Doberman aggressive

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Hi! Ich bin hier ganz neu.
Seit Jahren versuche ich mich aktiv gegen rechtsradikales Gedankengut einzusetzen. Und jetzt ist mir eben richtig schlecht geworden. Ich bin im Moment bei der Familie meiner Frau in Kattowitz/Polen. Da das Wetter hier zur Zeit eher bescheiden ist habe ich mir, ohne mir groß Gedanken zu machen, eine Jacke der Firma Doberman agressive gekauft. Dass mit diesem Firmennamen “rechte“ Inhalte verknüpft sein könnten ist mir erst später aufgefallen. Jetzt habe ich das Gefühl beschmutzt zu sein. Ich kann mit dieser Jacke nicht mal in einem Raum schlafen ... 35 km von Auschwitz entfernt.
Reagiere ich da über? Was ist dran an dieser Marke? Gibt es da tatsächlich Verknüpfungen zur “rechten“ Szene?
Egal wie auch immer ihr auf diese Fragen antwortet werde ich in Zukunft meine Augen wieder weiter öffnen und mit mehr Vorsicht durch die Welt gehen. Es gibt einfach Dinge die nicht vergessen werden dürfen und die ich nicht auch noch unterstützen will!
Danke für eure Arbeit an diesem Forum und schon mal im Voraus für eure Antworten!
Carsten

Kommentare

Hallo Carsten,

In der Tat, ist die Marke "Dobermann" dem rechten Spektrum zuzuordnen.

Damit Sie sich zukünftig besser in puncto Kleider Marken orientieren können, haben Sie hier eine Liste von "Putzlumpen" aus der rechten Szene:

http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/marken-die-bei-neonazis-belie...

http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/rechtsextreme-symbole-codes-u...

An dieser Stelle, besten Dank an die Redaktion, an Bea Marer und Simone Rafael für diese aufwendige Arbeit.

Hier ist Dobermann mit aufgeführt:

http://www.ida-nrw.de/hintergrundwissen/symbolik/outfit-/

Auch hier besten Dank an ida-nrw !

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@Ghostrider

Ich glaube du verwechselst hier etwas!? Du Sprichst bzw verweist hier auf die Firma bzw Marke Doberman "Deutschland" (gibt es die überhaupt noch offiziel??) Die Doberman Marke oben stammt aus Polen und hat mit der anderen nichts zu tun. Über die Politische ausrichtung dieser oder das Ziel Publikum kann ich allerdings nichts sagen hab ich gerade auch erst entdeckt. Mir Persönlich scheint das allerdings die Polnische Variante von Thor Steinar zu sein.

Du reagierst über. Daß Du dies bereits ahnst, läßt mich für Dich hoffen. Du tust mir leid. Was hat man nur mit Menschen wie Dir gemacht?! Ich wünsche Dir für Deine Zukunft alles Gute!

Hallo SWO,

wo steht in meinem Kommentar etwas von "Dobermann - Deutschland" ??

Ob die nun in Polen, China oder sonstwo produziert werden ist doch im Prinzip Jacke wie Hose.
Es gibt im Internet eine Reihe von Shop´s, wo rechtsextremes Equipment käuflich erworben werden kann. Die "Dobermann aggressive" Jacke wird gerne zusammen mit der "Pit-Bull" Jacke angeboten.

Aus verständlichen Gründen möchte ich hier keine Angebote aus einschlägigen Shop´s verlinken und verweise auf den Bericht von ida.nrw.de.

Oder einfach googeln. Ich wurde fündig. Sie mit Sicherheit auch ;-)

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

Hallo Leute,

na ja, vielleicht handelt es sich ja bei "Doberman Deutschland" und Doberman aggressive Polen" um zwei unterschiedliche Firmen und Modemarken...? Auf diese Möglichkeit wollte swo wohl hinweisen. Allerdings hat er ja auch schon angedeutet, dass das polnische Label anscheinend auch rechtsextrem orientiert ist.

Halten wir mal was erfreuliches fest: Wir kannten bislang alle diese marke nicht. Das bedeutet eben auch, dass ihr Einflussgrad eher sehr bescheiden ist.
Und auch für medikuss gibt es einen erfreulichen Aspekt. Putzlappen hat er erstmal genug... :-)

@Atze

ja ich wollte darauf hinweisen das es 2 unterschiedliche Marken sind!!

@Ghostrider

du sprichst es nicht direkt an aber wenn man auf deine Links geht ist halt die Rede bzw Beschreibung von Doberman Deutschland, wobei ich wie erwähnt nicht mal sicher bin das diese Marke überhaupt noch Produziert wird oder andre möglichkeit die Produktion wurde nach Polen verlegt mit neuer Kollektion was ich aber ausschliesse!!!

Irgendwo wird das langsam krank.
Ich übertreibe mal.
Nur weil Nazis auch Biobauern sind, kann ich jetzt das Wort Bio nicht mehr in den Mund nehmen ohne gleich als Nazi und Rassist gelabelt zu sein.
Muss ich jetzt peinlich darauf achten, was Nazis so anziehen, damit ich mich davon abgrenzen kann.
Muss ich jetzt für die Einführung der Scharia sein, nur weil Nazis etwas dagegen haben?
Wenn das so weitergeht, bekommen wir einen ganz ganz neuen Gesinnungsterror.
Das Ergebnis ist die Unfreiheit und Einschüchterung der Restbevölkerung.
Den Nazis würde damit gelingen, was den Islamisten schon lange gelingt: Die Umprogrammierung der Gesellschaft um des "lieben Friedens Willen".
Nein, gegen Faschismus und Rassismus jeglicher Art muss man kämpfen mit Argumenten und nicht mit Abgrenzungen und Verschweigen um des "lieben Friedens Willen".

Hallo nanina,

wenn man wie du heldisch und offenbar wutentbrannt mit Anlauf zum großen Sprung ansetzt, um eine sperrangelweit geöffnete Tür einzutreten, sieht das irgendwie schon etwas putzig aus... :-)

Halten wir mal fest: Es gibt rechtsextreme Modelabel wie z.B. Thor Steinar in Deutschland oder Doberman aggressive in Polen, die für die rechtsextreme Szene den Status eines Identifikations- und Erkennungssymbol haben. Im Kern handelt es sich hierbei um die "moderne" und "modische" Variante einer paramilitärischen Quasiuniformierung.
Diesen sachlichen und banalen Fakt bekommst du auch nicht mit irgendwelchen sinnfreien und an den Haaren aus den besonders trüben Nischen des Universums herbeigezogenen "Überteibungen" aus der Welt geschafft.
Diese banale Tatsache zu bennen und an sie konsequente Handlungen und Reaktionen zu binden, ist auch mitnichten irgendeine wie auch immer geartete Einschränkung oder Beeinträchtigung gesellschaftlicher und sozialer Freiheiten.
Zu dieser führt es allenfalls in einer vollständig verpeilten Gedankenwelt, in der man sich allzu sehr in seine eigenen Überteibungen verliebt und die dann gegen die Realität austauscht... :-)

Bemühe dich zukünftig halt einfach um einen stärkeren Bezug zur Realität und weniger zu ausgedachten Überteibungen ohne jedweden Bezug zu irgendeiner Realität.

@nanina

Ich könnte an Ihrem Kommentar noch folgendes ergänzen:

Was können wir dafür, dass die Nazis Deutsch gesprochen haben !
Sollen wir deshalb jetzt Chinesisch sprechen ?
Darf man jetzt nicht mehr sagen, was man denkt ?
Könnte noch 10 Argumentationsweisen hinzufügen, würde inhaltlich auf das Gleiche hinaus führen.

Aussagen relativieren und verharmlosen !

DIE TYPISCHE DISKUSSIONSSTRATEGIE DER RECHTEN !

Bio-Landwirtschaft gab es schon zu einer Zeit, da waren "braune" Bauern noch gar nicht existent. Wollen Nazis jetzt das Rad neu erfinden ?

"Muss ich jetzt peinlich darauf achten, was Nazis so anziehen, damit ich mich davon abgrenzen kann ?"

(...)

Wie schön, dass wir in einem freien Land leben. Da können Neonazis jeden Lumpen anziehen, umso besser kann man sie erkennen !

In einer NS-Diktatur wäre diese Freiheit nicht möglich !

Um die Scharia müssen Sie sich nicht sorgen. Diese gibt es nur vorwiegend in islamischen Staaten, wo die Staatsform der Diktatur praktiziert wird.

Wir hier in Deutschland genießen Freiheiten, die in vielen Staaten der Welt nicht selbstverständlich sind.

Freiheiten, die aus dem Grundgedanken "NIE WIEDER NATIONALSOZIALISMUS !" in den Trümmern eines völlig zerstörten Deutschland, sozusagen mitten in den grausigen Hinterlassenschaften des 3. Reiches mit Hilfe der alliierten Streitkräften, entstanden sind.

