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Alina Valjent / no-nazi.net

Was ist Rassismus?

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist wie die Bundesrepublik: bunt. Rechtsextremist_innen jeder Art ist das ein Dorn im Auge. Sie glauben, nur wer weiße Haut und arische Vorfahren hat, könne ein "richtiger" Deutscher sein. Das ist Rassismus. 

Rassismus behandelt Menschen nicht als Individuen, sondern als Angehörige einer Gruppe – und unterstellt, dass sich aus dieser Gruppenzugehörigkeit unveränderliche Eigenschaften, Fähigkeiten oder Charakterzüge ableiten. Dabei wird die eigene Gruppe meist als höherwertig begriffen. Klassischer Rassismus basiert auf einer wissenschaftlich längst überholten Einteilung der Menschheit in "Rassen". Auch deshalb versuchen Rechtsextremisten seit den siebziger Jahren, neue Begründungen für ihren Rassismus zu finden.

Rassismus findet sich überall, im Alltag, in der Geschichte, in der Politik – und sicherlich auch in Ihrem eigenen Kopf. Denn Rassismus kann bequem sein. Man kann sich damit ganz einfach die Welt erklären oder sich selbst über andere Menschen stellen. Rassismus zeigt sich zum Beispiel in privaten Vorurteilen, in staatlicher Diskriminierung, in Gewalttaten oder – im extremsten Fall – in Völkermord. Politisch kann Rassismus sehr nützlich sein, um Herrschaftsverhältnisse zu begründen und Menschen für ganz andere Zwecke zu mobilisieren. Sätze wie "Alle Türken stinken" oder "Alle Deutschen sind fleißig" sind rassistisch. In einer Schulungsbroschüre der NPD für ihre Kader heißt es: "Ein Afrikaner, Asiate oder Orientale wird nie Deutscher werden können, weil die Verleihung bedruckten Papiers [des bundesdeutschen Passes] ja nicht die biologischen Erbanlagen verändert, die für die Ausprägung körperlicher, geistiger und seelischer Merkmale von Einzelmenschen verantwortlich sind."

Hierzulande wird (anders als etwa in Frankreich oder Großbritannien) statt von "Rassismus" oft von "Ausländerfeindlichkeit" oder "Fremdenfeindlichkeit" gesprochen. Diese beiden Begriffe aber sind unpräzise: Deutsche Rechtsextremisten haben zum Beispiel nichts gegen blonde Schweden, wohl aber etwas gegen dunkelhäutige Deutsche – obwohl der eine fremd ist und der andere überhaupt kein Ausländer.

Frühe Formen von Rassismus zeigten sich bereits im antiken Griechenland, im Römischen Reich (Definition von Fremden als "Barbaren") oder auch im indischen Kastenwesen. Im europäischen Mittelalter gab es judenfeindliche Pogrome, nach der Entdeckung Amerikas wurden den dortigen Ureinwohnern und später afrikanischen Sklaven mit rassistischen Begründungen die Menschenrechte abgesprochen. "Seit dem Aufkommen der Ideale der bürgerlichen Aufklärung (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit)", heißt es in Meyers Lexikon, bedurfte derartige Unterdrückung "einer Rechtfertigungsideologie, die die 'rassische' Überlegenheit der Europäer über die übrige Weltbevölkerung beweisen sollte. Verbreitung erreichte der Rassismus vor allem im 19. Jahrhundert, als die Theorien C. R. Darwins von der natürlichen Auslese in sozialdarwinistischer Interpretation in die Rassentheorien übernommen wurden. J. A. Graf von Gobineau entwickelte die Lehre von der Ungleichheit innerhalb der weißen Rasse, deren reiner Kern die 'arische' Rasse sei." Die rassistische Ausgrenzung von Juden (siehe: Antisemitismus) war eine ideologische Grundlage des Nationalsozialismus und führte schließlich zum Holocaust.

Wissenschaftlich verbrämter Rassismus ist heute längst widerlegt. "Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff 'Rasse' weiterhin zu verwenden", stellten 18 internationale Anthropologen 1995 in einer gemeinsamen Erklärung fest. "Neue, auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte der modernen Biologie zeigen, (…) dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt." Anhänger der Rassenlehre stützen sich deshalb nicht auf wissenschaftliche Konzepte, sondern bedienen (eigene oder fremde) sozialpsychologische Bedürfnisse. Dass rassistisches Denken allen Menschen von Natur aus eigen sei oder gar eine unvermeidliche Folge der Evolution, ist ebenfalls von Wissenschaftlern widerlegt worden.

Moderne Rechtsextreme versuchen, ihren Rassismus nicht mehr biologistisch, sondern kulturalistisch zu begründen. Statt von "Rasse", sprechen sie lieber von "Volk", "Ethnie" oder "Nation". Sie behaupten, verschiedene Völker hätten unterschiedliche Kulturen entwickelt, die strikt getrennt voneinander und im Innern sauber von fremden Einflüssen gehalten werden müssten (tatsächlich aber haben sich in der gesamten Menschheitsgeschichte unterschiedliche "Kulturen" stets vermischt und gegenseitig beeinflusst). Vordergründig wird keine Ungleichwertigkeit der "Völker" vertreten, sondern lediglich eine "natürliche Verschiedenheit". Dieser Neo-Rassismus wird "Ethnopluralismus" genannt.

Zum Thema

| Ethnopluralismus

| Antisemitismus

| UNESCO-Erklärung:"Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff 'Rasse' zu verwenden."

Weblinks

| Wikipedia-Beitrag zur Begriffsgeschichte

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