Hallo alle zusammen,
Ich hätte mal eine Frage zum Thema Nationalhymne.
Eigentlich war ich der Meinung, es wäre verboten, alle Strophen der Nationalhymne zu singen.
Jetzt habe ich allerdings gehört, dass es nur "bei öffentlichen Anlässen nicht üblich" wäre, alle drei Strophen zu singen, da diese ja auch inhaltlich garnicht mehr richtig sind.
Welche Version stimmt denn jetzt? Und wenn es die zweite ist, was zählt denn dann hier genau als ein "öffentlicher Anlass?". Wäre es auch einfach schon an einem öffentlichen Ort wie z.B. einer Schule verboten?
Ich freue mich auf eure Antworten.
Ghostrider
@Just Tanja,
es ist die erste Strophe vom Deutschlandlied, die verboten und damit nicht gesungen werden darf.
Textzitat: "Deutschland, Deutschland über alles, dann später über alles in der Welt."
Und das kann es wohl nicht sein. Das war sozusagen der Nazitraum vom 1000 jährigen Reich, das 15 Jahre später und 50 Millionen Tote, (denn soviel Menschenleben hatte der 2. Weltkrieg gekostet), ausgeträumt war.
Der Traum von der Nazi-Weltherrschaft. Als Vorbild diente das 1000 jährige römische Reich. Hitler sah sich schon als germanischer "Julius Caesar", obwohl "Nero" besser zu ihm gepasst hätte. Zumindest in Bezug auf Blutrünstigkeit und Wahnsinn.
Die Weichen für seinen Größenwahn waren somit schon gestellt.
Auch der Hitlergruß ist vom römischen Gruß abgeleitet.
Nach 1945 hätte man eine neue Nationalhymne komponieren müßen mit einem Text, der besser zu Deutschland gepasst hätte, aber leider hat man diesbezüglich den einfachsten Weg gewählt und die erste Strophe verboten.
Bald ist Fußball-Weltmeisterschaft, und die Nationalhymne wird wieder aus vielen Fernsehschirmen möglichst bis auf die Strasse ertönen, aber ohne die erste Strophe.
Dort wo allerdings die erste Strophe lauthals gebrüllt wird, kann man sicher sein, hier wohnen Nazis.
Ghostrider
Ein Hakenkreuz im Hirn erschwert das Denkvermögen!
Die Strophen sind, entgegen der geläufigen Meinung, NICHT verboten. Es ist auch NICHT verboten sie zu singen, auch nicht bei öffentlichen Anlässen. Es ist, nur seit dem Zweiten Weltkrieg, gesellschaftlich verpönt - aber wer sie singen will darf/soll/kann sie singen.
Lieber Ghostrider,
in Deinen Ausführungen stecken so viele Fehler, daß man sie fast gar nicht alle aufführen kann.
Das Lied der Deutschen ist weder verboten, noch ist dein Textzitat " dann später die ganze Welt" in irgendeiner Strophe vorhanden. Dieses "dann später" hast Du einfach hinzugefügt, und damit den Inhalt völlig verfälscht.
Das Lied wurde im 19. Jahrhundert (und nicht 15 Jahre vor 1933) geschrieben und hat überhaupt nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Das Lied der Deutschen ist in einer Zeit entstanden, in der Deutschland, durch Napoleons Kriegstreiberei, in viele kleine Länder zerfallen war.
Herr von Fallersleben wünschte sich, wie viele Deutsche in dieser Zeit, einen Nationalstaat, der alle deutschen Länder umfasst. Daß das Lied keinerlei Weltherrschaftsfantasien enthält, erkennt man doch allein schon an den geographischen Grenzen, die in der 1. Strophe genannt werden: Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Also nur deutsche Gebiete. (Die heute allerdings nicht mehr ganz zutreffen.)
Diese Lied ist also aus purer Liebe zu unserem Land entstanden, und hat keinerlei aggressive Untertöne, wie sie beispielsweise die französische Nationalhymne enthält.
In seiner vollständigen Version war das Lied der Deutschen nur in der Weimarer Republik Nationalhymne. Weder im 3. Reich (nur 1. Strophe im Verbindung mit dem Horst Wessel Lied) noch in der BRD (nur 3. Strophe) ist dies der Fall.
Im Übrigen: Als Vorbild für das sogenannte 1000-jährige Reich diente nicht das Römische Reich, sondern das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das 1. Deutsche Reich. Dieses existierte sogar fast 1000 Jahre bis Napoleon es 1806 zerstörte.
Die 1. Strophe des Deutschland-Lieds ist keinesfalls verboten. Auch die Annahme, daß diese heute nur noch Nazis gesungen wird ist falsch.
Ich kann mich erinnern daß sich bis in die 80er Jahre hinein konservative Politiker für das singen aller 3 Strophen eingesetzt haben. Z.B. Alfred Dregger von der hessischen CDU. Der konservative Journalist Gerhard Löwenthal (ZDF-Magazin) hat sogar auf die kostenlose Verteilung entsprechender Schallplatten hingewiesen.
Hallo Tanja, Ghostwriter, Brennus,
tatsächlich ist keine Strophe des Deutschlandlieds verboten. Insofern hat sich Ghostwriter tatsächlich geirrt.
Als offizielle Nationalhymne wurde die 3. Stophe in einem Briefwechsel zwischen Bundeskanzler Kohl und Bundespräsident Weizäcker Anfanf der 90er festgelegt.
Strafrechtlich verboten ist eine Verunglimpfung der Nationalhymne. Diese könnte in der Tat schon gegeben sein, wenn man sie mit der 1. Strophe ALS NATIONALHYMNE singen würde. DAs wäre jedenfalls meine Rechtsauffassung, möglicherweise zielte Ghostwriters Verbotsidee in diese Richtung...
Brennus, bei dir gerät allerdings auch einiges Durcheinander...
