Molau, Andreas

Andreas Molau (Jg. 1968) war Spitzenkandidat der NPD bei den Landtagswahlen in Niedersachsen, ist Mitglied des Bundesvorstandes und Pressesprecher der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag.

"Das ist ein Mann, der auf der Straße den Bürger ansprechen kann", versichert Udo Voigt, der NPD-Bundeschef. Von der Führungsmannschaft hebt sich der ehemalige Waldorflehrer Andreas Molau tatsächlich etwas ab: Er wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein verkniffener und verbitterter Kader. Parteiparolen greift der "Überzeugungstäter", wie er sich selbst bezeichnet, nur bei Parteiveranstaltungen auf. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb Molau acht Jahre lang an einer Waldorfschule in Braunschweig Deutsch und Geschichte unterrichten konnte ohne aufzufallen. Als er sich 2004 beurlauben lassen wollte, um bei der NPD-Fraktion in Sachsen arbeiten zu können, folgte die Kündigung. "Wir haben ihn verkannt", sagt Geschäftsführer Michael Kropp heute.

Mit 16 stieß Molau zum NPD-Nachwuchs Junge Nationaldemokraten. Bei der Bundeswehr wurde er in Psychologischer Verteidigung geschult und hat dort nach eigenen Angaben auch das "Handwerkszeug eines Journalisten" gelernt. Während des Studiums in Göttingen trat er der "Deutschen Hochschulgilde Trutzburg Jena" bei. Von 1990 bis 1994 war er bei der Wochenzeitung Junge Freiheit tätig. Er musste gehen, weil in einem von ihm redaktionell verantworteten Text die Auschwitzlüge thematisiert wurde. In dem vom ihm herausgegebenen Buch Opposition für Deutschland führte er 1995 aus, dass es notwendig sei, "alle Rechten, Konservativen, Nationalen (...) gedanklich an einen Tisch zu bringen". Derzeit ist er stellvertretender Chefredakteur des NPD-Blatts Deutsche Stimme und versucht sich an der Intellektualisierung der Partei.

Noch heute will Molau über den Holocaust "rein wissenschaftlich" streiten. Beim antisemitischen Karikaturen-Wettbewerb der regierungsnahen iranischen Zeitung Hamshahri reichte er 2006 eine Zeichnung ein. Die Nähe ist ideologisch fundiert. "Den Islam als gewachsene Kultur achte ich", sagt er und lobt, dass dort die ureigenen Traditionen den "postmodernen Auflösungen" durch westliche Werte noch widerstünden.

Seit 2005 ist Molau Vorsitzender der extrem rechten Gesellschaft für freie Publizistik. Als Nachrücker für einen ausgeschiedenen NPDler zog er in den Kreistag von Wolfenbüttel ein. Zur niedersächsischen Landtagswahl im Januar 2008 trat Molau als Spitzenkandidat an. Obwohl er seiner Partei auch die aktive Unterstützung von Neonazi-„Kameradschaften“ sicherte („Molau hat ein neues 'Wir-Gefühl' geschaffen“, hieß es aus diesen Kreisen), schnitt die NPD mit 1,5 Prozent unter ihren Erwartungen ab.

Molau ist verheiratet und hat zwei Kinder. In die überregionalen Schlagzeilen gelangte er, als seine Frau 2007 nahe Berlin ein Landgut erwarb und er die Eröffnung eines Schulungs- und Ferienheim für "national gesinnte" Familien im Stile einer Waldorfschule ankündigte. Das Projekt ist offenbar gescheitert.

| Anregungen und Kritik an die Redaktion senden »