Menschen mit Behinderungen - blinder Fleck oder Teil der rechten Ideologie?

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Hallo,
ich kann mir trotz einer umfangreichen Beschäftigung mit dem Thema kein gutes Urteil über folgende Frage erlauben: ist der grundlegende Umgang und die Sichtweise auf Menschen mit Behinderungen Teil der Ideologie und Programmatik der aktuellen organisierten rechten Szene oder ist dieses Thema (noch) nicht als ideologischer Programmpunkt ausgearbeitet?

Meiner eigenen (beschränkten, aber regelmäßigen) Erfahrung nach werden Menschen mit Behinderungen von (Neo) Nazis nicht anders wahrgenommen als von anderen Teilen der Bevölkerung, die Leistungsprinzip und Ökonomisierung als zentrale Werte der Gesellschaft propagieren. Man würde sich lieber "selber umbringen als so sein zu müssen". Dies entspricht eher einem Reflexionsniveau auf Alltagsebene als einer ausgearbeiteten Minderwertigkeitsideologie. Insofern scheinen Nazis jenen Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft sehr ähnlich, die zu rund zehn Prozent die Aussage "es gibt wertvolles und unwertes Leben" bejaht. "Unwertes Leben" muss sich in den Augen der Jüngeren auch nicht mehr zwangsläufig ausschließlich auf Menschen mit Behinderungen oder psychisch Kraken beziehen.

Haben heutige Rechte (also Menschen mit einem geschlossenen Rechtsextremen Weltbild) und hier vor allem die jungen Menschen eine klare behindertenfeindliche Weltanschauung und gehört die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung bzw. deren Euthanasie zu programmatischen Inhalten rechter Programme und Ideologien? Oder ist diese Frage angesichts von in den Augen Rechter "wichtigerer" Fragen noch nicht programmatisch und ideologisch bearbeitet worden? Rechte Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderungen kommt vor - aber ist sie bei rechtsextremen Jugendlichen auch Ausdruck einer grundlegenden ideologischen Unwertmachung?

Kommentare

Hallo Arvin,

Zunächst Ihr Zitat : "Meiner eigenen (beschränkten, aber regelmäßigen) Erfahrung nach werden Menschen mit Behinderungen von (Neo) Nazis nicht anders wahrgenommen als von anderen Teilen der Bevölkerung........"
(...)
Da irren Sie aber gewaltig !

Menschen mit Behinderung(en) als "unwertes Leben" zu bezeichnen und zum Schutz der Volksgesundheit töten zu lassen, war und ist nicht nur "unmenschlich" und "menschenverachtend", sondern "war und ist" Dreh-und Angelpunkt des NS-ideologischen Rassenwahnsinns und Ethnopluralismus !

Sogar Hauptbestandsmerkmal der NS-Rassenhygiene !

Nur die Stärksten und mit bester Gesundheit sowie einen perfekten arischen Stammbaum ausgestatteten Menschen, hatten die Hoffnung als Herrenmenschen in der NS-Gesellschaft gewertet zu werden.

WER SICH ALSO HEUTE ZUM RECHTSEXTREMISMUS BEKENNEN MÖCHTE, KOMMT AN DIE VERHERRLICHUNG DER EUTHANASIE-MORDE NICHT VORBEI !
SIE SIND EIN WICHTIGER TEIL DER NS-IDEOLOGIE !

Mehr dazu hier:

http://www.gelsenzentrum.de/euthanasie_morde_t4.htm

http://www.gelsenzentrum.de/gelsenkirchen_verfolgung.htm#72

https://sites.google.com/site/euthanasiestiftung/szenen-bei-der-ankunft-...

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13529152.html

http://www.welt.de/kultur/history/article11966025/Die-Euthanasie-Morde-d...

http://www.bizeps.or.at/news.php?nr=12409

Viel Lesestoff, oder ?

Das alles gehört zum Basisgedanken der NS-Ideologie !

