Frage

Ist das Rassismus?

Bild von helena

Ich habe gestern zufällig stern-TV gesehen. Dort ging es um Schwarzarbeit. Die Wissenschaftler, die dazu befragt wurden, meinten, dass die Skandinavier grundsätzlich ehrlicher seien als die Deutschen. Am schlimmsten (ich weiß nicht, ob dieses Wort so fiel, aber gemeint war es in jedem Fall so!) seien die Südeuropäer. Das war dann sozusagen das amüsante Schlussstatement dieses Themas. Nun bin ich hin und her gerissen: Einerseits ist das ja offenbar rassistisch, andererseits versuchten diese Wissenschaftler, das irgendwie zu begründen (in Skandinavien identifiziere man sich eher mit dem Staat und missbrauche ihn daher weniger in Bezug auf Sozialleistungen). Etwas in mir sagt mir, dass so etwas nicht in Ordnung ist, denn was natürlich hängen bleibt beim Zuschauer ist, dass die Südländer wieder mal die Schlechten sind. Andererseits frage ich mich, ob man wirklich immer so politisch korrekt sein muss und nun gar nichts mehr über "britischen Humor" und "deutsche Pünktlichkeit" sagen darf. Nun die Frage: Wo fängt hier der Rassismus an? Und: Fängt man in solchen Situationen Diskussionen an, um die Anderen darauf aufmerksam zu machen?

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erschienen am Donnerstag, 04.02.2010, 19:17

Leser-Kommentare ()

  1. Bild von Kommentator

    1. Offizielle Statistiken zur Schwarzarbeit gibt es nicht, sonst wäre sie ja nicht mehr illegal. Man kann zwar durch anonyme umfragen ein paar Daten bekommen, aber die sind bei dem Thema wenig verlässlich und reichen wohl eher nicht für Angaben von mehr oder weniger. (Hier wäre mal die genaue Begründung interessant, warum es im Süden mehr Schwarzarbeit gibt als im Norden.) Das Kommentar zu mehr oder weniger Staatstreue ist noch schwammiger.
    Was ich hier ausdrücken will: wenn man es sehr gut begründen kann und alle Schlüsse sauber zieht, ist es wohl kein Rassismus. Bei der Datenlage (die ich vermute) und dem aus meiner Sicht geringem Zusammenhang zwischen Staatstreue und Schwarzarbeit kann man zumindest von ausgeprägten Vorurteilen sprechen.
    2. Solange die Vorurteile positiv sind (Humor und Pünktlichkeit) sehe ich kein Problem. Hier werden Leute "gelobt" auch wenn sie die Eigenschaft eventuell nicht haben. Bei negativen Vorurteilen (Schwarzarbeit) ist dies umgekehrt. Ihr werden Leute ohne dieses Merkmal ebenfalls beschuldigt.

  2. Bild von er nu wieder

    Mh, ich würde spontan sagen: In dem Moment, in den negative Klischees und negative Vorurteile verallgemeindernd auf bestimmte Bevölkerungen oder Bevölkerungsgruppen bezogen werden, handelt es sich um Rassismus.

  3. Bild von Dmitri

    @helena

    Nein, das ist nicht rassistisch. Es handelt sich hierbei einzig und allein um die Auswertung von Statistiken.

    Rassistisch wäre es, wenn der Wissenschaftler behauptet hätte, dass es z.B. ein "Schwarzarbeiter - Gen" bei Südeuropäern gäbe oder etwas in der Art.

    Rassistische Äusserungen sind in einer Sendung, die Günther Jauch moderiert, sowieso undenkbar.

  4. Bild von helena

    Aber kann man Statistiken nicht auf verschiedene Arten interpretieren? Mir fällt da spontan die berüchtigte, angeblich hohe Kriminalitätsrate von Ausländern ein. Die Behauptung ging ja nicht eindeutig nur in die Richtung, dass Skandinavier eher wenig schwarz arbeiten, sondern eben auch, dass sie ehrlicher seien. Man hätte das doch sicher irgendwie entweder vorsichtiger formulieren oder eben noch deutlicher ausführen können.