Die Kleinstaaterei in Deutschland ist keine Folge der napoleonischen Kriege, sondern hat es auch zuvor schon gegeben.
Fallersleben wiederum schrieb das Gedicht nicht als Reaktion auf die napoleonischen Kriege, sondern eher als durch die Bürgerrechte der Französischen Revolution inspirierter Freigeist, dessen politisches Engagement gegen Kleinstaaterei, Pressezensur, Fürstenwillkür sowie Allmacht von Polizei und Militär ihm zunächst Berufsverbot als Germanistikprofessor, dann die Aberkennung der preusischen Staatsangehörigkeit und schließlich die Ausweisung einbrachten.
Tatsächlich ist das Gedicht nicht Ausdruck bösartig-imperialen Größenwahns, sondern der romantisierende Aufschrei einer ins helgoländer Exil verbannten Seele.
Allerdings haben die Nazis natürlich der 1. Strophe einen widerwärtigen Beigeschmack untergemengt.
Man kann sich wirklich fragen, ob diese Nationalhymne überhaupt noch der modernen Bundesrepublik Deutschland angemessen und würdig ist. Die 1. Strophe ist unrettbar verbrannt, die 3. historisch überholt und die Musik entstammt einem Geburtstagsständchen an den österreichischen Kaiser...
Beethovens 9. und das Kinderlied von Brecht - das hätte was! :-)
@Atze:
Aber Beethovens 9. Symphonie ist doch schon die Hymne der EU!
Das sehe ich jetzt nicht wirklich als unüberwindliches Hindernis... :-)
Hier mal der Text. Lässt sich übrigens auch auf das Deutschlandlied singen:
Kinderhymne
Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's.
Und das liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
Eine Diskussion darüber ob man die 1. Strophe der Nationalhymne verbieten sollte ist wohl nur in Deutschland möglich. Ich finde das ganz schön neurotisch und das ganze erinnert mich doch etwas an totallitäre Staaten.
Übrigens existiert von dem berühmten Sänger HEINO auch eine Version des Deutschlandlieds mit allen 3 Strophen. Kann man sich auf youtube anhören. Über strafrechtliche Konsequenzen gegen HEINO ist mir nichts bekannt.
Ghostrider
Habe bei Google Infomaterial bezüglich dem Deutschlandlied gefunden, dass ich dem Forum nicht vorenthalten möchte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschlandlied
Öffentlich besungen zu besondere Anlässe, wird nur die 3. Strophe.
Einigkeit und Recht und Freiheit...
Und seit 1989 macht ja Einigkeit auch wieder Sinn.
Die ersten beiden Strophen sind zwar nicht verboten, aber verpönt.
Deutschland, Deutschland über alles in der Welt hat für mich einen faden Beigechmack von Arroganz zum Rest der Welt.
Deutschland ist nicht der Nabel der Welt, aber ein sehr schönes Land mit viel Kultur, prachtvolle Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen.
Das Land der Dichter und Denker. Und nicht zuletzt ein starkes Industrieland.
Fallersleben hat den Text aus Liebe zu seinem Land geschrieben, ohne imperialistische Hintergedanken, wie Atze es auch hier gut formuliert hat, mit Nichtwissen, dass ein in Braunau am Inn geborener Österreicher den Text im Verbund mit dem Wessel-Lied mal mißbrauchen würde.
@Brennus
Hitler war sehr wohl von der Antike fasziniert. Besonders die altgriechische und altrömische Kultur. Bei den Römern war es insbesondere der kriegerische Führungsstil und die Eroberungstaktik. Kann man auch hier z.T. nachlesen:
http://books.google.de/books?id=IUDohw_q24oC&...
Auch der Hitlergruß von Benito Moussolini übernommen ist angelehnt an den altrömischen Gruß.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hitlergru%C3%9F
Ghostrider
Ein Hakenkreuz im Hirn erschwert das Denkvermögen!
@Atze:
Der Text würde mir schonmal gefallen. Kleines Problem habe ich mit dem geographischen Bezug in der 3. Strophe. Sowas kann sich ändern, auch wenn ich für die nächsten Jahrzehnte nicht davon ausgehe.
Ansonsten bin ich eh eher für die Europahymne. Die nationalen Hymnen kann man wegen meiner auf die Stufe der Hymnen einiger Bundesländer setzen.
Als Diskussionspunkt in den Raum: Die Hymne der DDR wurde ja auch mal als gesamtdeutsche vorgeschlagen.
Meine Meinung zu dieser: der Text is friedlich und offen aber an einigen Stellen naiv.
Hallo Dimitri,
es gibt keine Diskussion über ein Verbot der 1. Strophe. Wozu auch?
Es gibt den § 90 StGB, der die Verunglimpfung der Nationalhymne unter Strafandrohung stellt. Als Nationalhymne wiederum wurde durch Briefwechsel zwischen Kohl und Weizäcker die bekannte Melodie in Verbindung mit der 3. Strophe verbindlich festgelegt.
Meiner Rechtsauffassung gemäß würde es eine entwürdigende Verunglimpfung der Nationalhymne darstellen, wenn sie ALS SOLCHE mit der 1. oder mit allen dreien gesungen würde.
Davon unbeschadet kann man natürlich alle drei Strophen singen - aber eben nicht so tun, als sei dies die Nationalhymne der Bundesrepublik.
Auf Tanjas Frage bezogen: Auf einem Schulfest z.B. kann man alle 3. Strophen singen - aber nur die 3. als Nationalhymne. Würden alle 3 als Nationalhymne gesungen, wären straf- und dienstrechtliche Konsequenzen kaum vermeidbar.