Vor diesem Hintergrund ist die Verherrlichung des Nationalsozialismus für den "gesunden" Menschenverstand nicht vorstellbar.

Pflegebedürftige und behinderte Menschen bilden zusammen mit den Kindern, die schwächesten Glieder unserer Gesellschaft.
Der Umgang mit ihnen ist entscheidend für den Wert unserer Gesellschaft !

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@ Ghostrider

Im Prinzip stimme ich zu, wenngleich mit einem "aber"...

Grundsätzlich ergeben sich bei der Fragestellung von Arvin zwei grundsätzliche Probleme. Zum einen, dass "die Rechten" in diesem Fall schlecht als einheitliche Gruppe zu fassen sind. Ich denke, dass innerhalb der als "rechts" zu definierenden Szene im Umgang mit dieser Frage durchaus große Unterschiede existieren. Auch ist es weitgehend unmöglich, den heute allgemeingültigen Begriff des "Behinderten" in dieser Fragestellung zugrunde zu legen, da die rechte Ideologie hier ganz andere Kriterien und weitergehende Unterscheidungen beinhaltet.

Historisch (d.h. aus der Zeit des Nationalsozialismus) besteht eine grundsätzliche Unterscheidung bei der Einordnung von Menschen mit Behinderungen. Die NSDAP als Kriegs- und Kriegerpartei war aus eigenem Selbstverständnis heraus weit davon entfernt, Körperbehinderte (die sog. "Versehrten"), deren Behinderung zur damaligen Zeit zahlenmäßig zumeist als Folge einer Weltkriegsverwundung resultierte, zu benachteiligen.
Es erscheint heute kurios, dass gerade zur Zeit des Nationalsozalismus das für die als Versehrte betroffenen, die besten gesetzlichen Regelungen griffen. Vor allem die 1920 geschaffene und bis heute geltende Pflichtquote, nach der jeder Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern 5% seiner Belegschaft aus Behinderten rekrutieren muss, galt weitgehend strikt. Heute muss ein Betrieb lediglich zwischen 105 und 260 Euro/Jahr zahlen, um sich dieser Verpflichtung zu entledigen - was der weitaus überwiegende Teil der Unternehmen auch nutzt. Im Dritten Reich war dies kaum möglich, man wollte die "Kameraden" aus Weltkriegstagen versorgt sehen.

Ganz anders lag die Sache - wie von Ghostrider bereits ausführlich dargelegt - bei Menschen mit (eigentllich nur sogenannten) "geistigen" Behinderungen. Hierbei ergibt sich jedoch auch ein Problem bei der Einordnung, so wurde der erste Schritt ("Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses") bereits in demokratischen Zeiten (1932) verfasst und beschlossen, jedoch erst 1934 umgesetzt. Dieses auch als "Sterilisations-Gesetz" bekannte Machwerk gilt bis heute daher nicht als nationalsozialistischen Unrecht und wurde erst 1974 formell abgeschafft. Als Argument (gegen eine Entschädigung der Opfer) wurde auch eingebracht, dass gleichlautende Gesetzt z.B. in Skandinavien, den USA und Australien bestanden.
Von daher ist die Ansicht von Arvin, der behindertenfeindliches Denken und Verhalten in die Mitte der Gesellschaft verordnet so falsch nicht...