Dieser freiheitlicher Grundgedanke war der Baustein für die Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 !
Genau dieses Konzept beschert uns schon seit 67 Jahren Frieden in Europa.
Um die Freiheiten in unserem demokratischen Rechtsstaat zu wahren und den Bürger besser vor dem zunehmenden Terrorismus
sowohl von "Rechts", als auch von Relgionsfanatikern zu schützen, müssen neue Schutzmechanismen entwickelt werden. Das Vertrauen unserer Bürger in den Verfassungsschutz hat gerade im letzten Halbjahr durch die Pleiten, Pech und Pannen-Serie in Bezug auf das NSU-Trio, mehr als gelitten.
Terror beginnt bereits im Internet !
Bessere Kontrollmechanismen sind daher unumgänglich, um Frieden und Freiheit zu wahren.

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

@ Ghostrider

Haben Sie den linken Terrorismus vergessen?

Ich habe schon einmal hinter einem Antifaschistischen Schutzwall gelebt, ich hatte schon einmal Berufsverbot, weil ich mich für die Umwelt und den Humanismus stark gemacht hatte.
Ich stand schon einmal auf einer linksfaschistischen Internierungsliste.
Glauben Sie mir, ich weiß was Linksfaschismus ist und das aus hautnaher Erfahrung.

Übrigens durfte man in der linksfaschistischen Diktatur auch bestimmte Kleidungsstücke nicht tragen, wenn man nicht mit dem Klassenfeind identifiziert werden wollte.
Von dem was man sagen durfte und was nicht, will ich erst gar nicht anfangen.

Glauben Sie mir, ich kann die Anfänge deuten und weiß, was daraus werden kann.
Und noch etwas.
Wollen Sie mich mit dem lauten Schrei: "DIE TYPISCHE DISKUSSIONSSTRATEGIE DER RECHTEN !" in eine rechte Ecke schieben? Das wäre das Dümmste, was Sie tun könnten. Leider wird diese Nicht-Argumentation viel zu oft angewendet.

Hallo nanina,

in der DDR sind weder Juden noch Sinti und Roma in Viehwaggons an die Rampen von Gaskammern und Verbrennungsöfen verfrachtet und dort industriemäßig millionenfach ermordet worden. Regimekritiker wurden zwar mitunter auch ins Gefängnis geworfen und deren Schicksal will ich auch gar nicht verharmlosen. Aber mit der systematischen Verfolgung und massenhaften Folterung und Ermordung von Opponenten des Naziregimes hatte all das herzlich wenig zu tun. Dunkel kann ich mich noch daran erinnern, wie prominente DDR-Regimekritiker TV-Interviews in ihren Wohnungen gegeben haben, wie z.B. Robert Havemann. SO etwas wäre in der Nazidiktatur unvorstellbar gewesen.
Das SED-Regime als "linksfaschistisch" zu titulieren, mag daher einem polemischen Bedürfnis deinerseits gerecht werden. Faktisch ist es eine unerträgliche Verharmlosung des Hitlerfaschismus und eine Sinnentleerung der Faschismus-Begrifflichkeit bis zur vollständigen Beliebigkeit. Aber von dir war da auch nichts anderes zu erwarten.
Und nicht jeder, der sich heutzutage gerne als "Opfer" des DDR-Regimes inszeniert, ist tatsächlich automatisch "opfer" eines Unrechts gewesen. Manche, insbesondere auch rechtsextreme Knastkarriere, die in der DDR ihren Anfang nahm, wurde in der BRD nahtlos fortgesetzt...

@nanina

Ihrem Kommentar zu entnehmen, haben Sie nicht die besten Erfahrungen mit dem damaligen Regime der DDR gesammelt. Die mangelnde Redefreiheit, Kleidungsfreiheit und die ständige Überwachung durch ein System, dass seinen Bürgern misstraute, weil die DDR-Führung sehr wohl wusste, dass dieses System unmenschlich war. Aber nur so können Diktaturen funktionieren.
Da gibt es keinen Platz für Humanität und Menschenrechte !

Deshalb sind solche Systeme im 21. Jahrhundert "Auslaufmodelle"!
Siehe Tunesien, Libyen, Ägypten, Syrien ect.pp.

Da Sie sich aber für Umwelt und Humanismus einsetzen, wenn ich Ihren Kommentar richtig verstanden habe, kann ich umso weniger verstehen, dass Sie sich punkto "Rechtsextremismus" in Protektionismus üben.

In der Nachwendezeit haben Sie alle Freiheiten einer demokratischen Staatsform erleben dürfen. Eine Verfassung, die die Würde des Menschen im Grundgesetz fest verankert.
Eine multikulturelle Gesellschaft, wo Rassismus und Antisemitismus darin keinen Platz finden.

Der Rechtsextremismus in Deutschland hat durch seine krankhaften Ideologien zum Ziel, genau diese demokratische Freiheiten verbunden mit der Gleichheit aller in Deutschland lebenden Menschen, abzuschaffen und gegen eine Diktatur nach national"sozialistischem" Vorbild auszutauschen.

Gerade bei "sozialistisch" müssten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen, oder ?

Wollen Sie wieder in einem menschenverachtenden System ohne jegliche Freiheiten, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, leben ?
Wo Ihr Verhalten und Ihre Aussagen ständig überwacht werden. Wo Sie bei geringsten Verstößen mit harten Strafen rechnen müssen. Wo man Ihnen sogar nach dem Leben trachten kann.
Wiedereinführung der Todesstrafe !

Vom Rassismus ganz abgesehen. Und noch etwas: Falls in Ihrer Familie irgendwann vor langer Zeit die Ur ur ur Großmutter eine Jüdin war, was Sie wahrscheinlich auch nicht wissen können ;-) ,
dann hätte dies im "4. Reich" für Sie sicherlich Folgen, oder ?

Ich will Sie nicht in die rechte Ecke schieben, aber Ihre bisherige Argumentationen lassen mir manchmal keine andere Wahl.

Man muss nicht automatisch linksorientiert sein, um sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren.
Der gesunde Menschenverstand reicht schon voll und ganz !

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

Hallo Atze,

Sie haben keine Ahnung vom Leben in der DDR oder warum sind sie auf dem linken Auge blind?
Sie haben keine Ahnung vom Gesinnungsterror in der DDR.
Sie haben keine Ahnung von der Stasi.
Ihr argumentum ad hominem ist einfach lächerlich. Sie können einfach nicht argumentieren. Totschlagargumente sind keine Argumente, das sollten Sie einmal überdenken.

Was soll der Vergleich mir genüber mit "rechtsextreme Knastkarriere"? Wollen Sie mir das unterstellen?
Woher nehmen Sie die dreiste Behauptung, die Benennung der DDR als linsfaschistisches Regime sei eine Verharmlosung der Nazidiktatur?
Glauben Sie wirklich allen Ernstes, es gibt nur einen Faschismus, den deutschen (Rechts-)Faschismus?
Was soll ein Vergleich mit prominenten Dissidenten? Weil man die nicht so ohne weiteres einsperren konnte?
Natürlich kann sich heute ein "Faschismus" nicht mehr so ausleben wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, das dürfte Ihnen doch wohl klar sein.
Warum vergleichen Sie trotzdem oder besser warum vermischen Sie die Zeiten?
Glauben Sie etwa damit argumentieren zu können?
Wir leben heute in anderen Zeiten, da hat auch der Faschismus ein anderes Gesicht, für Sie offenbar nicht.
Meinen Sie denn ernsthaft es gibt per se keinen Linksfaschismus?

Faschismus muss bekämpft werden, egal in welcher Form und unter welchem Deckmantel er heute auftritt. Auch der Begriff des Faschismus wandelt sich mit der Zeit. Denken sie einmal darüber nach.

@Ghostrider

Was wollen Sie denn konstruieren?
Wenn ich auch vor anderen Spielarten des Faschismus warne, bin ich doch nicht automatisch rechtsextrem. Was für ein Automatismus soll denn das sein?

Die Gnade meiner späten Geburt und das Glück, das mein Vater gegen die Nazis an der Front gekämpft hat, verschafft mir gottseidank nicht die peinlichen Scheuklappen und die Fixierung auf den Nazi-Faschismus, sonder die Freiheit auch ander Spielarten des Faschismus zu erkennen.
Natürlich war das nazionalsozialistische Regieme die schlimmste Ausprägung des Faschismus überhaupt. Deutsche Gründlichkeit halt (das ist nicht rassistisch, das ist ironisch). Darüber muss doch Konsens herrschen.
Glauben Sie wirklich, die Neonazis, diese erbärmliche Truppe, deren Zeit abgelaufen ist, ist die alleinige Gefahr für unsere Gesellschaft? Die kann man sehr gut, auch mit dem "netz-gegen-nazis", in die Bedeutungslosigkeit schicken. Da sollte man aber auch nicht nachlassen.
Worauf es mir aber auch noch ankommt, dass es noch andere Formen und Abarten des Faschismus gibt, die nicht weniger gefährlich für die Zukunft sind.

