Frage

Was tun gegen den braunen Spuk in Dresden?

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Nächsten Monat werden wieder einmal Neonazis in Dresden aufmarschieren und mit abstrusen historischen Zahlen ihre "Wahrheit" unters Volk zu bringen. Die Ursachen des Angriffes werden verschwiegen, der Terror des NS-Regimes nicht genannt. Um die Opfer geht es ihnen gar nicht und auch nicht ums Gedenken. Fernab der Wahrheit versuchen sie auf dem Rücken der Opfer für sich für Stimmung zu machen. Somit müssen die Opfer noch einmal leiden. Wie geht man also sinnvoll gegen diese Aufmärsche vor bzw. wie demonstriert (oder handelt) man so nachhaltig, dass die Menschen merken, was die Braunlinge da spielen? Wie zeigt man den Leuten auf, dass da kein Gedenken stattfindet, sondern dass dieses Datum instrumentalisiert wird? Im Grunde genommen betrifft dies nicht nur Dresden, sondern auch andere Ereignisse wie dem 8. Mai oder diverse Naziveranstaltungen an diversen Denkmälern, Friedhöfen usw. Was kann man machen, damit in Zukunft diese Daten nicht immer wieder von jenen vergewaltigt werden, deren ideologische Vorbilder für diesen ganzen Mist zuständig waren? Die Frage soll nicht nur Aktionen oder Verbote beinhalten, sondern auch grundsätzlicher Natur sein. Was kann man politisch, was kann man gesellschaftlich, alles machen, damit solchen Leuten wenigstens ein wenig die Grundlage entzogen wird. Die Aufzählung der reinen Fakten scheint ja leider nicht zu reichen.

erschienen am Samstag, 16.01.2010, 19:07

Leser-Kommentare ()

  1. Bild von NochEinNickname

    Die Neonazis versuchen ja mit Emotionalität und Übertreibungen die Leute zu ködern. Mit dem Gedicht "Mütter von Dresden" wird geworben.
    Letztes Jahr wurde in Reden mehr oder weniger "festgestellt":
    - Wir Deutschen waren fair, nett und lieb und haben niemanden etwas zu Leide getan.
    - Die Alliierten waren böse, gemein, unfair und total fies
    Das aber damals viele Mütter (und andere) weltweit ihr "Dresden" erlebt haben, wird verschwiegen oder andernorts relativiert, abgefeiert oder verherrlicht.
    "Kein Vergeben, kein Vergessen" impliziert den Rachegedanken, der damals in den Krieg geführt hat. "Für den Frieden, nach unseren Sieg" klingt nicht danach, Dresden als "Mahnmal gegen den Krieg" zu begreifen. Die Opfer von Dresden mussten nicht sterben, damit Neonazis auf ihren Rücken heutzutage für sich Propaganda machen. Neonazis zeigen damit nur, dass sie aus dem Krieg nichts gelernt haben.

    Ich hab hier einen interessanten Artikel gefunden, der einige Fakten zu Dresden enthält:
    Luftkriegslegenden in Dresden

    Den Schlußkommentar finde ich sehr interessant. Der lautet sinngemäß, dass die Geschichtswissenschaft wenig Chancen hat zur Versachlichung dieses Ereignis beitragen zu können, wenn das Ereignis als Glaubensfrage angesehen wird.

    Wie kann man also diesen "Gläubigen" sinnvoll entgegentreten oder entgegenarbeiten, damit sie die Deutungshoheit über Dresden nicht mehr inne haben?

    Ich weiß, dass bei einer Gegenveranstaltung des Oranjeordens in Nordirland ein Ort komplett mit schwarzen Flaggen ausstaffiert worden ist, Als diese dann anmarschiert kamen, regnete es schwarzes Konfetti, es stiegen schwarze Luftballons auf, alle schwiegen. Es heulten Sirenen im Hintergrund auf. Das war sehr beeindruckend. Als symbolischer Akt. Wäre sowas auch hier vorstellbar?

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  2. Bild von er nu wieder

    hallo nickname!

    Die Nazis haben ja auch gestern in Magdeburg einen "TRauermarsch" abgehalten:

    http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/7014182.html

    Auf der Startseite von "netz" gibt es ja auch einen Artikel dazu:

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/interv...

    Für Dresden finde ich diesen Aufruf sehr gut:

    http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/me...

    Die Idee eines interkulturellen GEbets in GEdenken an die Opfer der Bomben finde ich recht gut! Vor allem auch, dass das GEbet in Hör- und Sichweite der Nazis stattfinden soll :-)

  3. Bild von NochEinNickname

    Die Idee ist gut. Vorallem, wenn es international ist. Dresden war ja nur eine Stadt von vielen weltweit, dessen Bewohner leiden mussten in diversen Kriegen. Und durch "uns" mussten ja auch viele leiden. Insofern gibt es überall auf der Welt Menschen, die nachvollziehen können, wie unnötig Kriegsopfer durch Nationalismus, religiösen Fanatismus und andere Wahnvorstellungen sind.
    Interessanterweise stellen die alle hinterher fest, wie unnötig diese ganze Gewalt war. Hätten sie mal vorher nachgedacht, möchte man ihnen am liebsten zurufen...

    Dresden als internationaler, symbolträchtiger Ort um gegen Krieg zu mahnen. Das hätte längerfristig was.
    Vielleicht wäre die Stadt Dresden gut beraten, sowas längerfristig etablieren zu wollen?
    Damit könnte man den Braunlingen ihren Versuch der Deutungshoheit durchaus erheblich einschränken.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  4. Bild von er nu wieder

    mh, irgendwie spitzt sich die Situation im Vorfeld gerade ein wenig zu:

    http://de.euronews.net/agenturmeldungen/13074...