Was weiterhin gegen eine feste Ideologie der Nationalsozialisten spricht, ist die Tatsache, dass - im Gegensatz zu allen anderen Bereichen - die Einführung der Aktion T4 heftigen Widerstand auch aus Reihen überzeugter Nazis provozierte und ein teilweise gemeinschaftliches Zusammengehen mit kirchlichen (Bischof von Galen) und weltlichen Kräften, die dazu führten, dass das Euthanasieprogramm nach relativ kurzer Zeit offiziell eingestellt wurde. Die nachfolgende Fortführung wird von Wikipedia als "wilde Euthanasie" in der Verantwortung einzelner, regionaler NS-Größen bezeichnet, nicht aber als staatliches Programm. Auch ein Indiz, dass die NS-Ideologie der Sache durchaus differenziert gegenüber stand und (im Gegensatz z.B. zur Judenvernichtung) widerstrebende Meinungen durchaus "von oben" geduldet wurden. Die von Ghostrider angesprochene Erb-Hygiene (nicht Rassen-Hygiene, dass war eine andere Baustelle...) stellte jedoch eindeutig ein festverankertes Ziel innerhalb der NS-Ideologie dar - strittig war eben nur, ob der Zustand "ausreichend" durch Sterilisation hergestellt werden konnte, oder ob die Vernichtung des "unwerten" Lebens notwendig sei.

Wie sich die Sache heute darstellt, ist ebenso nebulös. Außer Zweifel steht, dass der überwiegende Teil der rechtsradikalen Skinheadbewegungen und des restlichen Fussvolks der Braunen behinderten Menschen gegenüber weitgehend ablehnend und feindlich gegenüber steht. Dies wird jedoch selten ns-ideologisch begründet, sondern ist wohl eher dem subjektiven Überlegenheitsgefühlen dieser National-Machos geschuldet: "Wer schwächer ist als wir, darf angegriffen werden" (...beim schwarzen Block trauen wir uns nicht - kleine Ergänzung meinerseits, die ich mir nicht verkneifen konnte)

Bei der NPD sieht die Sache differenziert - wenngleich nicht gut aus. Einerseits stellt sich die offizielle NPD ("politischer Arm") gerne in die Unterstützerposition. Da stellen sich Kandidaten zur Wahl, die beruflich in der Pflege von geistig und mehrfachberhinderten Menschen tätig waren und darin natürlich keinen Widerspruch zur NPD-Ideologie sehen (Kandidat Hartmut Krien, Dresden). Man unterstützt Anträge der GRÜNEN zur besseren Integration behinderter Menschen (Fn 1), oder man stellt gleich selbst einen entsprechenden Antrag (Fn 2), fordert barrierefreie Wege (Fn3) oder beklagt öffentlichkeitswirksam die "GEZ-Abzocke" bei Behinderten (Fn4), um dann gar mit einem Rollstuhlfahrer Wahlwerbung zu betreiben (Fn5).
Also alles gut? Gesinnungswandel vollzogen? Das darf bezweifelt werden... Schaut man sich ein wenig auf der parteieigenen Seite (Fn. 6) um, wird einem zwischen den Zeilen mehr erzählt, als es manchem NPD-PR-Berater recht sein mag. Da wird offen die biologische Anthropologie als Leitbild offenbart ("Menschenbild") und das Versagen der (biologischen) Auslese als Gefahr für das Volk bewertet ("Volk"). Und auf der Seite "Abgeordnetenwatch" werden von Uwe Pastörs zwar (erkennbar widerwillig? kommt mir so vor) "gleiches Recht" für behinderte wie nichtbehinderte Menschen als Parole ausgegeben - allerdings nur um gleich im Nachsatz klarzustellen, "(...) daß ihnen aber gewisse Tätigkeiten und Entfaltungsmöglichkeiten nicht gegeben sind, liegt in der Natur der Sache. Denn bekanntlich sind Menschen nicht gleich, sondern ungleich. Das gilt für behinderte wie auch für nicht behinderte Menschen." Also nix mit echter Gleichberechtigung. Aber eben auch nicht mehr der offen feindliche Charakter, dem das T4-Programm der Nazis zugrunde lag.