Der Links-Rechts-Vergleich bringt doch niemanden weiter und zielt letzt endlich doch nur darauf hinab, das eine mit dem anderen zu relativieren. Ich will nicht behaupten, die SED-Diktatur war schlimmer gewesen als die Nazidiktatur. Ich denke, dass Deutschland dies aufgrund seiner historischen Erfahrungen auch nicht machen sollte.

Doch immer wenn versucht wird Rechtsextremismus mit dem Verweis auf Linksextremismus zu verharmlosen, wird so getan als sei Extremismus "von rechts" und "von links" zwei völlig verschiedene Sachen, die aus völlig verschiedenen Richtungen kommen. Tatsächlich aber ähneln sich Linksextreme und Rechtsextreme viel mehr als sie es gerne hätten: Sie sind beide antisemitisch, beide gewaltbereit, beide aggressiv, beide streben nach Diktatur und beide sehen sich als Opfer des Systems. Dem zu Folge ist es auch ein Witz, dass wie man hier zwischen Nanina, Atze und Ghostrider gut erkennen kann, mal wieder versucht wird, das eine mit dem anderen zu rechtfertigen, indem man behauptet, das eine sei ja schlimmer als das andere. Denn wenn man wirklich eine demokratisch gesinnter Mensch ist und für europäische Werte wie Menschenrechte eintritt, dann sollte doch klar sein, dass es keinen guten Extremismus gibt. Dr. Olaf Schäuble hat schon richtig gesagt: "Es gibt keinen guten Extremismus". Ich persönlich würde mich weder als Antifaschist noch als Antikommunist bezeichnen (ich bin kein Freund dieser Wörter, denn sie sind nichts als einseitige Kampfbegriffe), sondern für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Sprich: Ein rechtsstaatlich gesinnter Demokrat.

Warum wird in der heutigen Zeit immer noch zwischen unterschiedlichen Formen des Extremismus unterschieden, wenn sie alle eines gemeinsam haben: Die Abschaffung des GG?

@Nikita Bergmann
Ich muß Dir voll und ganz zustimmen. Lediglich den letzten Satz würde ich anders formulieren. Nicht die Abschaffung des GG ist die Gefahr (denn auch eine andere freiheitliche, rechtstaatliche, demokratische Verfassung wäre denkbar, wenngleich zum derzeitigen Zeitpunkt sicher nur Mist dabei herauskommen würde...ein Verfassungskonvent mit Jürgen Trittin, Claudia Roth, Wolfgang Schäuble etc. wäre mir ein Graus). Die Gefahr ist die Abschaffung oder Schmälerung des freiheitlichen Rechtsstaats, der demokratischen Mitbestimmung, der Meinungsfreiheit sowie des Rechtes auf Opposition. Ich bin übrigens der Auffassung, daß die HAUPTgefahr dem freiheitlichen Rechtsstaat derzeit nicht von den marginalisierten Rändern, sondern von der politischen Klasse aus droht. Also: die Augen offenhalten und wachsam sein - nach ALLEN Seiten: Links, Rechts UND "Mitte"!

@Kankalöf

Das würde aber bedeuten, dass Ihre "marginalisierten Ränder" von der sogenannten Polit-Klasse instrumentalisiert werden, um den freiheitlichen Rechtsstaat einzudämmen?
Klingt nach Verschwörungstheorie. Allerdings, manches deutet tatsächlich darauf hin. Was mir in diesem Zusammenhang u.a. als Atheistin deutlich auffällt, ist der Versuch, die Blasphemie zu kriminalisieren, indem man Kritik, satirische Kritik an einer Religion als "Hetze gegen eine Religionsgemeinschaft" einstuft. Das ist tatsächlich wie ein Ermächtigungsgesetz zur Beseitigung der Meinungsfreiheit.

Hallo nanina,

es lohnt kaum, auf dein Geschwafel einzugehen. nachdem offenkundig irgendwie alles "Faschismus" ist, was dir politisch missliebig ist. Kümmere dich erstmal um deine eigenen Argumentationsbrüche, bevor du dir Gedanken darüber machst, wovon ich Ahnung habe.
"Natürlich kann sich heute ein "Faschismus" nicht mehr so ausleben wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, das dürfte Ihnen doch wohl klar sein.
Warum vergleichen Sie trotzdem oder besser warum vermischen Sie die Zeiten?"
Das machst doch gerade du (!!!), indem du alles unbedingt auf "Faschismus" herunterbrechen willst und dabei jedwede Unterscheidungen völlig sinnlos negierst!!!

Bezeichnenderweise führen deine vermurksten Beiträge nur hoffnungslos weit vom eigentlichen Thema weg. Und ich befürchte, genau dies ist auch deine eigentliche Absicht.

Hallo Nikita,

du solltest nicht gezwungen kommentieren, was du offenbar so gar nicht verstehst. Ghostrider und ich haben hier überhaupt keinen "Extremismus" gerechtfertigt. Andererseits stellt es eine absolut dusselige und unerträgliche Verharmlosung des naziregimes dar, die DDr mit dem begriff "Linksfaschismus" mit diesem auf eine Stufe zu stellen. Das ist einfach eine alberne, sinnfreie und auf Verwirrung abzielende Begriffshuberei ohne Ende.
Und es macht auch weiterhin Sinn, zwischen links- und Rechtsextremismus zu unterscheiden, da in beiden Fällen die Bedrohungslage stark unterschiedlich ist, ebenso wie die quantitative oder praktisch-politische Bedeutung.
Ansonsten würde ich dringend bitten, wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren.

@nanina

Der Faschismus hat viele Facetten !

Da Sie in der damaligen DDR gelebt haben, kennen Sie die SED und ihre Führungsspitze nur zu gut und wissen sicherlich auch, dass gerade Leute mit NSDAP Vergangenheit in den Spitzenpositionen der SED ihr neues Zuhause fanden.

Mehr dazu hier:

http://www.welt.de/kultur/article5558370/Wie-die-SED-ihre-Wurzeln-in-der...

Somit wurde das Hakenkreuz gegen den roten Stern ausgetauscht !

Jetzt kann ich auch verstehen, weshalb Sie sich in der DDR nicht wohlgefühlt haben.

Manche Leute kritisieren an meine Person, ich sei manchmal auf dem linken Auge blind.

Nun, 182 Tötungsdelikte mit rassistischem Hintergrund seit 1990, gehen nun mal auf das Konto von Rechtsextremisten.

http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer...

Zusätzlich kommen noch 10 Tötungsdelikte, begangen durch den NSU. Auch das war eine rechtsextreme Terrorgruppe.
Dazwischen Hunderte rassistisch motivierte Straftaten von schwerer Körperverletzung bis Brandanschläge auf Parteibüros, Jugendcafés und jüdische Einrichtungen. Die volle Bandbreite !

Von "Links" keine Spur !
Also warum mit Kanonen auf Spatzen schießen ?

Folge dessen kommt die wahre Bedrohung für die Gesellschaft, für unser Land und für die Politik "nicht" von "Links", sondern von "Rechts" !

Diese Erkenntnis in Sachen NSU Ermittlungen, hätte zum Beispiel dem Verfassungsschutz einiges an Peinlichkeiten erspart.

http://video.google.com/videoplay?docid=-1374365553901293951

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

Am Anfang ging es nur um eine Bekleidungsmarke!!!!

@nanina,

kleiner Nachtrag:

Hier das Video in voller Länge:

http://www.youtube.com/watch?v=WqtgjLMSqHM

Beste Grüße

@nanina
Nein, es würde nicht ZWANGSLÄUFIG bedeuten, daß die marginalisierten Ränder von der Politklasse instrumentalisiert werden. Aber, wie Du bereits richtig erkennst, ist es auch nicht 100prozentig auszuschließen. Das manche Feinde von Freiheit und Bürgerrechten innerhalb der Politklasse jedoch dankbar sind, wenn der Blick auf böse Extremisten, Fundamentalisten usw. gelenkt ist, um von den eigenen Machenschaften abzulenken, dürfte klar sein.

@Atze
Bei alldem stellt sich mir doch die Frage, ob es nicht überhaupt eine Verharmlosung des Hitlerismus darstellt, ihn als "Faschismus" zu bezeichnen. Schließlich war letzterer (bei aller berechtigten Kritik an ihm!) bei weitem nicht so "schlimm" wie ersterer. Und wäre es dann nicht auch eine Verniedlichung und Verharmlosung der NSDAP, wenn man NPD & Co. (bei aller berechtigten Kritik auch an diesen) als "Nazis" tituliert?

