Neulich, im Stadion (nein, ich werde nicht sagen, bei welchem Verein, sorry) riefen die Fans der Heimmannschaft ,angeheisst durch den "capo", einem gegnerischen Spieler, der vor der Südkurve einen Eckstoß ausführen wollte, "Lutscher! Lutscher!"- Rufe entgegen! Was kann man gegen solche homophoben Rufe im Stadion tun?
Hallo er nu wie,
ehrlich gesagt käme ich gar nicht auf die idee, "Lutscher" als Ausdruck von Homophobie zu interpretieren. Für mich ist das eigentlich ein Synonym für "Memme" und abgeleitet vom Daumenlutschen von Säuglingen. An andere Körperteile hätte ich da gar nicht gedacht... :-)
Schwulenfeindlichkeit sehe ich wie in der Gesamtgesellschaft so auch im Fußball latent im Rückschritt begriffen. Indiz: Der jüngste Schiri-Skandal, beim dem weniger die vermeintlich homosexuelle Neigung des DFB-Obmanns für das Schiedsrichterwesen, Amarell, im Vordergrund steht, sondern die unsägliche Form, in der der DFB die Problematik managt.
@atze: danke für die "unschuldige" Antwort! ;-) Aber im Ernst: Ich glaube schon, dass der Ruf "Lutscher!" sich auf gewisse Praktiken bezieht und damit homophob ist. Und ich fürchte auch, dass Homophobie leider noch recht verbreitet ist im Fussball, das dieser als "Männersport" gilt und Homosexuelle für viel zuviele nicht als "richtige Männer" gelten.Es gab ja in den letzten Monaten eine Diskussion zum Thema "Homophobie" im Fussball und im Rahmen dieser Diskussion wurde auch darüber diskutiert, ob sich homosexuelle Fussballer "outen" können/sollen oder nicht. (ich meine mich zu erinnern, ein Spieler von St. Pauli hätte sich sogar geoutet- dann wäre St. Pauli auch hier mal wieder vorbildlich!). Und es gab ja auch einen Aktionstag gegen Homophobie, soweit ich weiss...es kann also sein., dass du recht hast: Die Homophobie ist leicht auf dem Rückmarsch...bzw.: sie wird endlich thematisiert!
Hallo er nu wie,
klar gibt es noch viele Probleme, aber die Entwicklungstendenz stimmt. Besonders erfreulich, dass sich dabei der DFB in gesellschaftspolitischen Problembereichen wie Integration, Kampf gegen Homophobie und gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus engagiert und fast schon so etwas wie eine Vorreiterrolle spielt. Das ist wohl wesentlich ein Verdienst von DFB-Boss Zwanziger. Dass das ganz Wirkung zeigt, sieht man m.E. am Fall Amarell, der in der Öffentlichkeit doch recht fair und verantwortungsbewusst behandelt wird.
Wenn sich die Gerichte in Zukunft auch noch mit derartigen Banalitäten befassen sollen, bricht die Justiz in Deutschland endgültig zusammen.
Ich bezweifle ob hier überhaupt der Tatbestand einer Beleidigung erfüllt ist. Ein bißchen mehr Gelassenheit wäre vielleicht angebracht.
@ dmitri: Gericht? Wieso Gericht??!! Ach so, verstehe...netter Versuch ;-)
@atze: Es stimmt, seitdem Herr Zwanziger DFB-Chef ist, hat sich einiges verbessert. Was die Auseinandersetzung mit Neonazis angeht, und eben auch, was Themen wie Homophobie angeht.
Aber: Meine Frage zielte auch ein wenig darauf ab, Tipps zu bekommen, was ich als Fan einer Mannschaft machen kann, wenn die eigenen Fans solche blöden Kommentare rufen. Ich will mich als Fan ja nicht nur auf Herrn Zwanziger und den DFB verlassen.
Hallo er nu wie,
was man praktisch tun kann? Nun, an Ort und Stelle vermutlich eher weniger, hängt von den Umständen und Rahmenbedingungen ab. Ansonsten kann man sich in eines der meinungsbildenden Foren einklinken und dann dort eine Diskussion lostreten.
Ich z.B. bin Fan vom 1. FC Köln und schreibe regelmäßig in einem Fanforum. Vor geraumer Zeit hat Daum einmal Pädophilie und Homosexualität unglücklicherweise in einen scheinbaren Zusammenhang gerückt. Rechtsradikale haben dann versucht, auf diesen thematischen Zug aufzuspringen. Das Ganze endete dann praktisch damit, dass sich fast alle aktiven user als "brick in the wall" gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und eben auch Homophobie ausgesprochen haben.
Auch die (guten alten) "11 Freunde" schreiben interessante Dinge über das Thema:
http://www.11freunde.de/bundesligen/128159/da...
http://www.11freunde.de/bundesligen/128167/de...
was wäre ein stadionbesuch ohne jeck oder halt pöbelei.finde das war immer so,wird sich auch nicht ändern.jeder freut sich wenn die eigene elf gewinnt und andernfalls ärgert man sich.jedoch dass deswegen 3. halbzeiten angezettelt werden,ist irgendwie übertriebeben.bin außerdem der meinung das homophobie so beäugt werden müsste, als wäre es schlicht und ergreifend spießig.ob der eckenschütze nun gay ist oder nicht ist doch vollkommen latte...ist doch seine privatsphäre.hauptsache er tritt den ball und das spiel wird fortgesetzt.tun kann man da doch nur eins:ignorieren
F C St. Pauli du bist mein verein,und immer meine große liebe sein
und wieder ein wirklich guter Artikel zum Beitrag:
http://www.welt.de/debatte/article6670225/Fus...