Es ist also eher schwer, hier eine realistische Einschätzung zu treffen. Man könnte sagen, die NPD ist zumindest wahlkampftechnisch in der Demokratie angekommen und nutzt ein Beschützerimage, das sie im Falle eines tatsächlichen Machterhalts gar nicht ausfüllen will. Behinderte werden zumindest ausgegrenzt. Andererseits könnte es sein, dass die Problematik tatsächlich auch von den Rechtsradikalen als derart unwesentlich angesehen wird, dass man es nicht mehr für nötig hält, sich zu positionieren oder ein Feindbild aufzubauen. Dann wären den Braunen die Behinderten bestenfalls egal und somit hätten sie sich in diesem Punkt tatsächlich einem weitaus größeren Teil der deutschen Durchschnittsbevölkerung angenährt.

FUSSNOTEN

1) http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-03/npd-sachsen-landtag/seite-2

2) http://npd-landkreis-leipzig.de/?p=2045

3) http://www.mupinfo.de/?p=20055

4) http://www.mupinfo.de/?p=5952

5) http://www.youtube.com/watch?v=_EDba80LnfU

6) http://www.npd.de/html/251/

Hallo BadCatNo3,

das "aber" habe ich verstanden ;-)) Klar, dass Kriegsversehrte nicht unter "unwertes Leben" geführt wurden. Schließlich hatten sich diese Männer ihre Verletzungen beim Kampf für ihr Vaterland zugezogen.

Das die Aktion T4 auch in den eigenen Reihen überzeugter Nazis kontrovers betrachtet wurde und auch teilweise für Widerstand sorgte, ist bekannt. Daher wurde diese Aktion offiziell 1941 gestoppt. Aber inoffiziell wurden weiterhin Menschen mit geistigen Behinderungen als "unwertes Leben" betrachtet und bis 1945, also bis Kriegsende weiter ermordet. Nur wurde daraus keine große Welle geschlagen, sondern es wurde heimlich praktiziert und die Angehörigen wurden belogen und bewußt irregeführt um die Vertuschungsaktionen nicht zu gefährden.

Auch das ist in den beigefügten Links in meinem Kommentar weiter oben unter "Gelsenzentrum" ersichtlich.

Das "lebensunwerte Leben" hat eine lange Tradition, die ihre Ursprünge in der Schweiz findet.

DIE ERFINDUNG DER KRANKHEIT SCHIZOPHRENIE IN ZÜRICH !

Neue Definition von Krankheiten : Onanie, als "Masturbatory Insanity", Hysterie, Lasterhaftigkeit und Nymphomanie !

Wie schizophren waren damals diese Euthanasie-Anthropologen und Rassisten selbst ?

Hier der Link:

http://www.soziologie-etc.com/soz/buch-hoelle/03_psychiatrie-holocaust.htm

Das ist so widerlich, dass ich stundenlang Knochen kotzen könnte !

http://www.zeit.de/2012/36/A-Vergangenheitsbewaeltigung-Oesterreich-Nati...

http://www.taz.de/!61024/

Das Neonazis in Bezug auf die deutsche Geschichte vor und während der NS-Zeit nicht sonderlich bewandert sind, hatte ich schon vor 30 Jahren, also lange vor dem Internet in zahlreichen Geprächen mit Rechtsextremen bzw Leute, die sich dafür hielten, wahrnehmen müssen.
Schuld daran war nicht unbedingt die schulische Bildungsbefremdlichkeit, sondern viel mehr der damalige Geschichtsrevisionismus der natürlich bis zum heutigen Tag anhält.
Zu den übelsten Geschichtsrevisionisten zählen zweifelsfrei Germar Rudolf, Robert Faurisson und Michelle Renouf. Diese heiratete einen reichen adeligen englischen Bankier und heißt seit dem Lady Renouf.
Außerdem noch Paul Rassinier, Serge Thion, Bischof Robert Williamson und noch viele andere.

Sie sind die Leute, die die Greueltaten der Nazis stehts relativierten, sogar bis zur Leugnung des Holocaust.

Diese Leute haben mittlerweile seit Jahrzehnten den Rechtsextremismus mit Falschinformationen versorgt um bewußt die Verherrlichung der NS-Ideologie nicht durch Gewissensbisse und Hemmschwellen bei den Neonazis zu gefährden.