@ Atze: Linksfaschismus ist ein normaler Begriff. Den findet man im Duden, bei Wikipedia und auch im allgemeinen Sprachgebrauch. Es ist ja nicht so, dass Linksfaschismus ein Unterbegriff des Faschismus ist, sondern es ist genauso wie "Islamfaschismus" ein eigenständiger Begriff. Und warum ist es eine Verharmlosung des Naziregimes, nur weil man dann so ein Begriff benutzt?

Klar, natürlich kann man zwischen Linksextremismus, Rechtsextremismus, religiösen Extremismus etc. unterscheiden. Die Frage ist aber: Wozu? Mit welchem Hintergrund? ...etwa sagen zu können, das das eine schlimmer ist als das andere, um sich angeblich auf das eine mehr konzentrieren zu können als auf das andere? Das sehe ich ganz und gar nicht so, wie ich das sehe geht es hier nur darum, sich ein Feindbild zu schmieden und ein Schwarz-Weiß Denken zu erzeugen.

Also ich bin nicht derjenige, der ein neues Thema angesetzt hat. Aber wenn jmd damit anfängt, warum darf ich es dann nicht auch tun? Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht was die Eingangsfrage hier ist, Fakt ist, du hast ein Kommentar gepostet und ich beziehe mich auf ihm.

Hallo Nikita,

in einem rechten Paralelluniversum mag "Linksfaschismus" ein "normaler" Begriff sein. Aber sonst?
Sonst zielt der Begriff lediglich darauf ab, aus der rechten Ecke zu provozieren und eine Entsolidarisierung mit den Opfern rechtsextremistischer Gewalt und rechtsextremistischer Terrorregime herbeizuschwafeln.
Denn namentlich in Deutschland sind neben den Juden und Ausländern vor allem Linke zielgerichteter Gegenstand von rechten Vernichtungsphantasien und -taten. Der schmierige rechte Kampfbegriff "Linksfaschismus" redet gegen die Realität u.a. einer widerlichen Opfer-Täter-Umkehr das Wort. Bezeichnenderweise spielt er daher weder alltagspolitisch noch wissenschaftlich irgendeine aktuelle Rolle - außer in den Nischen des Internets, wo Rechte ungehindert herumprollen dürfen.

Die eigentliche Themenverfremderin ist Nanina. Aber es ist bezeichnend, wer darauf vor allem anspringt. :-)

Hallo Kankalöf,

nein. Man kann rechtsextreme, faschistische Regime durchaus nach einem Merkmalskomplex sinnvoll unter dem Faschismus-Begriff identitätshaft zusammenfassen. Beispielhaft in Umberto Ecos Essay "Urfaschismus".

Ich benutze den Begriff schon seit Jahren und ich bin nicht der Meinung, dass ich ein Rechtsextremist bin. Ich benutze diesen Begriff, weil er zu meinem Wortschatz gehört. Wenn es sich dabei wirklich um einen rechtsextremen Begriff handeln würde, dann müsste er ja auch aus der rechten Ecke erfunden worden sein.

Keine Ahnung, ob es Nanina war ;-) wenn ja, dann wollte sie sicherlich eine neue Diskussion ansetzen. Dann hat sie das prima erreicht, wie man sehen kann.....

@Ghostrider

Sie schreiben: "Somit wurde das Hakenkreuz gegen den roten Stern ausgetauscht !"

Das kann ich bestätigen. Ich sah einen TV-Beitrag über Fliegerinnen im 3. Reich. Da tauchten auch Kinder mit Halstüchern auf. Das hatte ich noch nicht gesehen, hatten wir doch auch Halstücher als Junge Pioniere. Auch sagte man uns immer: "Wir sind DER Antifaschistische Staat auf deutschem Boden"
Die Krux war, dass wir schon wieder so antifaschistisch waren, dass wir dadurch selbst zu Linksfaschisten wurden.
Aber mit dem 3. Reich hatten wir vieles gemeinsam: Die fehlende Meinungsfreiheit, den Gesinnungsterror, die Durchsetzung aller Bereiche der Gesellschaft mit Denunzianten, Stasi und den Strafbestand: "Herabwürdigung der Partei- und Staatsführung" => Staatsfeind.
Darum erinnert mich die "Herabwürdigung einer Religionsgemeinschaft" sehr an einen Religionsfaschismus.

Es gab auch einiges, das gut ankam, wenn es auch geheuchlt war: "Die sozialistische Menschengemeinschaft", jeder bekam Arbeit, selbst wenn er dann konkret nicht viel zu tun hatte. Die Jugend lebte ohne Zukunftssorgen. Altervorsorge war kein Thema...
Wenn da nicht die Globalisierung der Komnmunikation gewesen wäre, wäre es fast der ideale Staat gewesen. Die Nazis hatten es da leichter, es gab noch kein TV.

Noch etwas zum Linksfaschismus:
Im Verfassungsbericht 2010 steht:
"Anlass zur Sorge und zu größter Wachsamkeit bieten auch die Entwicklungen in den Bereichen des nationalen Extremismus.
So ist die Zahl gewaltbereiter Linksextremisten, besonders der Autonomen, erneut angestiegen. Politisch motivierte Straftaten, bei denen tatsächlich Gewalt ausgeübt wird, werden mittlerweile mehrheitlich von Linksextremisten begangen. Dieser Gewalt sind in zunehmendem Maße Polizisten ausgesetzt. Das können wir nicht hinnehmen: Jeder Angriff auf einen Polizisten ist ein Angriff auf die Bürger unseres Landes. Es ist Aufgabe aller Demokraten, die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen und die gegen sie verübte Gewalt gesellschaftlich zu ächten..."
Ich gehe mal davon aus, dass das stimmt.

Faschismus, aus welcher Richtung und in welcher Spielart er auftritt, muss bekämpft werden.
Dabei geht es nicht darum, dass man sich eine Spielart des Faschismus zum Freund macht, um eine andere besser bekämpfen zu können.
Wird das nicht beachtet, bekommen wir "Weimarer Verhältnisse" auf den Straßen: Rotfrontkämpferbund gegen Sturm-Abteilung oder wie man das heute benennen müsste.

@Atze
OK, man kann vielleicht. Aber man muß nicht. Es kommt halt immer drauf an, welcher "Faschismustheorie" man anhängt. Da kann es dann schon mal schnell passieren, daß man aneinander vorbeiredet (bzw. -schreibt). Wenn ich den Begriff "Faschismus" höre, denke ich halt erst mal an Mussolini, nicht an Hitler.

Hallo Nikita,

zu Deinem Argument an Atze - „Ich benutze den Begriff schon seit Jahren und ich bin nicht der Meinung, dass ich ein Rechtsextremist bin.“ - würde ich gerne anmerken: Aktuell vertrittst Du in einer anderen Diskussion den Standpunkt, dass sehr viele Menschen einen Sprachgebrauch pflegen, der einen „rechtsextremen Kontext“ aufweist, obwohl sie selbst keine extrem Rechten sind. Ich finde, da solltest Du dich entscheiden, welche der beiden These Du denn nun befürwortest. Beides geht offensichtlich nicht.

Du verweist außerdem zur Unterstützung Deiner Position u. a. auf den Wikipedia-Eintrag zum Thema „Linksfaschismus“. Ich finde, dabei sollte man nicht unerwähnt lassen, dass sich dort folgende Einschätzung findet:

„Linksfaschismus (auch: Linker bzw. Roter Faschismus oder Rot-Faschismus) ist ein politischer Kampfbegriff (!), der ohne einheitliche Bedeutung für verschiedene Sachverhalte verwendet wird. (…) Der Philosoph Jürgen Habermas warnte 1967 vor einem „linken Faschismus“ der damaligen antiautoritären APO (…) Seitdem dient der Begriff in der Bundesrepublik Deutschland meist zur Polemik (!) gegen linksgerichtete Gruppen und Parteien. Er soll die von ihnen vertretene Politik, die sich oft als Antifaschismus legitimiert, ihrerseits als faschistisch, also anti-demokratisch und gewaltorientiert, angreifen und delegitimieren. Er hat sich dabei zu einem beliebig eingesetzten Stereotyp entwickelt. (!)“

(Quelle: ebd., Hervorhebungen von mir).

Der Wikipedia-Eintrag stützt also offensichtlich sehr viel eher Atzes Position als Deinen und naninas Standpunkt.

