Verlag Antaios auch über das Internet an.
Screenshot, 10.03.2017

Was ist der Verlag Antaios?

Der „Verlag Antaios“ ist neben dem „Institut für Staatspolitik“ und der Zeitschrift „Sezession“ die dritte neurechte Institution in der Verantwortung von Götz Kubitschek. Gegründet wurde der Verlag im Jahr 2000 unter dem Namen „Edition Antaios“. 2012 folgte die Umbenennung zum jetzigen Namen. Nach eigenen Angaben auf der Website wurden bisher ungefähr 150 Bücher verlegt. Der Verlag sitzt in Schnellroda in Sachsen-Anhalt, wo sich auch das von Kubitschek gegründete „Institut für Staatspolitik“ befindet.

Auf der Verlagswebseite findet man verschiedene Rubriken mit eigenen Veröffentlichungen.

In der „Reihe kaplaken“  erscheinen Bücher, die sich in drei Themenbereiche zusammenfassen lassen. Der erste Bereich widmet sich aktuellen Themen, wie Gender oder Migration. Der Grundton ist, sich als Opfer der aktuellen Politik darzustellen und ein Bedrohungsszenario zu vermitteln. Dies spiegelt sich sowohl in den Titeln („Finis Germania“, „Linke Gewalt“), als auch in den Beschreibungen zu den Werken wider. So steht in der Beschreibung zu Martin Lichtmesz „Die Hierarchie der Opfer“, dass „Vergewaltigungsepidemien“ als Folge der Migrationspolitik in Kauf genommen wurden. Ellen Kositzas Buch „Gender ohne Ende“ behandelt laut Verlagsbeschreibung die Frage, was „nach vierzig Jahren Gleichheits-Feminismus“ und „Verweiblichung des Verhandlungs-, Erziehungs- und Führungsstils“ vom Mann übrig bleibt, außer „Familientrottel“, „Zahlvater“ und „Frauenversteher“.

Der zweite Themenbereich ist der Konservativismus, zu dem ein zwiegespaltenes Verhältnis zu herrschen scheint. Denn zum einen erscheinen Bücher, in denen der aktuelle Zustand des Konservativismus kritisiert wird. Auf der anderen Seite wird der Begriff in Werken wie Karlheinz Weißmanns „Das konservative Minimum“ als positive Bezeichnung verwendet. Es wird also eine Abgrenzung zwischen  „wahren Konservativen“, womit Neue Rechte gemeint sind,  und „etablierten Konservativen“ versucht. So sollen neurechte Thesen als vermeintlich „echter“ Konservativismus  vermittelt werden. Das Ziel ist eine Umdeutung des Begriffs und Definition im Sinne der „Konservativen Revolution“. Dabei wird die Notwendigkeit einer Elite herausgestellt („Elite – Erziehung für den Ernstfall“ von Gerd-Klaus Kaltenbrunner).
 

Konservativ im Sinne der antidemokratischen Rechten der Weimarer Republik
 

Die „Konservative Revolution“ ist ein Konzept von Armin Mohler, dessen Werke ebenfalls über den Verlag erhältlich sind. Sie ist ein zentrales Ideal der Neuen Rechten und zielt darauf ab, über die Deutungshoheit in Sprache und Kultur eine Rückkehr zu vermeintlich konservativen Werten herbeizuführen. Bei der Bezeichnung „konservativ“ beziehen sich die Neuen Rechten jedoch nicht auf den Konservativismus der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auf eine Gruppe von Autor_innen aus der Weimarer Republik, die sich gegen den Liberalismus und Parlamentarismus engagiert haben. Geeint hat sie die Ablehnung liberaler Werte und ihr Wunsch nach einem völkischen autoritären Staat, der von einer Elite geführt wird. Daher gelten sie als geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus. Bekannte Vertreter dieser Bewegung sind Carl Schmitt, Oswald Spengler und Ernst Jünger, deren Werke passenderweise auch über den Verlag Antaios vertrieben werden.

Der dritte Bereich sind Bücher, die sich mit Geschichte befassen. Unter anderem erscheinen bei „kaplaken“ Bücher des Autors Stefan Scheil, dem von Kritiker_innen historischer Revisionismus vorgeworfen wird. Sein Buch „Polen 1939“ wird damit beworben, den Beginn des Zweiten Weltkriegs „entgegen der etablierten These von der einseitigen Kriegsschuld Deutschlands oder einem deutschen Überfall auf Polen“ zu untersuchen. Den Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 bezeichnet er als Präventivkrieg („Präventivkrieg Barbarossa“ – Reihe kaplaken Band 26). 2005 erhielt er den Georg-Löwenthal-Preis der „Förderstiftung konservativer Bildung und Forschung“, deren Stiftungsrat Dieter Stein vorsitzt, der auch Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ ist. Die Stiftung steht auch hinter dem neurechten Think-Tank „Bibliothek des Konservativismus“ in Berlin.