Gewissensbisse und Hemmschwellen waren damals und sind auch heutzutage zumindest bei manchen dieser Neos vorhanden.
Hatte früher einige 4 Augen Gespräche mit solchen Leuten, weil in der Gruppe funktionierte sowas nicht. Aber "Hast Du Lust auf ein Bier, ich müsste was mit Dir bequatschen", funktionierte.;-)
So auch ein junger Mann, an dessen Geschichte ich mich heute noch sehr gut erinnern kann.

Es gab kontroverse Diskussionen, aber ich hatte es geschaft ihn mit Lesestoff damals zu versorgen. Ich wußte z.B., dass sein Privatleben alles andere als geordnet verlief.
Ein paar Wochen später gab er mir meinen Lesestoff zurück mit den Worten: "Jetzt weiß ich, weshalb meine Freundin abgehauen ist und mein Chef mich entlassen hatte".
Absolut krass, ich wußte das alles nicht, so seine Worte.

"Ich habe immer geglaubt, dass der Nationalsozialismus die ehrlichste und aufrichtigste Gesellschaftsform war, weil es in unserer Kameradschaft auch sowas wie einen Ehrenkodex gibt.
Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Treue für die deutsche Sache".

WAS FÜR EIN IRRGLAUBE !

Für diesen Menschen brach eine Welt zusammen, weil sie nicht echt war. Es war und ist das Lügenkonstrukt von Geschichtsrevisionisten auf teuflichen Seelenfang junger Menschen, die den Halt am Leben aus verschiedenen Gründen verloren haben.

Nach der Wende hatte soviel ich weiß, dieser junger Mann an einem Aussteiger Programm teilgenommen. Was dann aus ihm wurde, weiß ich nicht.

ES IST NIE ZU SPÄT AUSZUSTEIGEN !

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@BadCatNo3

Kleiner Nachtrag !

Ihr Zitat: "Vor allem die 1920 geschaffene und bis heute geltende Pflichtquote, nach der jeder Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern 5% seiner Belegschaft aus Behinderten rekrutieren muss, galt weitgehend strikt.
Heute muss ein Betrieb lediglich zwischen 105 und 260 Euro/Jahr zahlen, um sich dieser Verpflichtung zu entledigen."
(...)
In der Tat ist das ein Affront,
a) an die Behinderten
b) an die Sozialsysteme, die auch letztendlich vom Steuerzahler
also von der Bevölkerung getragen werden.

Es gibt viele Produktionsbetriebe (Branchenspezifisch) die (Sitz) Tätigkeiten anbieten, was auch Rollstuhlfahrer erledigen könnten.
Beispiel :
Als Modellbahner bin ich im Herbst 2012 der Einladung eines Modellbahnherstellers gefolgt und mir den Produktionsbetrieb angesehen.
Viele Frauen sitzen an langen Tischen und setzen die einzelnen Teile der Modelle zusammen. Rollstuhlfahrer(innen) ? Fehlanzeige!
Übertragen könnte man das auch auf andere Branchen.

RÜCKSICHT WAR NOCH NIE EINE DEUTSCHE TUGEND !

Ihr Zitat: GEZ-Abzocke bei Behinderten (FN4)
(...)
Wer blind ist, kann ja noch hören !!!!
Wer taub ist, kann aber noch sehen !!!

Beide Arten der Behinderungen erlauben nur stark eingeschränkt die Wahrnehmung von Rundfunk und TV.
Die Behinderten sind schon durch ihr Schicksal genug gestraft.
Auch das ist ein Affront, von diesen Leuten auch noch Gebühren zu verlangen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article109668720/GEZ-will-Buerger-kuenftig...

Ich glaube, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. In Sachen Gerechtigkeit müssen noch einige Hausaufgaben erledigt werden.