Ganz sicher muss sich natürlich jeder seriöse Versuch, einen vermeintlichen „Linksfaschismus“ oder „Islamfaschismus“ zu bestimmen, auf einen allgemeinen Faschismusbegriff beziehen und an diesem messen lassen. Sonst führt dies – wie Atze schon vollkommen zu Recht angemerkt hat – einfach dazu, dass man alles, was einem politisch nicht in den Kram passt, mal eben als „faschistisch“ abqualifiziert – man endet dann schnell in purer Polemik und simplen Stereotypen, siehe Wikipedia.

Ich könnte jetzt auch z. B. mal eben behaupten, dass die christlichen Kirchen und der christliche Glaube faschistisch seien – Antisemitismus gabs in der Geschichte des Christentums mehr als genug, und einen Lexikoneintrag in Duden und Wikipedia zum Thema „Klerikalfaschismus“ existiert auch. Außerdem benutze ich den Begriff schon echt lange ...

Die Folgen sind in meinen Augen fatal, denn wenn alles „irgendwie Faschismus“ ist, ohne dass irgendjemand noch sagen könnte und will, WAS denn nun Faschismus IST – wie soll ich dann noch sinnvoll gegen Faschismus angehen? Außerdem: Wenn „alles irgendwie Faschismus“ ist – warum dann nicht NPD wählen? Schließlich ist die CDU auch faschistisch, bezieht sie sich doch sogar in ihrem Namen positiv auf das Christentum ...

Ich hoffe, die Problematik wird ein wenig deutlich?

Man kann übrigens durchaus mit einigem Recht auch den Standpunkt vertreten, in der Bundesrepublik wäre das Hakenkreuz einfach durch den Bundesadler ausgetauscht worden – schließlich gab es in den ersten Jahrzehnten Bundesrepublik Deutschland in Ministerien und Behörden Nazis zu Hauf …

Ein aufschlussreicher Artikel hierzu:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83422497.html

Ist die frühe Bundesrepublik also ein faschistischer Staat gewesen?? Das ist sicherlich nicht ernsthaft mein politischer Standpunkt. Aber wenn das hier gewünscht ist, kann ich aber ganz gewiss und gerne noch mit viel langem Atem und einiger Plausibilität in diese Richtung argumentieren. Wenn wir hier schon eine so vollkommen sinnentleerte „Faschismus“-Begriffsdiskussion führen wollen, wie wir das gerade tun, dann bitte auch richtig. Dann packe auch ich mal ein paar plumpe Polemiken und simplifizierende Stereotype auf den Tisch. Und ich hab bei Bedarf auch gerne noch mehr davon auf Lager.

Der Vatikan hat übrigens schon sehr früh – im Juli 1933 – ein Abkommen mit dem jungen nationalsozialistischen Regime in Deutschland geschlossen. Er trug so erheblich dazu bei, den NS in Europa salonfähig zu machen.

Auch bin ich übrigens sehr froh, dass die DDR-Diktatur ihr verdientes Ende gefunden hat. Aber nicht jede Diktatur ist nun mal zugleich auch faschistisch. Wer behaupten will, die DDR oder eine andere Diktatur wäre faschistisch gewesen, muss auf Nachfrage auch die Kriterien benennen können, die diese Einschätzung rechtfertigen.

Nanina wiederum treibt ihr Pippi-Langstumpf-Argumentationsverhalten - „ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt“ - gerne zu immer neuen provokanten Höhen. Neulich noch, in der letzten Diskussion, die wir hier bei NgN zum Faschismusbegriff geführt haben, verstieg sie sich noch in ihrer argumentativen Ausweglosigkeit zu der Behauptung, es gäbe einen „naturwissenschaftlich“ fundierten Faschismus- und Rassismus-Begriff … auf eine sinnvolle, vernünftige Antwort auf meine indirekte Frage, was dass denn wohl sein könnte - ein „naturwissenschaftlich“ fundierter Faschismus- und Rassismus-Begriff - warte ich übrigens bis heute.

Abschließend noch eine Leseempfehlung zum Thema Faschismusbegriff:

http://netz-gegen-nazis.de/artikel/das-problem-mit-dem-faschismus-begrif...

@ Der Sizilianer: Ich bestreite ja nicht, dass Linksfaschismus ein Kampfbegriff ist. Aber es ist kein rechtsextremer Begriff.

Deshalb ist es auch nicht schlimm, diesen Begriff zu benutzen. Es stimmt aber schon, dass viele deutsche Wörter einen rechtsextremen historischen Kontext haben und sie unbewusst trotzdem benutzten.

Mfg

Nikita

@Sizilianer

Was unterstellen Sie mir denn da schon wieder?

Ich schrieb: "Ich bin nun halt Naturwissenschaftlerin und versuche meine Analysen der Gesellschaft auch an einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise zu messen. Deshalb gibt es für mich auch nicht nur den einen Faschismus, den einen Rassismus, selbst wenn der andere unter einem Deckmantel daherkommt, bin ich nicht ideologisch blind dafür."
Was ich damit ausdrücken wollte, ist, dass ich an den Begriff des Faschismus nicht mit ideologischen Scheuklappen herangehen will. Ideologiefreiheit mag vielleicht ein Fremdwort für Sie sein aber es schafft einen klaren und sachlich argumentierenden Verstand.
Man kann sehr wohl analysieren, was die gemeinsamen Schnittmengen aller faschistoiden Ideologien sind.

Außerdem, und das hatten Sie augescheinlich überlesen, hatte ich keinen Sinn mehr in der Diskussion dort gesehen und nur noch ein letztes Mal geantwortet, da offenbar mein Begriff der Asymmetrie nicht verstanden wurde.

Noch etwas ist mir aufgefallen: Warum versuchen Sie immer wieder, die DDR schönzureden? Vielleicht wollen Sie die DDR noch als "Volksdikatur", als Diktatur der Arbeiter- und Bauernmacht verklären.
Gibt es für Sie wirklich nur den "einen Faschismus"?

Hallo kankalöf,

man kann UND muss. Die verschiedenen rechtsextremen Bewegungen, Strömungen und Diktaturen in Portugal, Spanien, Ungarn, Frankreich, Österreich, Deutschland etc. weisen durchaus im Vergleich Gemeinsamkeiten in einem Ausmaß auf, die sie zu Teilen eines übergeordneten Ganzen, eben des faschismus, machen und dem spezifische besonderheiten nicht entgegenstehen.

Dankenswerterweise hat mir DerSzizilianer eigentlich die allermeiste Arbeit schon abgenommen.
Da bleibt nur noch zu bilanzieren: Linksfaschismus ist eine rechtsextreme Provokations- und Denunziationsformel ohne jedweden Aussagegehalt. Sie soll einfach nur Linke als ausgemachte politische Gegner provozieren und beleidigen. Daneben leistet sie einer Entsolidarisierung mit denen Vorschub, die i.dR. neben Ausländern die ersten Opfer rechtsextremer Gewaltexzesse sind: den linken.
Interessant ist vor allem auch, wie sich diese Diskussion entwickelt: Ihren Anfang nimmt sie bei rechtsextremistischen bekleidungsmarken, die als "moderne" paramilitärische Quasiuniformierung von Rechtsextremen dienen. Prompt landen wir bei linkem Gesinnungsterror und Linksfaschismus. Die kameraderiehafte Seilschaft aus Konservativen/Rechtspopulisten/Rechtsextremisten funktioniert! Nikita, niemanden interssiert, wofür du dich selber hältst, wenn du mit rechtsextremen begrifflichkeiten hantierst. DAs sagt üer dich mehr aus, als deine Selbstwahrnehmung.

Hallo DerSizilianer,

das Interview mit dem Greifswalfer prof. ist interessant. Seine position finde ich allerdings auch völlig abwegig. Die Dimitroffsche Faschismustheorie der KPD/Komintern ist ja nicht nur ein politischer kampfbegriff. Sie hat durchaus auch ihre analytischen Qualitäten und namentlich für den deutschen Nationalsozialismus/Faschismus lässt sich eigentlich sehr gut belegen und dokumentieren, dass er praktisch am Reißbrett der Arbeitgeberverbandszentralen ausgeheckt wurde... :-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Antibolschewistische_Liga

@ Der Sizilianer/@Atze: Nur weil ein Begriff ein Kampfbegriff ist, ist er kein rechtsextremer Begriff. Es kann sein, dass der Begriff häufig von Rechtsextremen gebraucht wird, aber wenn irgendwelche Extremisten die deutsche Sprache umdeuten, dann ist das nicht mein Problem. Außerdem bin ich nicht so überzeugt, dass Rechtsextreme diesen Begriff benutzen. Man darf nicht vergessen, dass Pastörs die Linkspartei als "rotlackierte Faschisten" bezeichnete und nicht als "linke Faschisten." Letzt endlich ist beides das gleiche, aber auch das Erstere wurde nicht von den Nazis erfunden.