Hallo Kommentator,
zunächst befindet sich der geografische Bezug in Übereinstimmung mit der völkerrechtlich verbindlichen KSZE-Schlussakte, die die gegebenen Grenzen bestätigt. Ob, wie und wann die sich in den kommenden Jahrhunderten bewegen, bleibt im spekulativen Nebel und braucht daher eigentlich keine Rolle zu spielen. Ebenso wie an Grenzen nagt halt auch an Nationalhymnen der Zahn der Zeit. Alleine schon aus diesem Grunde könnte man eben immer auch den Text auf den Prüfstand stellen und sich Fragen, ob er tatsächlich noch ein angemessener Ausdruck sinnstiftender Identität ist.
@Kommentator:
Also an unserer Schule wurden zu feierlichen Anlässen immer ALLE Strophen gesungen, man muss schon sehr weit ausholen um das mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen.
Hallo Ghostwriter,
nachdem ich mich ein wenig mit fallersleben beschäftigt habe, würde ich von meiner positiven Würdigung wieder abrücken.
Fallersleben war dokumentierbar bekennender Antisemit, vom rassistischen Fremdenhass insbesondere gegenüber Franzosen getrieben und alles andere als ein Demokrat.
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/...
Hallo Mustermann,
wie gesagt, man kann auch alle 3 Strophen singen. Als Nationalhymne aber seit 1991 nur noch die 3.
Ghostrider
Hallo Atze,
vielen Dank für den informativen Hinweis auf Hoffmann von Fallersleben auf Deinem beigefügten Link.
Mit dem Deutschlandlied und Hoffmann von Fallersleben muß ich gestehen, habe ich mich nicht sonderbar beschäftigt. Er hat seinen Text in 3 Strophen verfasst, und damit war für mich die Sache abgehakt.
Die erste und zweite Strophe habe ich immer als Deutschtümmelei und Arrogant empfunden, aber immer wieder unter dem Aspekt entschuldigt, dass von Fallersleben vielleicht eine übertriebene Liebe zu seinem Vaterland empfand, und dies offen bekundete.
Dem ist aber offenbar nicht so!
Der Link dokumentiert eine andere Seite bei von Fallersleben. Die Seite eines Rassisten und Antisemit!
Und damit bekommt insbesondere die erste Strophe ihre klar erkannte Bedeutung, nämlich der Wunsch eines arisch reinen Deutschland mit dem Ziel, die Weltherrschaft zu übernehmen.
Deshalb auch mein Gedanke: "Ist im modernen Deutschland heutzutage das Deutschlandlied überhaupt noch tragbar?" Auch wenn nur noch die 3. Strophe zu öffentlichen Anlässen besungen wird?
Eine Nationalhymne mit braunen Flecken?
Es ist als würde man im letzten Wagen eines Zuges sitzen müßen, weil alle anderen Wagen abgebrannt oder sonstwie unbrauchbar sind. Auf eine solche Bahnfahrt würde ich gerne verzichten.
Ich persönlich wäre für eine neue Nationalhymne zeitgemäß angepasst, von einem Dichter verfasst, der keinen braunen Hintergrund aufweist.
Ghostrider
Ein Hakenkreuz im Hirn erschwert das Denkvermögen!
Daß Fallersleben aus rassistischen Gründen Franzosen/Frankreich hasste, halte ich für absurd.
Er hasste Frankreich, weil die Franzosen in den Jahrzehnten zuvor viel Leid über Deutschland gebracht hat. Da kann man ihm wohl eine Abneigung/einen Hass zugestehen. Genauso wie man den Franzosen einen Hass auf uns/unsere Vorfahren zugestehen kann für die Leiden des 1. und 2. Weltkrieges. Das macht Fallersleben nicht sonderlich sympathisch, für verwerflich halte ich es nicht.
Eine andere Sache ist der Antisemitismus. Ohne diesen verharmlosen zu wollen, behaupte ich, daß diese Geisteshaltung in der damaligen Zeit leider bei sehr vielen Leuten vertreten war.
Aber wo schlagen sich diese Einstellungen im Deutschlandlied nieder? Weder werden die Franzosen diffamiert, noch gibt es Hasstiraden gegen Juden in irgendeiner der 3 Strophen.Selbst wann man es berücksichtigt und im Hinterkopf hat, daß Fallersleben Juden und Franzosen hasste, gibt es keine einzige Textstelle im Deutschlandlied, die auch nur im entferntesten darauf hindeutet.
Nicht alle Dinge, die von Antisemiten geschaffen wurden sind schlecht oder gar selber antisemitisch. Oder hasste euer Ford/VW etwa Juden? Stachelt die Übersetzung der Bibel durch Luther zum Judenhass an? (zumal das Alte Testament auch von den Juden verwandt wird) Werdet ihr zu Antisemiten wenn ihr Wagners Opern hört?
Es wird hier auch beklagt, daß der Mann kein Demokrat ist. Wieso ist es eine schlechte Eigenschaft, vor allem in dieser Zeit, kein Demokrat zu sein? In der damaligen Zeit hat es so gut wie keine oder nur wenige demokratische Staaten gegeben. Mir fallen beispielsweise jetzt nur die USA ein.
Es ist ja jetzt nicht so, daß das Lied in den letzten paar Jahren geschrieben wurde. Heute wäre eine monarchische Einstellung sicherlich ein bißchen albern. Ein Monarch war damals nun mal an der Tagesordnung; die Monarchie ist auch kein Unrechtsregime per se.
Ein arisch reines Deutschland als Ideal von Herrn Fallerlsleben darzustellen, halte ich für Geschichtsklitterung. Ich wette er wusste noch nicht mal was arisch bedeutet! Wie will man Herrscher über die Welt sein, wenn schon das eigene Land in dutzende kleine Fürstentümer zersplittert ist, die sich teilweise noch selber bekriegen?
Das Deutschlandlied hat überhaupt nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Ich denke sogar, daß die Nazis es am liebsten gleich komplett durch ihr Parteilied ersetzen wollten (es wurde aber nur auf die 1. Strophe abgekürzt). Nur war das Deutschlandlied halt damals bei den Deutschen sehr beliebt, und es sollt eine gewisse Kontinuität gewahrt werden.