Beste Grüße

Ghostrider

Immer wieder mal liest man von rechtsextremen Übergriffen auf Behinderte. Die Ex-Lebensgefährtin von diesem Typen, der die Partei "Die Rechte" gegründet hat und die hier auch schon gepostet hat, erklärte ihren Ausstieg aus der rechten Szene u.a. damit, dass ihr behinderter Sohn zunehmenden Anfeindungen der Szene ausgesetzt war.

Die Hierarchisierung von "Rassen", sozialdarwinistische Vorstellungen über menschliche Gesellschaften und ihre Entwicklung, die Verherrlichung des Krieges und die Dauerinszenierung von vermeintlicher Überlegenheit reproduzieren unvermeidlich immer wieder aufs neue auch eine dünkelhafte, ablehnende und menschenverachtende Haltung des Rechtsextremismus gegenüber geistig und körperlich Behinderten. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass manche Rechtsextreme dazu eine moderatere Position einnehmen (häufig auch aufgrund persönlicher Betroffenheit in der ein oder anderen Weise) oder aus verschiedenen, auch taktischen, Gründen auf eine ausgeklügelte programmatische Fixierung behindertenfeindlicher Positionen verzichtet wird.

Auch wenn es also vordergründig keine gezielt gegen Behinderte "ausgearbeitete Minderwertigkeitsideologie" gibt, liegen eigentlich alle Versatzstücke einer "grundlegenden ideologischen Unwertmachung" vor und bedarf es folglich einer solchen explizit eigentlich auch gar nicht.

@BadCatNo3
DAS ist ein Spitzenbeitrag. Sehr informativ und aufschlußreich.

@Ghostrider
"Wer sich heute zum Rechtsextremismus bekennen möchte, kommt an der Verherrlichung der Euthanisie-Morde nicht vorbei".
Hierzu folgende Denkanstöße:
- Hast Du schon einmal einen Rechtsextremisten getroffen, der sich "zum Rechtsextremismus bekennt"?
- Sind alle Rechtsextremisten Nationalsozialisten? (Oder anders gefragt: Sind die Begriffe "Nationalsozialismus" und "Rechtsextremismus" eins zu eins austauschbar?)

@ Ghostrider

"Ihr Zitat: GEZ-Abzocke bei Behinderten (FN4)..."
Um das sicherheitshalber klarzustellen: Diese Zitate stammen von rechtsextremistischen Seiten. Ich habe sie lediglich zu Anschauungszwecken zitiert, von den Inhalten distanziere ich mich ausdrücklich!

Zum Thema Gerechtigkeit mag ich mich kaum mehr äußern. Ich würde es bereits als großen Fortschritt ansehen, wenn zumindest offensichtliche, beißende Ungerechtigkeit verhindert werden könnte. Selbst das scheint jedoch in nahezu allen Bereichen zu viel verlangt... Wer keine starke Lobby hinter sich stehen hat, ist auf Brosamen und Almosen der Politik und Sozialverbände angewiesen. Ob sich das noch einmal ändern wird? Ich mag die Hoffnung nicht aufgeben...

@Kankalöf,

"Hast Du schon einmal einen Rechtsextremisten getroffen, der sich zum Rechtsextremismus bekennt ?"
(...)

Ja, und nicht nur einen !

Szene im Rathaus, Anfang der 80er Jahre. Ich werde unbeabsichtigt Zeuge einer sehr lauten Auseinandersetzung zwischen einem Büroangestellten und einem etwas älteren Herrn auf einem längeren Gang im 1. Stock. Vom Foyer aus begab ich mich zur breiten Steintreppe Richtung 1. Stock und konnte dabei noch einige Wortfetzen wie "sche.... Judenrepublik" ect.pp., wahrnehmen. Blind vor Wut und in hasserfüllte Selbstgespräche vertieft, hätte mich dieser Mensch fast überrannt. Na, na, da ist aber einer sauer, so meine Worte. Da legte dieser Mann noch einmal richtig nach. Seine antisemitische Hasstiraden schockierten nicht nur mich, sondern mittlerweile einige Leute, die mit "Kopfschütteln und Entsetzen" alles mitbekommen hatten.

