Menschen mit Behinderungen - blinder Fleck oder Teil der rechten Ideologie?

Hallo,
ich kann mir trotz einer umfangreichen Beschäftigung mit dem Thema kein gutes Urteil über folgende Frage erlauben: ist der grundlegende Umgang und die Sichtweise auf Menschen mit Behinderungen Teil der Ideologie und Programmatik der aktuellen organisierten rechten Szene oder ist dieses Thema (noch) nicht als ideologischer Programmpunkt ausgearbeitet?

Meiner eigenen (beschränkten, aber regelmäßigen) Erfahrung nach werden Menschen mit Behinderungen von (Neo) Nazis nicht anders wahrgenommen als von anderen Teilen der Bevölkerung, die Leistungsprinzip und Ökonomisierung als zentrale Werte der Gesellschaft propagieren. Man würde sich lieber "selber umbringen als so sein zu müssen". Dies entspricht eher einem Reflexionsniveau auf Alltagsebene als einer ausgearbeiteten Minderwertigkeitsideologie. Insofern scheinen Nazis jenen Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft sehr ähnlich, die zu rund zehn Prozent die Aussage "es gibt wertvolles und unwertes Leben" bejaht. "Unwertes Leben" muss sich in den Augen der Jüngeren auch nicht mehr zwangsläufig ausschließlich auf Menschen mit Behinderungen oder psychisch Kraken beziehen.

Haben heutige Rechte (also Menschen mit einem geschlossenen Rechtsextremen Weltbild) und hier vor allem die jungen Menschen eine klare behindertenfeindliche Weltanschauung und gehört die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung bzw. deren Euthanasie zu programmatischen Inhalten rechter Programme und Ideologien? Oder ist diese Frage angesichts von in den Augen Rechter "wichtigerer" Fragen noch nicht programmatisch und ideologisch bearbeitet worden? Rechte Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderungen kommt vor - aber ist sie bei rechtsextremen Jugendlichen auch Ausdruck einer grundlegenden ideologischen Unwertmachung?

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