Ich bin der Meinung, daß das Deutschlandlied weiterhin unsere Nationalhymne bleiben sollte. Wieso muß man zwanghaft alles ändern? Mit der gleichen Motivation könnte man ja auch Schwarz-Rot-Gold ändern, weil es auch im Unrechtsstaat der DDR verwendet wurde. Die vorgeschlagenen Alternativen mögen ja alle ganz nett sein. Aber wer kennt denn diese Lieder (außer ein paar Eingeweihter) schon? Das Deutschlandlied war schon beliebt bevor es einen deutschen Nationalstaat gab, es war beliebt während der Kaiserzeit (dort war es nicht Nationalhymne), es war beliebt in der ersten deutschen Republik, und auch in der deutschen Diktatur, so wie es auch nach dem letzten Krieg beliebt war. In guten wie in schlechten Tagen also. Es sollte unsere Hymne bleiben.
@Ghostrider: Natürlich hast du recht, daß Hitler sich auch an der Antike orientierte, und vor allem Mussolinis Faschismus (und dessen Riten) als Vorbild ansah. Ich meinte nur den Terminus 1000-jähriges Reich.
Hi Brennus,
man könnte Fallersleben natürlich auch als frühen, etwas deutschtümelnden Visionär der Rock- und Punkbewegung interpretieren, welcher deren zentrales Motto "sex&drugs&rock n´roll" genialisch antizipiert hat... :-) Werfen wir mal einen Blick auf die 2. Strophe:
"Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang..."
Deutsche Frauen (sex), deutsche Treue (hier wird der Irokese schwarz-rot-gülden eingefärbt), deutscher Wein (drugs) und deutscher Sang (rock n´roll)... :-)
Fallersleben hat sicherlich auch symphatische Seiten :-) Die 3. Strophe, die ausschließlich zusammen mit der bekannten Melodie unsere Nationalhymne darstellt, ist isoliert betrachtet ja auch noch halbwegs erträglich.
Aber warum soll man sich mir unterklassigen Lösungen bescheiden, wenn es brauchbare und bessere Alternativen gibt?
Zu deinen historischen Anmerkungen:
- Die reaktionären Monarchien Preußens und Österreichs haben zunächst in konterrevolutionärer Absicht Krieg gegen das revolutionäre Frankreich geführt und im Verbund mit dem entmachteten französischen Adel und in Absprache mit dem französischen Königshaus martialische Ultimaten gestellt, die u.a. auf die völlige Liquidierung der Pariser Bevölkerung ausgerichtet waren...
- Schaust du dir mal zeitgenössische Quellen an, wirst du verblüfft sein, auf welch breiten Widerhall die französische Revolution in der deutschen Bevölkerung getroffen ist und wieviele Bürgerfeste in Deutschland anlässlich des Jahrestages des Sturms auf die Bastille stattgefunden haben...
Beispielhaft kannst du dir mal das Stichwort "Mainzer Republik" ergoogeln.
- Dass es auch Alternativen zum Franzosenhass gab, macht die Position Goethes deutlich. CHeck einfach mal den obigen pdf-link zu Fallersleben.
- Antisemitismus war in der Tat eine Dauererscheinung im christlichen Abendland und wurde im 19. Jahrhundert extensiv vom Konservatismus und der katholischen Kirche gehegt und gepflegt. Das entlastet Fallersleben aber in keinerlei Hinsicht, denn auch hier gab es die mögliche Alternative einer engagierten Gegenposition. Auch das ist dem pdf-link zu entnehmen.
- Dass Fallersleben kein Demokrat war, erscheint umgekehrt zu deinen Einlassungen eher als besonders belastend, da er ein Zeitgenosse der 48er Revilution war.
Ein Nazi war Fallersleben sicherlich nicht. Da stimme ich dir zu. Er war eben auch ein Verfechter gegen Polizeistaatswillkür und für bürgerliche Freiheitsrechte. Insgesamt eine sicherlich sehr widersprüchliche Person.
Deine Thesen zur Beliebtheit, insbesondere der aktuellen, finde ich sehr spekulativ.
Kontinuität und Tradition wiederum sind sicherlich kein Selbstzweck. Jedenfalls hoffe ich doch mal, dass du von deiner Frau/Freundin heute nicht auch erwartest, dass sie ihre Hauptpflicht in eurer Beziehung darin sieht, dir Gehorsam zu schulden, nur weil das so jahrhundertelang üblich war... :-)
Eine Nationalhymne sollte in Text und Melodie heutzutage einen würdigen Beitrag zur Herstellung einer an unserer Verfassung und Staatsprinzipien orientierten Identität auf einer möglichst breiten konsensualen Grundlage leisten. Friedfertigkeit, Toleranz, Demokratie, Rechts- und Sozialstaatlichkeit und ein föderal-republikanisches Bekenntnis sollte sie thematisieren. Da lässt unsere derzeitige Hymne jedenfalls noch reichlich kreativen Nachholspielraum offen... :-)
die ersten beiden strophen der nationalhymne sind soweit ich weiß verboten - zumindest darf man diese nicht singen -, da diese als nationalistisch gelten (allein schon die ersten beiden zeilen 'deutschland, deutschland über alles...' lassen - laut vieler deutungen - die eine ausgrenzung anderer länder wiedererkennen) obgleich hoffmann von fallersleben meiner ansicht nach eher patriot als nationalist war, wurden die strophen von den nationalsozialisten missbraucht, bzw. werden es noch immer von neo-nazis.
die dritte strophe hingegen ist eher patriotisch zu deuten und deshalb nicht verboten.
ich denke schon, dass man das deutschlandlied weiterhin als hymne behalten sollte, da es an und für sich keine von grundauf falsche ideologie widerspiegelt. hoffmann von fallersleben beruft sich lediglich auf die liebe zu seinem vater und auch wenn ich persönlich patriotismus (jeglicher art!) an sich nicht wirklich befürworte, finde ich nichts verwerfliches daran, solange gegen kein anderes land gehetzt wird, was leider häufig der fall ist. die grenzen zwischen patriotismus und nationalismus sind fließend und wurden von den nazis gnadenlos überschritten.
das gedicht wurde einfach seines zweckes, die liebe zum vaterland zu bezeugen, entfremdet und als mittel zur demagogik verwendet.
diesen historischen aspekt kann man auch nicht außer acht lassen, deshalb denke ich, dass es schon richtig ist, zumindest die ersten beiden strophen zu verbieten...