Dann fuhr der ältere Mann fort: "Wissen Sie, ich muss mir von solchen Idioten keine Vorträge anhören. Sie können von mir denken, was Sie wollen ! Ich bin ein Nationalsozialist, durch und durch, denn ich bin arisch bis aufs Knochenmark !
Übrigens meine Kameraden und ich treffen uns jeden Freitag in unserer Stammkneipe. Alles anständige Leute, verstehen Sie ! Sie sind immer herzlich eingeladen. Da können Sie in Sachen deutsche Geschichte von 1933 - 1945 noch viel lernen. Dabei meine ich nicht das, was Sie in der Schule gelernt haben, sondern die deutsche Geschichte, wie sie wirklich war ! Bei uns erfahren Sie auch, warum es den Holocaust nie gegeben hat !"

So, ich hätte ihn jetzt anzeigen können, zumal ich alles andere als arisch bin. Doch ich zog es vor, meine "defizitären Geschichtskenntnisse" in Sachen NS aufzubessern ;-))
Der "Nachhilfeunterricht" war dabei nicht ungefährlich aber durchaus "lehrreich".

Glauben Sie mir, in Deutschland ist Nationalsozialismus und Rechtsextremismus identisch. Denn die NS-Ideologie beherbergt alles, was den Rechtsextremismus ausmacht und umgekehrt.

In Frankreich bezieht sich der Rechtsextremismus mehr auf Rassismus bezüglich der in Frankreich lebenden Algerier und Marokkaner. Der Antisemitismus hingegen wird in Frankreich sowohl von Rechtsextremisten, als auch von Islamisten geschürt.

Beim belgischen Vlaams Belang, früher Vlaams Block sind die Übergänge vom Rechtsextremismus zur NS-Ideologie nahtlos.
Beste Kontakte zu den deutschen Neonazis.

Auch in den USA wird Rechtsextremismus gerne mit dem Ku Klux Klan in Verbindung gebracht. Hier geht es um Rassismus bezüglich der schwarzen Bevölkerung. Nur zu oft aber wird auf die überlegene weiße Rasse, der "Herrenrasse" gedeutet. Somit auch hier wieder ein nahtloser Übergang zum Ethnopluralismus und zur Athropologie in Bezug auf das Erbgut in der NS-Rassenkunde.

"Sind die Begriffe "Nationalsozialismus" und "Rechtsextremismus" eins zu eins austauschbar ?"
(...)

Es kommt auf die Betrachtungsweise an.

Anders Breivik wird als Rechtsextremist angesehen, der 70 Menschen im Wahn seiner extremistischen Ideologien umgebracht hat.

Der NSU hat 10 rassistisch motivierte Tötungsdelikte begangen.
Das Trio war als Neonazis bekannt. Bekennende Nazis feiern heutzutage den NSU als "Helden".

Der Algerier Mohammed Merah hatte in Toulouse vor einer jüdischen Schule ein blutiges Massaker angerichtet und dabei eine Familie mit Kindern getötet und weitere Kinder und Erwachsene schwer verletzt.
Tatmotiv : Judenhass

Drei verschiedene Motive und Tötungsdelikte.

Jetzt können Sie die Begriffe : "Nationalsozialismus" und "Rechtsextremismus" den Tötungsdelikten entsprechend zuordnen.
Im Prinzip "Jacke wie Hose", denn das macht die Opfer nicht wieder lebendig, oder ?

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@Ghostrider
Also hatte ich doch recht. Du konntest mir keinen Fall schildern, in welchem sich ein Rechtsextremist zum "Rechtsextremismus" bekannt hat. Der 80er-Jahre-Wüterich vom Rathaus bezeichnete sich, wie Du schriebst, als "Nationalsozialist", nicht als "Rechtsextremist". "Rechtsextremismus" ist und bleibt eine Fremdbezeichnung, die Rechtsextremisten nicht als Selbstbezeichnung verwenden. Quod erat demonstrandum.