Mfg

Nikita

Hallo Nikita,

mach mal ein Experiment. Geh mal auf Amazon, stell bei der Suche "Bücher" ein und gib "Faschismus" ein. Prompt bekommst du ca. 4300 Buchtitel vorgeschlagen. Dann mach das mal mit "Linksfaschismus". Bei mir gab das sagenumwobene 2 Treffer. Bei einem handelte es sich wohl um die in Buchform erhältliche Sammlung aller wikipedia-Stichwörter. Das andere Buch beschäftigte sich mit dem italienischen faschismus. Aus dem Buchtitel ging dabei nicht hervor, warum es bei "Linksfaschismus" ausgegeben wurde. Das Wort war da nirgends zu sehen. Soviel zur allgemeinen sprachlichen Präsenz und Geläufigkeit des Begriffs, insbesondere sein Vorkommen in seriösen wissenschaftlichen Abhandlungszusammenhängen.
Du hast ja selber ein beispiel gebacht dafür, wie ein Rechtsextremist wie Pastörs sich dieser Begriffs"idee" bedient. Insofern solltest sogar du zu soviel logischer Schlussfolgerungskonsequenz fähig sein, einzuräumen, dass dieser vor allem anderen polemische und unsachliche Kampfbegriff auf jeden Fall AUCH von Rechtsextremisten benutzt wird UND wie oben von mir belegt kaum Verbreitung besitzt. Wenn nun neben Rechtsextremisten auch andere Rechte sich dieses Begriffes bedienen, sagt dass nichts über die Verbreitung und Fundiertheit dieses Begriffs aus, wohl aber etwas über die denunziatorische Nähe dieser anderen Rechten zum Rechtsextremismus.
Im Kern werden hier Opfer des Hitlerfaschismus mit ihren Tätern auf eine Stufe gestellt. Dabei geht es nicht um irgendeine Realitätshaltigkeit, sondern nur um provokatorische Schmierigkeit.

Nochmal zur Erläuterung: Konservative stehen Rechtsextremen im politischen Spektrum logischerweise näher. Genauso wie Patrioten Rechtsextremen politologisch näher sind. Zwischen Rechten und Rechtsextremen gibt es graduelle und prinzipielle Unterschiede, genauso wie zwischen Linken und Rechtsextremen.

"Linksfaschismus" ist ein Kampfbegriff, aber er wurde nicht von Rechtsextremen erfunden und ist daher legitim. Es sind nicht nur Rechte, die diesen Begriff benutzen. Auch Linke benutzen diesen Begriff gern.
Ich erinnere mich noch zu gern an die Zeit als Sozialdemokraten Kommunisten traditionell als "rotlackierte Faschisten" bezeichneten.
Jahrzehnte später beleidigt Pastörs damit die Linkspartei. Wo liegt da jetzt die rechtsextreme Gesinnung in diesem Wort?

Es sind übrigens auch viele Wissenschaftler gewesen, die Linksextreme als "rotlackierte" oder "linke" Faschisten bezeichneten. Damit wollten sie lediglich antikapitalistische Haltungen kommentieren, nicht jedoch Rechtsextremismus mit Linksextremismus rechtfertigen.
Dies tun eher die Politiker im Bundestag, sie versuchen das Thema rechts vs. links gegeinander für ihre Zwecke aufzustacheln.

Hallo Nikita,

an Dich und an Atze erst mal eine Entschuldigung für die späte Antwort - ich hab leider in der Regel nicht täglich Zeit, bei NgN vorbeizuschauen.

Du hast recht, Nikita, "Linksfaschismus" ist kein genuin rechtsextremer Begriff. Wenn ich so durch das Internet streife, begegnet er mir allerdings in der Regel auf Naziseiten oder auf Hetzplattformen wie PI news oder kreuz.net.

Auf solchen Seiten geht es natürlich vor allem darum, die eigene Hetze zu verharmlosen und alles, was einem nicht in den politischen Kram passt, als "faschistisch" zu denunzieren: Linkspartei, Grüne, SPD etc. pp. Ob der Begriff darüber hinaus z. B. in der Jungen Union oder im rechten Flügel der FDP oder sonstwo im eher konservativen Spektrum Verbreitung gefunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht weißt Du da mehr?

Der Kampfbegriff „Linksfaschismus“ wurde m. W. n. historisch zunächst in der politischen Linken geprägt. Ich wüsste allerdings nicht, dass dieser Begriff auch heute noch in der politischen Linken irgendwo Verwendung findet. Kennst Du da Gegenbeispiele?

Auch die "vielen Wissenschaftler", die angeblich den Begriff verwenden, würden mich interessieren: Hättest Du da ein paar Beispiele?

Worum es mir bei meiner Intervention aber eigentlich ging: Eine seriöse, an Erkenntnisfortschritt interessierte Diskussion kann derzeit nicht auf Begriffe wie "Linksfaschismus" oder "Islamfaschismus" bauen – denn einen Faschismus von Links gibt es in der Realität genauso wenig, wie man den Islam oder das Christentum pauschal als „faschistisch“ abqualifizieren kann. Auch deswegen bleiben Leute, die solche Thesen vertreten, in ihren dürren Argumenten in der Regel bei oberflächlichen Ähnlichkeiten stehen – und füllen die bei näherer Prüfung offensichtlichen Lücken in ihrer Argumentationsbasis gerne mal durch u. a. penetrantes Beharren auf dem eigenen Standpunkt bei gleichzeitiger Ignoranz sämtlicher vorgebrachter Gegenargumente, durch rhetorische Tricks und persönliche Angriffe.

Polemisches Polit-Bashing kann natürlich auch mit Begriffen wie "Linksfaschismus" hantieren - wenn es z. B. vor allem darum gehen soll, sinnfrei dem politischen Gegner mal eben ans Bein zu pinkeln. Ich hoffe jedoch nicht, dass wir hier bei NgN irgendwann mal auf einem Diskussionsniveau landen, wo das Normalzustand wird.

Mit freundlichen Grüßen
Der Sizilianer

Hallo der Sizilianer,

es ist natürlich klar, dass Rechtsextreme den Begriff Linksfaschismus am meisten benutzen. Ich will aber daran erinnern, dass solche Begriffe in der Geschichte auch gerne von Linken, Liberalen und Rechten benutzt wurden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FDP jemals das Wort "Linksfaschismus" in den Mund nimmt, denn es ist wirklich ein Kampfbegriff, von denen die Partei nunmal kategorisch kein Freund ist. Allerdings haben z. B Sozialdemokraten Kommunisten oft als "rotlackierte Faschisten" bezeichnet, weil sie unter dem Deckmantel des "roten Sozialismus" ihren marxistisch-leninistischen Wahn verbreitet haben.

Der Linksfaschismus ist kein (ich betone kein) Faschismus und kann auch nicht als ein Unterbegriff für faschistische Einstellungen verstanden werden. Es soll aber lediglich als Kampfbegriff auf die dem Faschismus ähnlichen Grausamkeiten des Kommunismus hinweisen. Sicherlich gibt es Wissenschaftler, die dies ausdrücken wollen und den Begriff oft verwenden, auch wenn ich kein Beispiel nennen kann, da ich es nur aus Wikipedia entnommen hab. Daher darf man Linksfaschismus meiner Meinung nach durchaus benutzten. Er ist aber - zugegeben - etwas irreführend, da er ja kein Faschismus, sondern nur - wie oben schon erwähnt - eine Ähnlichkeit zum Faschismus darstellt.

Vielleicht kann man sich an diesen charakteristischen Merkmalen orientieren:
Nachfolgend sind – orientiert an den von Gentile vorgeschlagenen Dimensionen – einige typische Elemente faschistischer Strömungen dargestellt, wie beispielsweise

1. das Führerprinzip,
2. der Totalitätsanspruch,
3. der am Militär orientierte Parteiaufbau,[12]
4. eine kulturstiftende, auf Mythen, Riten und Symbolen basierende, irrationale weltliche Ersatzreligion,
5. eine korporative, hierarchische Wirtschaftsorganisation,
6. sowie ein totalitäres, in Funktionshierarchien denkendes Gesamtmodell der Gesellschaft.
(quelle Wiki)

Natütlich ist ein Links-faschismus kein Faschismus, genau so wenig wie ein Nordpol kein Südpol ist. Das Wort drückt mehr oder weniger aus, dass der Linksextremismus bestimmte Ähnlichkeiten mit dem Faschismus besitzt. Vielleicht wäre es hier besser, wenn es einige stört, nur von faschistoidem Links-extremismus zu schreiben.

Um eine gesellschaftliche Strömung als rechts -oder links- oder religiös-faschistoid einzuordnen, halte ich die obigen Charakteristiken für sehr hilfreich.