Die Kommentare zeigen, das die deutsche Nationalhymne ein Problem hat. Hitlers Erbe klebt an der ersten Strophe. Andererseits möchte man am Erbe von Hoffmann von Fallersleben festhalten.
Dieser Konflikt führte zur Notlösung, die wir haben. Das historische Deutschlandlied wurde zerstückelt. Die Nationalhymne = dritte Strophe erhebt gleich am Anfang politische Forderungen. Der Deutsche bekommt keine Gelegenheit, seine Liebe zum Land zum Ausdruck zu bringen. Sie aber ist der Kern des Deutschland-Liedes.
Der Deutsche soll also eine politische Forderung besingen, nicht das Land selbst. Wer genau analysiert, bemerkt, dass die politischen Wunschvorstellungen diejenigen eines Obrigkeit-Staates sind: Einigkeit als Besänftigung der Massen, Recht als Basis des Parteien-Staates, um demokratische bürgerliche Ansätze zu unterdrücken, und Freiheit als Freiheit derjenigen, die sich aus Neuverschuldungen bedienen und die privilegiert und luxuriös davon leben. Der gut klingende Satz, bei Hoffmann von Fallersleben eingebettet, wird von den falschen vereinnahmt.
Dafür wurde Hoffmann von Fallersleben geradezu vergewaltigt. Niemals hätte er sein Lied so beginnen lassen. Der "Kanzler der Einheit", Helmut Kohl, wollte sich wohl ein Denkmal setzen. Einheit/Einigkeit steht sind nun die Titel-Begriffe der Nationalhymne. Und woran denkt dabei jeder? An Kohl, weil er sich derartig in den Vordergrund geschoben hat.
Das Angebot der Russen um Gorbatschow, Königsberg und den russischen Teil von Ostpreussen in die Wiedervereinigungs-Verhandlungen einzubeziehen, wurde von Kohl und seiner Administration abgelehnt. Das muss man sich einmal vorstellen! Kein Wunder, dass diese Leute nicht Deutschland in den Vordergrund geschoben haben, sondern ihr angebliches Einheits-Verdienst. Einigkeit steht nun am Anfang der Nationalhymne, und weil das Wort sympatisch ist, nickt fast jeder.
Nicht Helmut Kohl muss in den Vordergrund, sondern Hoffmann von Fallersleben und sein sprachlich motiviertes Feuer, das er für ein vereintes Deutschland empfand. Vergessen wird in der Regel aber, dass Preussen und seine freiheitlich-bürgerlichen Ansätze damals die einzige Hoffnung waren. Die Einheit des Nationalstaates wurde dann auch preussisch-militärisch errungen, womit sich der Aufruf des Deutschland-Liedes erfüllte.
Die Vereinnahmung der ersten Strophe durch Hitler und die Vereinnahmung der dritten Strophe durch Kohl/Weizsäcker sind sich ähnlich, weil sie beide falsch gewichten und damit fälschen.
Wie wäre es mit einer kleinen Umdichtung des Liedes, um Fallersleben zu würdigen und die Fälschungen zu korrigieren?
Ich sage gleich, mit den Deutschen ist das nicht zu machen. Sie sind in dieser Hinsicht nicht so flexibel wie andere Länder.
"Das Angebot der Russen um Gorbatschow, Königsberg und den russischen Teil von Ostpreussen in die Wiedervereinigungs-Verhandlungen einzubeziehen, wurde von Kohl und seiner Administration abgelehnt."
Tatsächlich vermeldet der Spiegel in reichlich dramatischer Aufmachung das Auftauchen eines Geheimdokuments, das dieser Aussage zugrundeliegt.
Das einzig Substantielle dazu jedoch ist in dem Spiegel-Artikel dies:
"Dem Fernschreiben zufolge erklärte Batenin, es gebe eine "Frage des nördlichen Ostpreußens" und fügte hinzu: "Dieses Problem werde sich für die Sowjetunion und Deutschland über kurz oder lang stellen." "
Das kann alles mögliche bedeuten - eine Einbeziehung Ostpreußens in die Wiedervereinigungsverhandlungen aber am allerwenigsten... :-)
Ich kann mir auch vorstellen, dass diverse wirtschaftliche Bedenken eine Rolle gespielt haben, wenn es wirklich um Ostpreussen gegangen wäre. Das hätte Deutschland höchstwahrscheinlich ruiniert...
Was anderes zu den Strophen. Vielleicht etwas progressiv gedacht aber die eine Strophe der DDR-Hymne hätte gut gepasst:
Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
Über Deutschland scheint.
Klingt inhaltlich gut und passt zur Melodie unserer Hymne. Der Text hat auch was aktuelles.
Aber zur Frage ob die ersten Strophen legal seien:
Zu öffentlichen Anläßen wird nur die dritte Strophe gesungen. Und:
Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik 1990 wurde im Jahr 1991 allein die dritte Strophe des Deutschlandliedes in einem Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl zur Nationalhymne Deutschlands erklärt. (Wikipedia)
Der LiteraturwissenschaftlerJost Hermand betonte 1979 dazu:
"Dieses Gedicht hat nun einmal nicht nur eine Intention, sondern auch eine Rezeption. Und die ist eindeutig negativ. Schließlich hat man es seit 1914 so stark mit falschen Gehalten aufgeladen und angeheizt, daß seine Herkunft allmählich immer unwichtiger wurde."