Hallo BadCatNo3,

ja, der Rechtsextremismus nährt sich immer wieder von Wutbürger Themen. Deshalb sollte man solche Themen auch nicht links liegen lassen. Auch wenn man selbst nicht davon betroffen ist.
War zum Beispiel in meinem Leben nie arbeitslos. Habe zum Teil im Ausland meine Brötchen verdient und bin mit 56 in den wohlverdienten Ruhestand. Unsere 3 Söhne haben studiert und haben folgedessen gute Jobs.
Für mich wäre also jetzt der Schaukelstuhl am warmen Kamin angesagt. Stattdessen schreibe ich mir die Finger wund ;-))
Vor ca. 3 Jahren haben wir unsere Elektrogeräte gegen Neue ausgetauscht. Die 5-6 Jahre alten Geräte hatten wir an bedürftige Personen verschenkt. Wenn meine Frau bei Fressnapf für unsere "Tierwelt" einkaufen geht, spendet sie nicht selten Tierfutter, dass man dort in eine dafür vorgesehene Gitterbox deponieren kann.
Ob nun Fressnapf mit den örtlichen "Tafeln" zusammenarbeitet, weiß ich nicht. Dennoch denke ich mal, dass solche Aktionen ihren Sinn erfüllen.
Das alles ist aber nur einen Tropfen auf den heißen Stein.

Gerade ältere Menschen hängen sehr an ihren Hunden und/oder Katzen. Manche sind verwitwet und das Tier der letzte Lebengefährte in ihrem Leben. Doch die Rente reicht vorne und hinten nicht mehr. Sie sind auf Hilfe angewiesen.
Ein befreundetes jüdisches Ehepaar ist diesbezüglich sehr engagiert. Die Not ist groß und man kann nicht überall helfen. Leider !

Auch im reichen Industrieland Deutschland gibt es Kinder, die nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen. Leben Menschen in Schimmelbuden im Klinsch mit ihren Vermietern, die nur Miete kassieren wollen, anstatt ihre Bruchbuden vernünftig zu renovieren.
Die Liste ist lang und das Elend unübersehbar. Wegschauen bringt uns nicht weiter. Das Thema muss auch diskutiert werden, sonst tut es der Rechtsextremismus auf seine Art und Weise. Und das kennen wir ja !

Wer an dieser Misére schuld ist und wie schnell Menschen in diesem Strudel geraten können und welche Ungerechtigkeiten damit verbunden sind oder nicht, dürfte ein sehr spannendes Thema werden. Wäre aber jetzt etwas OFF TOPIC !

Reform des Rundfunk Staatsvertrags ist auch so ein spannendes Thema. Der Link in meinem Kommentar ist von www.welt.de.
Garantiert kein rechtsextremes Blatt ;-))

Bin immer bemüht solche Literatur von meinen Kommentaren fernzuhalten. ;-))

Recht haben und Recht bekommen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Da spreche ich Ihnen sicherlich aus dem Herzen ;-)

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@Kankalöf,

vielleicht kann das hier weiterhelfen :

http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41312/was-ist-re...

Die von der Bundeszentrale für politische Bildung dargestellten Unterschiede mit dem Hinweis auf meist fliessenden Übergängen sind in meinen Augen keine klare Definitionen.

Ghostrider

Im Großen und Ganzen stimme Ich dir zu, würde aber nicht pauschal behaupten, die von der Gesellschaft weithin als "behindert" bezeichneten Menschen würden das "schwächste Glied" unserer Gesellschaft darstellen. Du drängst Sie damit in eine, wie Ich finde, herabsetztende Opferrolle die der Eine oder die Andere sicher ablehnen würde. Die Definition von Schwäche liegt auch etwas im Auge des Betrachters.