Hallo Atze,

zunächst vielen Dank für den Hinweis auf die „Antibolschewistische Liga“, die mir bis dato völlig unbekannt war – merci!

Aus gegebenem Anlass hatte ich einen Beitrag gesucht, der wesentliche Aspekte zur Problematik des Faschismus-Begriffs kurz knapp knackig benennt. Das stand für mich bei der Auswahl im Vordergrund und hat dazu geführt, dass ich andere Auswahlgesichtspunkte nachrangig behandelt habe. Von daher hast Du völlig recht, zu kritisieren: Der Interviewte verkürzt und vereinfacht an verschiedenen Stellen – wahrscheinlich auch aufgrund der Interviewsituation. So wird z. B. auf problematische Aspekte des Begriffs „Rechtsextremismus“ zutreffend hingewiesen - allerdings mit einem der eher schwächeren Argumente, die man gegen den Extremismus-Begriff anführen kann. Die Kritik am Konzept „Antifa“ beispielsweise bleibt vage bis nebulös. Es fehlt z. B. auch ein ausdrücklicher Hinweis auf Rassismus als wesentlichen ideologischen Bestandteil von Faschismus … etc.

Sicherlich verkürzt Herr Sobich auch, wenn er der Dimitrow´schen Faschismus-Definition jeglichen analytischen Wert abspricht. Wie oberflächlich er an diesem Punkt argumentiert, zeigt sich beispielsweise schon daran, dass er Dimitrows These von 1935 -

„Der Faschismus an der Macht, Genossen, ist, (...) die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“

Quelle: http://www.mlwerke.de/gd/gd_001.htm

zeitlich in den 20er Jahren verortet …

Dennoch hat Sobich in meinen Augen nicht unrecht, wenn er den Faschismus-Begriff von Dimitrow als „zumindest verkürzt, z.T. auch einfach falsch“ bezeichnet. Ich will das anhand des deutschen Faschismus grob veranschaulichen.

Natürlich gab es innerhalb der herrschenden Eliten viele, die meinten, sie könnten den Faschismus als Instrument nutzen, um die Arbeiter*innenbewegung in den Griff zu bekommen und letztlich zu zerschlagen. Dazu zählten u. a. zahlreiche Aristokraten, die – obwohl zutiefst antidemokratisch und monarchistisch eingestellt – in der Weimarer Repulik zu hohen Ämtern gekommen waren (exemplarisch: von Papen, von Schleicher, von Hindenburg). Dazu zählten z. B. auch Spitzen der katholischen Kirche – von deutschen Bischöfen bis hin zum Vatikan und zu Papst Pius XII. Dazu zählten natürlich auch Großindustrielle, Großgrundbesitzer und andere Großunternehmer – das bekannteste Beispiel dürfte m. E. der konservative Medienzar Alfred Hugenberg sein, dessen zahlreiche Zeitungen und andere Medien mit ihrer stramm nationalistischen und antisemitischen Propaganda der NSDAP den Weg mitbereiteten und der für die konservative DNVP Minister in Hitlers Kabinett vom Januar 1933 wurde. Die von Dir angesprochene „Antibolschewistische Liga“ ist ein weiteres gutes Beispiel aus der gesellschaftliche Gruppe der Besitzer von Großkapital.

Soweit also von mir Zustimmung, auch zum Grundgedanken der Dimitrow-These.

Kritisch wird es jedoch in meinen Augen, wo man Hitler und die NSDAP ausschließlich zur willfährigen Marionette in den Händen der deutschen Großindustrie, des Großgrundbesitzer- und des Großunternehmertums erklärt – und das nicht nur für die Zeit ihres Aufstiegs in der Weimarer Republik, sondern auch für die Zeit des nationalsozialistischen Deutschlands („Der Faschismus AN DER MACHT ...“). Das erscheint mir aus vielen Gründen reichlich unangemessen – unter anderem weil es bedeuten würde, so ziemlich alle wesentlichen Aspekte des und politischen Entscheidungen im NS wären im Grunde genommen lediglich die Folge der wirtschaftlichen Interessen des deutschen Großunternehmer- und besitzertums.

Wie aber erklärt man beispielsweise die NS-Vernichtungspolitik gegenüber dem europäischen Judentum sowie den Sinti und Roma allein mit dem Wunsch nach Profitmaximierung?

Natürlich kann man Dimitrow zugute halten, dass 1935 nur wenige das Ausmaß dieser Vernichtungspolitik vorausgeahnt haben. Aber aus heutiger Perspektive kann man feststellen: Es war beispielsweise kaum mit „rationalen“ Wirtschaftsinteressen zu vereinbaren, daß knappe Transportmittel dazu eingesetzt wurden, menschliche „Fracht“ zur sofortigen Vernichtung quer durch Europa zu transportieren – und das zu einer Zeit, als die deutsche Industrie dringend Arbeitskräfte benötigte.

Die Dimitrow´sche Faschismus-Definition bleibt also u. a. blind für Antisemitismus und Antiziganismus und die zentrale Bedeutung, die diese Ideologeme für den historischen Nationalsozialismus besaßen. Faschismus zielte in diesem Verständnis ausschließlich auf die Vernichtung der Arbeiter*innenbewegung – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma galten dieser Analyse als prinzipiell austauschbare Sündenböcke, die es im deutschen Faschismus mehr oder weniger zufällig getroffen hatte …

Dieser blinde Fleck von Dimitrow´s Definition ist in meinen Augen eine der Ursachen für die Blindheit, mit der manche linke Kreise bis heute dem Phänomen Antisemitismus generell, insbesondere aber auch innerhalb der Linken begegnen.

Die grundsätzliche Kritik von Sobich an Dimitrow´s Faschismus-Definition begrüße ich also - auch wenn ich im Detail mit seiner Kritik nicht einverstanden bin.

Ich hoffe, das klärt die Sache für Dich?

Hallo DerSizilianer,

hehe, grundsätzlich würde ich die Kritik von Sobich verwerfen, wohl aber im Detail doch an einigen Stellen mitgehen... Das wird sicher noch eine interessante Diskussion, später mehr.

@Nanina
Auf der Grundlage Deines 6 Punkte-Faschismus-Definitionsschemas lssen sich folgende Aussagen tätigen:
"Nordkorea ist ein faschistischer Staat".
"Mao-Tsetung war Faschist".
"Stalin war ein Faschist".
Ich stelle das jetzt bewußt mal so in den Raum, ohne wertend dazu Stellung zu nehmen.

Hingegen erscheinen folgende drei Aussagen absurd:
"Nordkoreas Regime ist rechtsgerichtet"
"Mao war rechtsradikal"
"Stalin war ein Rechter"

Jeder möge daraus seine Schlußfolgerungen ziehen.

Hallo Nanina,

was thematisiert Gentile denn da eigentlich? Nur den italienischen Faschismus oder soll das wirklich eine universell gültige Definition sein? Mir kommt die jedenfalls merkwürdig fromalistisch, strukturalistisch, inhaltsarm und doch recht beliebig vor. Da könnte man auch das deutsche Kaiserreich als faschistisch thematisieren.
Punkt 5 finde ich besonders abwegig. Jede auf das effektive und rationale Entscheiden abzielende Organisation muss hierarchisch strukturiert sein. Insofern weisen alle Organisationsmodelle starke Ähnlichkeiten miteinander auf. Insofern ist dann aber nicht die Organisationsform des Militärs beispielgebend, sondern nur der Einzelfall eines allgemeinen Prinzips.
Und wie das nun alles zur Ehrenrettung der polemischen Denunziationsformel "Linksfaschismus" beitragen soll, bleibt ohnehin verrätselt.

@Atze

"Und wie das nun alles zur Ehrenrettung der polemischen Denunziationsformel "Linksfaschismus" beitragen soll, bleibt ohnehin verrätselt."

Nun, alle diese Punkte treffen auf den Linksfaschismus der DDR zu.
Für Analysen braucht man Kriterien. Bringe bessere oder bleibe in der Subjektivität und damit Beliebigkeit.

Hallo nanina,

haben Sie sich vielleicht schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass es einen tieferen Sinn haben könnte, dass es so etwas wie „Gesellschaftswissenschaften“ gibt – und das es von daher vielleicht gute Gründe geben könnte, „Analysen der Gesellschaft“ eben NICHT „an einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise zu messen“???

Ihr Argument, Sie hätten mir damals meine diesbezügliche Nachfrage nicht beantwortet, weil Sie keinen Sinn mehr in der Diskussion gesehen hätten, halte ich für eine reine Schutzbehauptung. Aber Sie können ja immer noch - wenn Sie mich diesbezüglich eines besseren belehren möchten - gerne erklären, wie Sie sich eine solche „naturwissenschaftliche Herangehensweise“ an die Phänomene Faschismus und Rassismus vorstellen ... ich bin wirklich schon sehr neugierig, was Ihnen da wohl durch den Kopf geht ...