Wenn jemand die ersten Strophen verwendet sollte man vielleicht auch schauen, warum er dies macht und was er damit bezwecken möchte.
Mit freundlichen Grüßen
Olli
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Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot! - Das Känguru
Ich habe früher eine Schallplatte mit allen 3 Strophen des Deutschlandlieds geschenkt bekommen.
Soll ich die besser wegwerfen? Könnte das bei einer Hausdurchsuchung zu Schwierigkeiten führen?
(...)
An NochEinNickname!
Das Deutschland-Lied bleibt ein historisches Burschenschafts-Lied, so wie es ist. Als National-Hymne alle drei Strophe hat das wörtliche Lied nach den Kriegen und Verbrechen den Nachteil, nicht von allen Deutschen akzeptiert werden zu können, vor allem nicht von den Opfern und deren Nachkommen. Auch wurde das Lied zum Beispiel von der Holländerin Linda de Mol als Rotlied (Scheißlied auf gut deutsch) bezeichnet, was verständlich ist.
Der Pfad zu Hoffmann von Fallersleben ist versperrt, weil es deutsche nationalistische Halbidioten oder Vollidioten gegeben hat.
Wollen wir den Weg zu den historischen Ursprüngen um die Mitte des 19. Jahrhundert zurückfinden, dann müssen diejenigen Teile aus dem Lied herausgenommen werden, die eine allseitige Akzeptanz verhindern. Oder ein ganz neues Lied. Aber dann kommt lauter Mist ohne historischen Bezug, oder Kitsch, wie eine Initiative von Thierse, unterstützt durch die BILD, gezeigt hat.
Es hat auf der Opfer-Seite vor Kriegsbeginn ein geradezu glühendes Bekenntnis zu Deutschland gegeben, nämlich 1929 von Tucholsky: "Ja, wir lieben dieses Land". Schnuppert ein wenig in Wiki.
Wie können wir es bewerkstelligen, zum historischen Erbe zurückzufinden und zugleich Tucholsky zu würdigen, das heißt mit anderen Worten, sein Lebenswerk, seinen journalistischen und satirischen, sprachgewaltigen Kampf gegen die Nazis im Inneren zu unterstützen.
Es gibt diesen Versuch. Dafür interessierte sich noch kein Schwanz in Deutschland.
Hallo, wir haben einen Teil Ihres BEitrags gelöscht, weil er off-topic war. Moderator_JW
(...)
Der Name Nationalhymne betont an sich schon eher einen nationalistischen Gehalt. Möchten Sie das eigentlich? Der bessere Name wäre sicherlich Nation-Hymne statt National...
Wenn die Einigkeit/Einheit am Anfang der Nationalhymne nun leider so wichtig geworden ist, besteht die Gefahr einer verdeckten revanchistischen Untergrundbewegung, die die Rückeroberung der Ostgebiete anstrebt. Wenn Sie gegen Rechts sind, dann müssen Sie sich mit dieser Realität befassen, denn es gibt nicht nur eine "Bewegung" davon, sondern inzwischen viele; und Jugendliche sollen verführt werden.
Die verlorenen Ostgebiete haben etwas mit der Nationalhymne zu tun, solange die erste Strophe des Liedes sozusagen "heimlich" im Hintergrund warm gehalten wird. Den Rechtsradikalen ist das Deutschlandlied aus diesem Grund geradezu heilig. Jede Änderung des Textes würde ihr Selbstverständnis untergraben. Übrigens auch das des Bundespräsidenten, wie ich festgestellt habe.
(...)
Wenn Sie sich von den Rechtsradikalen unterscheiden wollen, dann sollten Sie die verpasste diplomatische Chance nicht wegwerfen, sie ist lehrreiche friedliche Geschichte schlechter deutscher Politik. Umso mehr verleitet die Nationalhymne die Rechtsextremen stattdessen nun zur Gewalt-Logistik.
Hallo, wir haben Teile Ihres Beitrags gelöscht, weil sie gegen unsere Diskussionsregeln verstoßen haben. Moderator_JW
Hallo urhein,
"die verpasste diplomatische Chance" sehe ich weiterhin eher als Fata Morgana.
Dem Rest kann ich soweit folgen. Die Diskussion zeigt, dass man sich hier eher eine andere, zeitgemäßere Nationalhymne wünschen würde. Allerdings müsste man dafür noch reichlich "agenda setting" betreiben... :-)
@Atze
Vielleicht müssten da noch einige Generationen verstreichen bis man was zeitgemäßes oder aktuelles komponiert, womit man sich in der Mehrheit identifizieren kann.
Eine neue Melodie wäre auch mal nett. Die momentane ist mir persönlich zu depressiv und jammerhaft. Das könnte ein wenig fetziger, motivierender oder positiver sein. :-D
@vrhein
Die Rechtsradikalen werden den Ostgebieten immer Tränen nach heulen, ob sie heimlich in einer Hymne auftauchen oder nicht. Für ihre Denke brauchen die eigentlich keine Hymne. Ein "Nice To Have" aber für ihren Wahn eher uninteressant. Aber ich kann nachvollziehen, was sie meinen. ;-)
Mit freundlichen Grüßen
Olli
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Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot! - Das Känguru
Solche Diskusionen über Nationalstolz oder unsere großartige Nationalhymne triefen nur so von Hass auf alles deutsche, dies hat nichts mit der Bekämpfung von NationalSozialismus zu tun.
(...)
Hallo, wir haben einen Teil Ihres Beitrags gelöscht, weil er off-topic war. Moderator_JW
@Boomer
Wie kommste denn darauf? Wo ist hier genau der Hass? Wie artikuliert er sich?
Mit freundlichen Grüßen
Olli
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Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot! - Das Känguru
Ach, vielleicht sollte man das mit den Identitäten nicht so ernst nehmen- mal sind wir Papst, mal sind wir Bayern und jetzt sind wir alle Lena ;-) Auch wenn ich persönlich evangelisch, aus NRW und männlich in...
