Pastörs, Udo

Udo Pastörs (Jg. 1952) ist Chef der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Bundespartei.

Vorne Rechts im Plenarsaal des Schweriner Schlosses ist Pastörs Platz. Der bieder wirkende Fraktionschef verschweigt nicht, dass er den Landtag für eine "Quasselbude" voll von "Banditen“ hält. Schon bei der offiziellen Eröffnung des Wahlkampfes seiner Partei an einem sonnigen Juni-Nachmittag 2006 tönte der gelernte Juwelier und Uhrenmacher in seinem Wohnort Lübtheen mit Blick auf den Landtag: "Machen wir den Anfang, mit einem Besen mit Stahlborsten werden wir den Müll … aus den Amtsstuben fegen".

Bis zur Wahl hatte sich Udo Pastörs in dem mecklenburgischen Städtchen, in das er vor zehn Jahren gezogen war, als freundlicher Herr präsentiert. Dort hatte er einen Juwelierladen eröffnet, sich in das gesellschaftliche Leben und eine Bürgerinitiative eingebracht, die sich gegen einen in der Region geplanten Braunkohletagebau wehrt. Am Abend der Landtagswahl im September 2006, bei der die NPD sechs Mandate errang, sagte er in der ARD über Adolf Hitler: "Er ist ja ein Phänomen gewesen, dieser Mann, militärisch, sozial, ökonomisch". Die Zeitschrift Vanity Fair zitierte ihn mit den Worten, "kein Techniker“ habe ihm "bis heute erklären" können, "wie das mit den Gaskammern technisch funktioniert hat".

In die NPD war Pastörs erst 2000 eingetreten. In "bündischen Gruppierungen", gibt er selbst Auskunft, sei er zuvor aktiv gewesen, später in der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH). Unerwähnt bleibt, dass er bei der später verbotenen Wiking-Jugend mitmarschierte und zu den Unterzeichnern einer in Bremen beschlagnahmten rassistischen Broschüre mit dem Titel "Völkermord am deutschen Volk" gehörte. Der Stern berichtete von Kontakten Pastörs’ in die umstrittene chilenische Siedlung Colonia Dignidad.

Durch biederes Auftreten in seinem Heimatort und das Aufgreifen lokaler Themen versucht Pastörs eine "Verbürgerlichung" der NPD. Bei der Landtagswahl erreichte er in Lübtheen überdurchschnittliche 16 Prozent der Stimmen. Heute residiert in dem ehemaligen Juweliergeschäft ein NPD-Bürgerbüro. Als Wahlkreismitarbeiter hat er Andreas Theißen, Vorsitzender des NPD-Kreisverband Westmecklenburg angestellt.

Pastörs ist verheiratet und hat eine Tochter. Nahe Lübtheen gehört ihm größeres Landgut, auf dem er nach eigener Auskunft „deutsche Familien“ ansiedeln will.

Zum Thema

| Das Buchkapitel "Höchststrafe für das deutsche Parteiensystem" in: Andrea Röpke/Andreas Speit: Neonazis in Nadelstreifen, Berlin 2008

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