    Mir fällt gerade auf, dass ich nicht sicher bin, ob deine Aussage jetzt ironisch gemeint ist oder nicht...

  5. Bild von Atze

    Das muss dann ja insgesamt eine reichlich makabere Stern-TV-Sendung gewesen sein... :-) Ich hab davon nur ein bisschen von der albernen Diskussion um das Pro und Contra zur deutschen Schulpflicht mitbekommen, weil eine deutsche familie in den USA gerichtlich politisches Asyl bekommen hat, weil sie in Deutschland von Strafverfolgung durch ihre Weigerung bedroht gewesen wäre, ihre Kinder in eine staatliche Schule zu schicken...

    Latent fließt in die Aussagen und Wertungen zur Schwarzarbeit fraglos rassistische Vorurteile ein, wenn man unhinterfragt stumpf ein nord-süd-Gefälle bilanziert. So entsteht mehr oder weniger bewußt und gewollt der Eindruck, dies hätte "völkische" Ursachen. Wenn es in Deutschland wiederum eine höhere Schwarzarbeitsquote als in Skandinavien gibt, halte ich allerdings nicht etwa Gene oder Staatstreue dafür für ausschlaggebend, sondern eher die Reste mittelalterlich-feudalistischer Regeln beim "zünftig" organisierten deutschen handwerk... :-)

  6. Bild von helena

    Mich hat daran nur irritiert, dass das so gar nicht in Frage gestellt wurde. Das ist ja eigentlich das Schlimme am Rassismus: Wenn er so nebenbei daherkommt und noch ein Herr Jauch das unkommentiert stehenlässt, dann "muss da ja wohl was dran sein". Ich finde das potenziell viel gefährlicher, als wenn irgendein Depp durch die Straßen pöbelt.

  7. Bild von Atze

    Hallo Helena,

    tja, manchmal kann man sich nur wundern, wer sich so alles "Wissenschaftler" schimpfen darf und welcher Dummfug entsprechend etikettiert wird...

    Das Ausmaß an Schwarzarbeit in einer Volkswirtschaft, so jedenfalls meine Gegenthese, hat nicht viel mit Staatstreue oder völkisch dargestellten Besonderheiten zu tun, sondern dürfte eine simple Funktion des Verhältnisses von durchschnittlichem Handwerkerstundenlohn Brutto zu durchschnittlich verfügbarem Haushaltsneinkommen Netto abzüglich Wohnungskosten sein... :-)

    Diese Form von süffisant grinsendem Rassismus halte ich jetzt zwar nicht wirklich für gefährlicher als offene Pöbeleien und Hetzjagden. Aber das ist der unüberschaubare Sumpf, aus dem sich aggressiver Rassismus immer wieder rekrutiert.

    Hier noch ein Beispiel: Die Tage zappte ich in eine Sendung wohl über Geschichte und Tradition des Kölner Karnevals. DA wurde vom Kommentar auch bemäkelt, dass manche themenwagen des Kölner Umzugs der Political Correctnes zum Opfer fallen würden. Im Hintergrund sah man einen Wagen, der einen Türken mit unüberschaubarer Kinderzahl darstellte. Auch hier wird wieder nur ein Vorurteilsklischee bedient. Tatsächlich sinken die Geburtenraten in der Türkei und auch in der türkischen Community in Deutschland dynamisch auf das westeuropäische Durchschnittsniveau. Der Filmkommentar "brandmarkte" dazu beiläufig political correctne als latente Spassbremse. Ich habe mich wiederum bei der Frage ertappt, wieso Tatsachen ignorante Vorurteilspflege lustiger sein soll als Demaskierung verstaubter Vorurteile...?