Die Reihe „Staatspolitisches Handbuch“ soll die Leser_innen an die Vordenker der „Konservativen Revolution“ heranführen. Bis auf den neuesten Band sind sie verfasst  von Erik Lehnert, dem Geschäftsführer des „Instituts für Staatspolitik“, und von Karlheinz Weißmann, einem ehemaligen Journalisten der „Jungen Freiheit“. Weißmann veröffentlichte außerdem eine Biographie über Armin Mohler, in dessen Beschreibung er als „geistiger Erbe und bester Kenner des Werks und der Denkweise Armin Mohlers“ beschrieben wird. Weißmann verließ das „Institut für Staatspolitik“ als wissenschaftlicher Leiter im Frühjahr 2014, und so, erscheint auch der neueste abschließende Band der Reihe ohne ihn. In der Beschreibung des neuesten Bandes auf der Verlagswebseite heißt es, es gelte auszuwählen, „was dienen kann, die deutsche Identität zu stärken: gegen den Schuldkult und den deutschen Hang zur Selbstanklage“. Dafür werden in den Bänden eine Auswahl deutscher Orte, Daten und Vordenker zur Verfügung gestellt, um das Narrativ einer völkisch begründeten deutschen Identität, abseits vom Konservativismus nach 1945, zu stärken.

In der „Edition „Nordost“ werden vom „Verlag Antaios“ zudem Romane und Erzählungen vertrieben. Im Repertoire sind fiktive Kriegsromane und eine Flüchtlingsdystopie über den Untergang des Abendlandes („Das Heerlager der Heiligen“). Unter „Antaios Krimi“ gibt es Kriminalromane, die im gleichen Tenor verfasst sind.

Die politischen Verbündeten werden in der Rubrik „Antaios Zugabe“ offenbart. Dort wird ein Kalender mit Motiven von „Pegida“, der „Alternativen für Deutschland“ und der „Identitären Bewegung“ mit dem Slogan „Das Widerstandsmilieu wächst“ angepriesen. In einer weiteren Rubrik auf der Website wird auf andere Verlage verwiesen, die hauptsächlich dem neurechten Spektrum zuzuordnen sind. Darunter „Compact“, „Edition Junge Freiheit“, „Ares Verlag“, „Institut für Staatspolitik“ und „Blaue Narzisse“. Auch die Zeitschrift Sezession ist über den Verlag erhältlich.
 

Die Szene vernetzt sich
 

Die Bandbreite der Autor_innen reicht vom konservativen Historiker Ernst Nolte bis zu Martin Sellner, dem führenden Kopf der rechtsextremen „Identitären Bewegung Wien“. Ellen Kositza, Gattin von Götz Kubitschek, ist die einzige Frau, die hier publiziert (Stand: März 2017).

Beim Blick auf die Autorenliste wird deutlich: Zum einen bietet man einen Kanon wichtiger Werke der Vordenker der Neuen Rechten an, wie etwa von Armin Mohler, dem Erfinder der „Konservativen Revolution“. Zum anderen schafft der Verlag für aktuelle neurechte Akteure die Möglichkeit, ihre Bücher zu veröffentlichen. Auch Verbindungen zu internationalen Autoren werden gepflegt, vor allem aus Frankreich, die meist von Martin Lichtmesz übersetzt werden und über den Verlag in Deutschland vertrieben werden. Unter den Autoren wird zudem Domenico di Tullio als Autor aufgeführt wird. Er ist als Anwalt der neofaschistischen „Casa Pound“ in Italien aktiv.

Etliche Autoren schreiben zugleich für die neurechte Zeitschrift „Sezession“, etwa Benedikt Kaiser, Martin Lichtmesz, Ellen Kositza, Martin Sellner und Felix Menzel.

Der Verlag fungiert als Vertrieb von Produkten der intellektuellen Rechten und bietet seinen Kunden die nötigen Bücher, um sich ideologisch zu rüsten. Durch die Einbindung des angesehenen konservativen Autors Ernst Nolte gelingt ein Brückenschlag zwischen Konservativismus und neurechtem Denken.

 

Mehr:

| Neue Rechte

| Kubitschek, Götz

| Wo Ideen verbreitet werden: Vernetzungsstellen der "Neuen Rechten"

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