Betrachtet man die Reaktionen auf den Fall Amarell, der zunehmend zu einem Fall Zwanziger oder Kempter wird, kann man doch eigentlich eine sehr positive Bilanz ziehen. Ich sehe da efreulich wenig Homophobie. So hinterwäldlerisch ist mittlerweile eben auch der Fußball nicht mehr.
@er nu wieder
"Fußball - die letzte Bastion der Homophobie"
Da fragt man sich in welcher Scheinwelt der Schreiber dieses Artikels lebt. Das ist vielleicht Wunschdenken einiger Linken, hat aber mit der realen Situation nichts zu tun.
Lieber user, nur kurz der Hinweis: Wir sind hier an einer sachlichen Diskussion interessiert. Moderator_JW
@ atze: Ja, du hast recht- die Reaktionen aus dem DFB zu diesem Fall sind positiv. Ich hoffe nur, dass sich diese Einstellung auch auf die Kurven überträgt...
@dmitri: wie sieht denn die reale Situation Ihrer Meinung nach dann aus? Gibt es nicht nur im Stadion Homophobie? Oder gibt es im Stadion gar keine Homophobie? Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinaus wollen...
@dmitri: wie sieht denn die reale Situation Ihrer Meinung nach dann aus? Gibt es nicht nur im Stadion Homophobie? Oder gibt es im Stadion gar keine Homophobie? Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinaus wollen...
Phobie ist vielleicht von vornherein eine falsche Bezeichnung. Ich würde eher von einer Aversion oder "Ekel" sprechen.
Ich kann nur für mich sprechen. Jedenfalls kenne ich niemand in meinem Bekanntenkreis oder unter den Arbeitskollegen, der Homosexualität nicht ablehnt. (...)
Wenn der Verfasser der Meinung ist, dass Fussballstadien die letzte Bastion der Homophoben sind, würde ich ihm mal empfehlen sich bei der Bundeswehr bei Ableistung des Grundwehrdienstes als "schwul" zu outen. Oder an einer Schule mit muslimischen Mitschülern.
Daher war ich der Meinung, daß der Artikel an der Realität vorbeigeht. Es ist zwar politisches Ziel derartige Vorstellungen in der Bevölkerung zu verankern (Stichwort: Gender Mainstream); dieses Vorhaben wird aber scheitern.
Hallo, wir haben einen Teil Ihres Beitrags gelöscht, weil er gegen unsere Diskussionsregeln verstoßen hat. Moderator_JW
@dmitri: Sie haben natürlich recht: Homophobie ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und recht weit verbreitet. DAs bestätigt wieder die alte These: Fussball ist ein Spiegel der Gesellschaft. Also: Was tun gegen Homophobie im Stadion?
@er nu wieder
Aus meiner Sicht besteht da überhaupt kein Handlungsbedarf
...und noch ein Artikel zum Thema:
http://taz.de/1/nord/artikel/1/%5Cich-wollte-...
Das Thema scheint durch den "Fall Amarell" ja wirklich in aller Munde zu sein. Ich hoffe, dass das, so wie atze vermutet, auch Auswirkungen auf die Fankrven hat.
Vielleicht sollte man erstmal abwarten bis im "Fall Amarell" ein Richterspruch vorliegt. Schließlich ist das ganze ein schwebendes Verfahren.
Außerdem frage ich mich die ganze Zeit, was dieses Thema überhaupt im ngn zu suchen hat. Ist es schon soweit, daß jemand, der Homosexualität ablehnt, sich als Nazi bezeichnen lassen muß?
Hallo Dimitri,
also Amarell hat sich ja schon zu seiner Bisexualität bekannt. Gerichtlich lässt er nun auf seine eigene Initiative hin klären, ob der Vorwurf der sexuellen Nötigung gerechtfertigt war. Da hat er jetzt wohl Strafanzeige gegen vier Schirikollegen erstattet.
Ansonsten hast du natürlich Recht. Nicht jeder, der Homosexualität ablehnt, ist deshalb automatisch rechtsradikal. Homophobie ist beileibe kein rechtsradikales Alleinstellungsmerkmal oder eine rechtsradikale Erfindung. Entsprechend findet man sie auch nicht nur am rechten Rand, sondern auch in der Mitte oder am linken Rand. Und abstrakt wäre auch ein von Homophobie befreiter Rechtsradikalismus denkbar. Konkret aber ist Homophobie eben ein "Markenzeichen" des deutschen Rechtsradikalismus. Schwule wurden in KZs verfrachtet und sind entsprechend auch heute immer noch ein bevorzugtes Hassobjekt von Neonazis.
Für sich betrachtet, ist Homophobie aber sicher kein hinreichender Beleg für Rechtsradikalismus, lediglich Element einer prämodernen, konservativ-reaktionären Weltsicht, die vom Rechtsradikalismus allzu gerne aufgegriffen und radikalisiert wird.
Auch wenn es ein "Fall" ist, bei dem das Thema in die Medien gekommen ist- ähnlich wie nach dem Tod von Renke - mir ging es bei meiner Frage gar nicht um den "Fall Amarell". Mir geht es um das Problem "Homophobie im Stadion" allgemein.