Anyway: Wer durch die Welt rennt und hartnäckigst ebenso simple wie haarstäubende Populismen a ´la „Islam = Faschismus“ postuliert, kann wohl kaum „Ideologiefreiheit“ für sich in Anspruch nehmen …

Sicherlich wird es aber einem derart objektiven, präzisen, mit absoluter Ideologiefreiheit gesegneten Freigeist wie Ihnen doch nichts ausmachen, Ihre – wahrscheinlich mit einer „naturwissenschaftlichen Herangehensweise“ gewonnene ? - „Beobachtung“, ich würde hier bei NgN „immer wieder“ versuchen, „die DDR schönzureden“, mit ein paar Beispielen zu belegen?

Vielen Dank im Voraus – wenn Sie erlauben, lehne ich mich derweil gespannt zurück und summe ein kleines Liedchen vor mich hin:

„Zwei mal drei macht vier ...“

Hallo Atze,

ich sehe es so wie Du: Die von nanina genannten Kriterien für eine Bestimmung des Phänomens Faschismus sind – in der hier vorgetragenen Form - sehr formalistisch, strukturalistisch und inhaltsarm.

Das liegt sicherlich u. a. daran, dass nanina hier eigentlich nur die Kurzfassung der einzelnen Definitionselemente benennt und die bei Gentile vorzufindenden jeweiligen Erläuterungen und Präzisierungen aussen vor bleiben.

Das liegt aber sicherlich auch daran, dass nanina sich nur auf 5 der insgesamt 10 Definitionselemente Gentiles beruft.

Schaut man sich jedoch einmal sämtliche Elemente, die Gentile dem Faschismus zuschreibt, in ihrer gesamten Ausführlichkeit an, so findet man interessante Stellen wie z. B. diese:

„eine Ideologie (…), die sich als antimaterialistisch, antiindividualistisch, antiliberal, antidemokratisch, antimarxistisch proklamiert (...)“

„eine totalitäre Auffassung vom Primat der Politik, die als entscheidende Lebenserfahrung gilt und als ständige Revolution aufgefasst wird; mit ihr soll durch den totalitären Staat die Fusion von Individuum und Masse in der organisch- mystischen Einheit der Nation erreicht werden, die eine ethnische und moralische Gemeinschaft ist, während Maßnahmen der Diskriminierung und Verfolgung gegen alle jene ergriffen werden, die man als außerhalb dieser Gemeinschaft stehend betrachtet, sei es als Feinde des Regimes oder als Angehörige von Rassen, die angeblich minderwertig sind oder zumindest gefährlich für die Integrität der Nation.“

„eine korporative Wirtschaftsorganisation (...) wobei das Privateigentum und die Teilung der Gesellschaft in Klassen vorausgesetzt bleiben.“

Quelle: http://www.eurozine.com/articles/2007-03-07-gentile-de.html (Die Definitionselemente finden sich ganz unten auf der Seite.)

An dem, was nanina oben an Rumpfdefinition zitiert hat (nicht bei Gentile selbst!), fehlen also – unter anderem - für den Faschismus so zentrale Elemente wie Nationalismus und Rassismus ...

Ich zitiere noch einmal aus obiger Quelle:

„Der Kommunismus war seinem Wesen nach universal, eine internationalistische Bewegung. (…) Der Faschimus hat eine solche Form der Universalität nie gekannt, nicht im ideologischen Sinne und nicht in politischer Hinsicht. (...) Es ist kein Zufall, dass es zwar eine Komintern, aber keine Faschintern gegeben hat. Auch wenn der Faschismus Jünger und Nachahmer in allen Teilen der Welt fand (...) glaube ich nicht, dass man ihn als ein politisches Phänomen fassen kann, zu dem das Bewusstsein universeller Berufung gehört. Die nationalistische oder rassistische Matrix prägt Wesen und Entwicklung des Faschismus entscheidend. Sie ist von einer nach Ursprung und Berufungsbewusstsein genuin internationalistischen Bewegung dem Wesen nach verschieden.“

Hallo Der Sizilianer,

zu deinen Anmerkungen zur Dimitowschen Faschismusdefinition.

Die Antibolschewistische Liga ist schon ein spannendes Thema, vor allem, wenn man auch den Querverweisen nachgeht. Es offenbart ein AUsmaß an Verstrickung und Verquickung von Großkapital und einem sich zum Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus entwickelnden Konservatismus, dass einem die Ohren schlackern...

Wie es zu der verlinkung auf das Sobich-Interview gekommen ist, habe ich mir eigentlich auch so vorgestellt.

Zu deiner kritik an Dimitow i.e.S.:

1. Definitionen sind methodisch immer Verkürzungen. Sie bemühen sich, den kern, das Wesentliche einer Erscheinung griffig zu erfassen und lassen dabei mehr oder minder konkrete Erscheinungsformen notwendig unter den Tisch fallen. Dimitrow wiederum versucht sich hier an einer verallgemeinernden Erfassung der empirischen realität einer Vielzahl von rechtsextremen Bewegungen und Diktaturen. DAs gelingt ihm für den historischen faschismus seiner zeit schon sehr gut.
Dennoch fehlt bei ihm tatsächlich der Aspekt des Nationalismus und Rassismus. Beides gehört auch m.M.n. zum Wesenskern des Faschismus.

2. Der Dimitrowschen Definition wird ja häufig vorgeworfen, sie konstruiere ein monokausales, einbahnstraßenhaftes Befehls- und Gehorsams-Verhältnis zwischen Großkapital und Faschismus. Für solche ökonomistisch-mechanistischen Reduktionismen mag sie anfällig sein. Die resultieren aber nicht unvermeidbar aus ihr. Der Autor ist nie für alle Fehlinterpretationen verantwortlich... :-)
Im Verhältnis Großkapital-Faschismus, Ökonomie-Politik, gibt es zunächst einmal für seine zeithistorische Realität eine weitreichende Interessenidentität zu bilanzieren: Revision der Ergebnisse des 1. Weltkriegs, Verwirklichung der Kriegsziele des 1. Weltkriegs, Zerschlagung und physische Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung, nationalistische und antisemitische Eiferei. Da muss keiner Befehle geben und eine Seite gehorchen. Das geht flüssig Hand in Hand. Während des NS-Regimes selber entwickelt die Politik gegenüber der Ökonomie zweifelsohne immer auch eine gewisse Eigendynamik. Aber auch dann herrscht weitreichende Interessenidentität bis hin zur Vernichtung sowjetischer Kriegsgefangener und KZ-Insassen durch Arbeitseinsatz in Unternehmen der Großindustrie (z.B. IG-Farben in Auschwitz) oder der Sklavenarbeit von Fremdarbeitern.
3. Die D.-Definition besitzt auch m.M.n. eine gewisse Blindheit vor Nationalismus und Rassismus als Wesenseigenschaften des Faschismus. Antisemitismus und Antiziganismus wiederum würde ich unter Rassismus subordinieren. Welcher Sündenbock schlussendlich den Kopf hinhalten muss, hängt nämlich von konkreten, historisch bedingten Gegebenheiten ab. Der US-Rechtsextremismus ist zwar auch antisemitisch, aber die Kaputzenheinis haben weit vor allen anderen die Nachfahren der Sklaven im Visier. Antiziganismus wird es wegen fehlender Sinti und Roma nicht geben, dafür aber gibt es indianer... Von daher sind die Zielobjekte des rassismus zwar nicht beliebig austauschbar, variieren aber durchaus. Daher würde ich nicht Antisemitismus zum Definitionsbestandteil machen, sondern Rassismus, der sich konkret dann aber auch im Antisemitismus ausdrücken kann.
4. Die tatsächliche Blindheit traditionslinker, altstalinistischer Kreise gegenüber dem Phänomen Antisemitismus würde ich nicht aus der D.-Definition ableiten, sondern aus dem irrationalen, im Kalten Krieg handlungsmaßgebendem Motto: "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Der sich antiimperialistisch wähnende Antiamerikanismus kumpelt hier einfach mit jenem Antiamerikanismus der muslimischen Welt, der selber rassistische Motive trägt.

Hallo nanina,

Punkt 1 und 5 kann man nun wirklich nicht DDR-kompatibel machen. Aber zum deutschen Kaiserreich würden wirklich alle Punkte passen. Deine aus wiki übernommene Darstellung der Faschismustheorie Gentiles ist eh verkürzt, wie ja schon der Sizilianer bemerkt hat.
Es bleibt dabei, "Linksfaschismus" ist eine hohle, nur auf Provokation abzielende Diskriminierungsformel, die vor allem in rechtsextremen und rechten Zirkeln verbreitet ist.

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