  8. Bild von Kijan

    Es totaler Schwachsinn zu sagen, dass das Rassismus wäre. Es gibt Volksgruppen mit unterschiedlichen Ausprägungen. Das ist eben so ... ob man jetzt will, dass alle in allem gleich sind nur, weil sie Mensch sind oder nicht ist mal wirklich hinfällig.
    Kleines Beispiel : In manchen indischen Regionen sagt man dir ,EGAL wo du hinwillst und EGAL ob sie wissen wo es lang geht oder nicht, den Weg. - Weil es das eben unhöflich wäre es nicht zu sagen.

    Meine persische Großmutter hat mal nen Elektriker dazu gezwungen bei uns Mittag zu essen, weil da wo sie herkommt das eben so üblich ist....
    und wer jetzt behauptet ich es wäre rassistisch zu sagen, du kannst in Indien (der Region) keinem Vertrauen, wenn du nach dem Weg fragst ist einfach mal bescheuert. Du kannst dir eben nicht sicher sein ob der/die die Wahrheit erzählt, weil es da eben höflich ist. Ob du das jetzt gut oder schlecht findest bleibt deine persönliche Entscheidung und hat nichts, aber auch gar nichts mit der Wertigkeit als Mensch zu tun.

    Grüße

    - Ich bin stolz auf Deutschland und befürworte Nationalgefühl - Darf es aber wegen linker und rechter Idioten nicht!

  9. Bild von helena

    Aber ist es nicht rassistisch, von "Volksgruppen mit unterschiedlichen Ausprägungen" zu sprechen? Es mag ja sein, dass in bestimmten Ländern bestimmte Regeln gelten, ansonsten müsste man sich um interkulturelle Beziehungen ja keine Gedanken machen - wir wären ja eh alle gleich. Ich überlege nur, wo die Grenze ist zwischen: "Die Türken / Araber / Briten / Skandinavier sind so und so" und: "In der Türkei ist es üblich, dass...". Da sehe ich schon einen Unterschied.

  10. Bild von Atze

    Und das zu Recht! Sehr schön auf den Punkt gebracht.

  11. Bild von Dmitri

    Hallo, wir haben Ihren Beitrag gelöscht, weil er off-topic war. Moderator_JW

  12. Bild von Wouter

    Ich habe selber die Sendung leider nicht gesehen von deiner Beschreibung her scheinen die Wissenschaftler aber vergleichende Staaten und Kulturforschung zu betreiben. Das ist innerhalb der Sozial- und Politikwissenschaften ein zunehmend beliebter und wichtiger Bereich der moderenen Forschung, bei dem es darum geht das kollektive Verhalten einzelner Kulturgruppen zu untersuchen. Wichtig ist hierbei vor allem die kulturelle und politische Zusammengehörigkeit, nicht in erster Linie die biologische oder "völkische" wie es beim "klassischen" Rassismus der Fall ist.

    Was die Forscher also Untersuchen sind kulturelle Unterschiede und es hilft denke ich jedem, wenn man eine Ahnung hat, wie andere Menschen in anderen Ländern denken und sich verhalten. Leider sind die meisten Wissenschaftler eher nicht sehr erfahren in Kommunikation außerhalb ihrer Disziplin.

    Der wesentlich Unterschied zu Rassismus ist allerding, ob dabei ein subjektiv wertende Aussauge transportiert werden soll, nach dem Motto: "Italiener sind schlechtere Menschen, weil sie ihren Staat hintergehen!" - dann verlässt man die Wissenschaft und begibt sich auf gefährlichem Terrain.

    (Ganz nebenbei, ich wohnen jetzt seit einiger Zeit in Italien, und ja sie halten nicht viel von ihrem Staat - sind aber andererseits meist viel offener und sozialer als der durschnittliche Nordeuropäer. So jedenfalls meine Erfahrung - wenn ich das feststelle, bin ich dann ein Rassist?)

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