Hallo ernuwie,
guter Ansatz! :-)
Die erste Strophe ist NICHT verboten. Das Lied ist um einiges älter als der NS. "Deutschland, Deutschland über alles" steht für die Sehnsucht nach einem geeinten Deutschland, dass es zur Zeit der Entstehung des Textes nicht gab. Das Lied wurde wie viele andere Dinge von den Nazis umgedeutet und missbraucht.
@vrhein
der begriff national-hymne ist einfach ein historischer, man sollte dem nicht zu viel bedeutung beimessen, schließlich gibts auch die national-versammlung, die national-mannschaft, das national-archiev etc, wenn man hier also sprachbereinigung betreiben wollte hätte man sehr viel zu tun.
Die "Gefahr einer verdeckten revanchistischen Untergrundbewegung, die die Rückeroberung der Ostgebiete anstrebt" im bezug auf das wort "einigkeit" ist denk ich an den haaren herbeigezogen, für 99,9% der deutschen steht "einigkeit" für was komplett anderes schon gar nicht wird jemand durch die nationalhymne zu solch einem denken "verführt".
die idee einer neuen nationalhymne mag ein nettes gedanken spiel sein, ist aber derart realitätsfern, dass man das eigentlich nicht ernsthaft diskutieren muss.
allgemein sollte man nicht vergessen, dass die gefühle, die die nationalhymne in einem menschen hervorrufen vorallem durch seine schon verhande politische einstellung geprägt sind, wer also bei einigkeit und recht und freiheit an eroberungskrieg im osten oder an rassiche überlegenheit denkt, hat so oder so ein problem, das mit der nationalhymne an sich nur wenig zu tun hat.
ich finde es totaler schwachsinn die 1 und 2 strophe nicht zusingen
andere nationen haben auch fragliche nationalhymne
deutschland sollte aber natürlich die angaben der grenzen in der ersten strophe anpassen
Man muss da aktiven Widerstand leisten! Ich zum Beispiel singe immer lauthals "Alle meine Entchen" wenn die olle Nationalhyme kommt!
Man muss da aktiven Widerstand leisten! Ich zum Beispiel singe immer lauthals "Alle meine Entchen" wenn die olle Nationalhyme kommt!
Vorsicht! Das könnte den Straftatbestand der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole erfüllen. (§90a StGB). In der BRD bewegt man sich - was die Nationalhymne anbelangt - immer auf einem schmalen Grat.
Oh dann nehme ich alles brav zurück...möchte mich natürlich nicht strafbar machen! Werde nur noch sagen, denken und vor allem singen was vorgeschrieben ist! Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder macht was er will :-)
Ich bin generell kein Fan von Hymnen, denn die meisten Nationalhymnen sind ja doch sehr patriotisch. Ich finde es z.B. total schlimm, was die Franzosen singen: "Greift zu den Waffen, Bürger... usw". Das ist ja total gewaltverherrlichend und der Text sollte dringend verändert werden.
Ich könnte jetzt die Geschichtskeule rausholen und sagen, dass es ein Lied aus Zeiten der Revolution ist. Fakt ist was die deutsche Nationalhymne angeht ("Einigkeit und Recht und Freiheit") noch recht harmlos ist, die von Australien meiner Meinung nach auch noch, aber andere Hymnen...
Keine Zeile des Deutschlandliedes ist verboten nur die 3.Strophe wird zu Offiziellen anlässen gesungen ^^
Ausserdem die 1.Strophe passt nicht mehr dazu weil da Flüsse vorkommen die es in den heutigen grenzen nicht mehr gibt
Über die deutsche "Einigkeit", die in einer Nationalhymne politisch/gesellschaftlich/geschichtlich gemeint ist, wird nicht genug nachgedacht.
Deutschland erlebte Einigkeit immer nur als angreifende Nation, als es um die Landesverteidigung ging, desertierten Nazi-Größen oder betrieben trotzig die völlige Zerstörung einer in Stich gelassenen Nation, verrieten den Flüchtlings-Strom aus dem Osten. England dagegen erlebte eine hoch motivierte Einigkeit gegen die Aggression Hitler-Deutschlands, aus tiefster innerer Überzeugung, kontinuierlich, auch in ausweglosen Situationen, und tief innen im nationalen britischen Herzen echt. Schwenken wir nach Deutschland: das Wort "Einigkeit" als Initiale der deutschen National-Hymne ist eine diabolische Erinnerung an nationales Versagen, entbehrte menschlicher Legitimation, fand im Menschen-rechtlichen Sinne nie statt und ist daher Kitsch.
Man kann darüber schmunzeln, dass das Wort "Einigkeit" schon gleich Uneinigkeit hervorruft, selbst wenn darüber nur zwei Personen diskutieren.
Allein die Zeile "Einigkeit und Recht und Freiheit" macht noch keinen Revanchisten/Faschisten/Neonazi, aber die erste Strophe als heimliche Ergänzung dazu schon. Außerdem natürlich die geschichtlichen nationalistischen Fehldeutungen des Liedes. Für die Neonazis ist das Lied geradezu ein Heiligtum. Es zieht sie an wie das Licht die Motten.
reactio meinte oben ganz richtig, dass jeder interpretieren kann, wie er will. Dass er das Neonazi-Problem verniedlicht, passt mit Verlaub nicht in dieses Forum gegen Rechts.
Nation-Hymne statt Nationalhymne ist kein Wortspiel. Die Nationhymne hat sieben, die Nationalhymne drei Strophen.
Die dritte Strophe des Deutschlandliedes, die Nationalhymne, ist in die Nation-Hymne eingebettet worden. Das Wort "Einigkeit" hängt dann nicht mehr in der Luft, sondern ist an die erste Strophe der Nation-Hymne gebunden. Einigkeit ist dort der Zusammenhalt der "bunten" Völker in Deutschland mit deutschem Pass.