  5. Bild von NochEinNickname

    Hatte ich auch mitbekommen...
    Da wird der Aufruf, den Naziaufmarsch friedlich blockieren zu wollen als Straftat gewertet. Interessant ist, dass man sich darüber wohl juristisch streiten kann, je nach dem, wie man das auffassen möchte.
    Problem könnte sein, dass sich das damit radikalisieren kann und man damit Geister gerufen hat, die man eigentlich ja gar nicht haben wollte. Danach könnte man dann wieder hingehen - wie so oft - und in die alte Leier "Böse "Linke", liebe "Rechte" verfallen.
    Vielleicht werden aber auch mehr Leute mobilisiert, da viele vielleicht denken "jetzt erst recht".
    Leider vollrichtet aber die Polizei unbewusst aber gerade Lakaienarbeit für die Braunlinge. Die freuen sich darüber, dass sie so eine herrliche Steilvorlage bekommen können.
    Verwertet wurde sie wohl auch schon:
    http://npd-blog.info/2010/01/26/npd-dresden-n...

    Ein NPD-Landtagsabgeordneter hat wohl Anklage erhoben gegen "Dresden-nazifrei" hinsichtlich "kriminelle Vereinigung". Bezweifel zwar, dass dies Erfolg haben wird aber propagandistisch ist dies natürlich für sie äußerst wertvoll, wenn die Polizei da so vorgeht.

    Hoffe echt, dass es an den Tag friedlich von statten geht und man nicht in die rhetorische Falle läuft und mit Ausschreitungen negativ auffallen wird.

    Was mir auch aufgefallen ist, dass stets versucht wird, den Protest gegen den Naziaufmarsch in die "linke" bzw. "linksextreme" Ecke zu schieben. Da versucht man dann einen Konflikt zwischen Linksextremen und Rechtsextremen zu konstruieren. Vorallem Personen, die eher mit den Nazis sympathisieren, neigen zu so einer Sichtweise.
    Dass der Protest gegen den Naziaufmarsch aber vielschichtiger ist, wird hier und da vernachlässigt.
    Da sollte man stets darauf hinweisen, dass dieser Protest aus dem weiten Sprektrum der Gesellschaft erfolgt, nicht nur aus einem speziellen Teil.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  6. Bild von er nu wieder

    @nickname: Du hat Recht: Das wird die ganze SAche nur unnötig eskalieren lassen. Ob die Rechten allerdings friedlich bleiben werden, ist fraglich- dass auch sie auf RAndale aus sind, haben sie ja in letzter ZEit oft genug bewiesen. Aber ich hoffe auch, dass es in Dresden friedlich bleibt.

    Aber zum Thema: Proteste gegen einen Nazi-Aufmarsch sind immer berechtigt. Nur: Vielleicht ist Dresden ein besonderer FAll. Zum einen handelt es sich um einen der größten Naziaufmärsche in ganz Europa. DAgegen soll un muss es Proteste geben. Denn es kann nicht hingeommen werden, dass die, die sich "Nationale Sozialisten" nennen, dass die, die von einer "Volksgemeinschaft" und vom "Deutschen Reich" reden, diesen Tag mißbrauchen. Andererseits sollte es an diesem TAg auch um das Gedenken an die Opfer gehen. Vielleicht ist das Friedensgebet deswegen genau das richtige Zeichen...

  7. Bild von NochEinNickname

    Wichtig ist halt nur, dass man nicht auf die Provokationen hereinfällt. Es ist ja sehr oft leider so, dass man auf Provokationen entsprechend "emotional" reagiert. Das wissen die Neonazis. Insofern werden sie versuchen zu provozieren und damit auch Ausschreitungen auf der anderen Seite zu fördern. Irgendwie sollte man da drüber stehen und das ins Leere laufen lassen oder den Spieß umdrehen und die Neonazis auflaufen lassen.

    Laut einer Auflage dürfen die Neonazis angeblich nicht durch Dresden marschieren sondern nur eine stationäre Veranstaltung durchführen.
    Da gab es dann auch diverse Kommentare von Neonazis, die da unbedingt marschieren wollen, koste es was es wolle. Da war denn auch weniger von Gedenkveranstaltung die Rede. Die sind eher daran interessiert, sich ihre Lieblingsveranstaltung zum Sich-Zeigen-Zu-Können nicht verbieten zu lassen.
    Das wäre auch etwas, auf das man bei den Gegenveranstaltungen fokussiert hinweisen muss, dass es den Neonazis nur ums Präsentieren geht, nicht um die Opfer. Die Verlogenheit muss offenbart werden. Und sei es, dass man einen schweigenen Spalier bildet wenn die doch marschieren dürfen, durch den die durch müssen. Verachtene Stille hätte diesbezüglich dann auch was stark symbolisches. Dazu könnte man Opfer von Nazigewalt aufzählen, wenn die da vorbeimarschieren. Alles wäre still und man würde nur die Namen hören. Könnte mir vorstellen, dass man mit so etwas auch symbolisch was reißen könnte.

    Das Friedensgebet ist ein Symbol was dem Tag angebracht erscheint gegenüber den eher "lauten" Geschrei der Neonazis. Hoffe, dass dies dann auch wahrgenommen wird.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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