Die Nation-Hymne reißt den Neonazis das Lied aus den Händen, ist von einem gegenteiligen Geist geprägt. Etwa in der Richtung Tucholsky 1929: "Ja, Wir Lieben Dieses Land"
Also ich mag alle 3 Strophen des Deutschlandliedes.
Es gibt kein Grund diese zu ändern oder zu verunglimpfen.
Noch dazu beziehen sich die Flüsse und Regionen in dem Lied nicht auf die Grenze Deutschlands (War ja da noch nicht vorhanden) sondern die Volksgrenzen des Deutschen Volkes.Die haben sich,ausser Zwangsweise im Osten, sonst noch nicht geändert.
Wenn ein Schwarz-Weiß-Denker
Farbe bekennen muß,
sieht er normalerweise
ROT.
Vielen Dank für die vielen Antworten. Ich hatte dadurch genug Lesestoff um mich über das Thema ausreichend zu informieren und auch noch über andere, mit dem Thema zusammenhängende, Fragen nachzudenken.
Auch wieder ein Thread über den ich zu spät stolpere.
Ich möchte trotzdem ein paar dinge anbringen.
Wie festgestellt wurde, kann/darf man ruhig alle Strophen singen. das schützt aber nicht davor grade in der Öffentlichkeit für einen Absonderling gehalten zu werden. Das Missverständnis, dass die ersten beiden Strophen verboten seien, zieht nämlich so weite Kreise, dass sogar Polizeibeamte auf die Idee kommen das Singen des Lieds der Deutschen sei verboten. Also lieber vorsichtig damit im öffentlichen Raum. Man macht sich mit dem Singen schnell unangenehme Bekanntschaften.
Zu Fallersleben und seinem Rass/Antisem ist soviel zu sagen:
Rass und Antisem sind moderne Konstrukte, die unter gar keinen Umständen auf historische Personen des 19. Jh in ihrer heutigen Form angewendet werden dürfen, weil sie schlichtweg die falschen Kategorien sind um Zugang zum Wirken und Schaffen ebensolcher zu erhalten. Der moderne Rassismusbegriff und sein inflationärer Gebrauch sind post-1945. Fallersleben war kein Rassist, er war Romantiker mit starken Empfindungen. Und Hass ist eine Empfindung die zu gebrauchen oder darzustellen man sich im 19. Jh nicht schämte, weil sie zur Natur des Menschen gehört. Zum Problem der Franzosen, ihrem Ordnungsentwurf des napoleonischen Europa ist genug gesagt. Das Frankreich sich keine Freunde mit seiner postrevolutionären Politik machte ist kein Geheimnis und darf nicht vergessen werden. Vergesst darüberhinaus auch bitte nicht, dass viele der Toten der Napoleonischen Truppen zum Dienst gebrachte Deutsche waren, weil Frankreich zu dem Zeitpunkt schon sehr erschöpft war.
Sein Antisem ist mit dem Antisemitismus eines Herrn Schickelgruber nicht annähernd zu vergleichen. Der pol. Antisem. ist darüberhinaus auch erst eine Konstruktion späterer Zeit.
Alles in allem ist Fallersleben Braunheit zu unterstellen infantil und bezeugt nur den Gebrauch unbrauchbarer Kategorien und Begrifflichkeiten.
Abschließend eine persönliche Interpretation des Deutschlandliedes:
"Deutschland, Deutschland über alles | über alles in der Welt |"
Anstelle der Aufwertung gegenüber dem Fremden sehe ich persönlich in diesem Vers einen Aufruf zum eigenen Engagement. Anstelle sich mit allem möglichen Anderen zu beschäftigen, solle der Rezipient des Liedes als seine höchste Priorität (über alles)
die Hinwendung zum Vaterland sehenn.
"wenn es stets zum Schutz und Trutze | brüderlich zusammenhält |"
Schutze und Trutz sind defensive Kriegsoptionen. Ist deutschland also bedrängt von Feinden, dann solle sich jeder als erstes dem Schutz und Trutz der Nation widmen. Verständlciherweise erfolgt dieser Aufruf nachdem das HRR aufgrund seiner Zersplitterung dem zentralistischen Frankreich zum Opfer fiel.
"von der Maas bis an die Memel | von der Etsch bis an den Belt |"
Geographische Bezeichnung der Deutschen Kernlande. Also von Lothringen bis Litauen, von Dänemark bis Südtirol reichte damals die deutsche Zunge. Erheblich heftiger wäre der Widerstand gegen die invadierenden franzosen ausgefallen, wenn alle zur Verfügung stehenden Ressourcen genutzt worden wären um den einfall abzuwenden. Also Verteidigung "über alles in der Welt."
KLeine Anmerkung: Vor dem ersten Weltkrieg war Deutsch die lingua franca Osteuropas. In jeder größeren Stadt befanden sich erhebliche Populationen Deutschstämmiger und ein Reisender konnte sich gut bis nach Moskau bewegen ohne ein Wort Russisch zu sprechen. Die geographische Definition Fallerslebens bezieht sich also nicht im Rassenwahn auf das Einflussgebiet der gesamten Deutschen Sprache sondern wirklich nur auf ihre Kernlande.
Die zweite Strophe ist ein Trinklied, dass das Deutschtum preist. Nichts schlimmes, wenn man ihm nicht sofort Chauvinismus unterstellte.
Die letzte Strophe fasst den Ruf zur Einheit zusammen um die Tragödie der französischen Besatzung für die Zukunft abzuwenden.
In seinem Aufruf zum Engagement wäre das Lied auch heute noch zu gebrauchen, Baustellen gäbe es genug, wäre es nur nicht so verbrannt.
Als solches ein gute Lied, dass als Nationalhymne taugt, auch wenn sie leicht veraltet ist. Aber das ist der Lauf der Welt. Geschcihte ist immer alt.
Beste Grüße