Beginnt der Extremismus nicht bereits im Wohnzimmer der Demokratie?

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Greift es nicht zu Spät wenn die Diskussion bei dem Nazi oder dem Extremismus beginnt ?

Bedarf es nicht einer grundsätzlichen Diskussion über vermeintliche "bürgerliche" Weisheiten?!

Der faule Grieche!
Die soziale Hängematte!
Der vermeintlich überversorgte Rentner ...u.s.w
all` das sind beliebte Vorurteile die in Wahlkämpfen auch gerne mal von Volksparteien instrumentalisiert werden!

Muß der Kampf gegen Rechts nicht schon hier beginnen?

Kommentare

Natürlich ist es da bereits zu spät.
Aber es fängt ja schon mit dem Schmutzfernsehen der privaten Sendeanstalten an die uns bereitwillig den faulen Griechen, den kriminellen Migranten und den Sozialschmarotzer so vorführen als würde es das alles tatsächlich so geben.

Hallo, wir haben einen Teil Ihres Beitrags löschen müssen, da er gegen unsere Diskussionsregeln verstoßen hat. Moderator_JW

Ja es greift zu spät.
Ein Grund dafür, warum es in Deutschland keine Partei ala FPÖ gibt, ist meiner meinung nach auch das diese Potenzial locker von den etablierten Parteien mitgenommen wird.
Beispiele wären
CDU:Roland Koch, Jürgen Rüttgers (Kinder statt Inder)
SPD Sarrazin
FDP Möllemann, Westerwelle
LINKE Lafontain (Fremdarbeiter)
Viele Grüße

Die Gegengerade

Naja, ich denke nicht, dass Wahlkampfsprüche wie "der faule Grieche" unbedingt Vorurteile sind. Denn man meint es ja nicht verallgemeinert, man drückt es nur verallgemeinert aus, um die Mehrheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu deuten. Schlecht finde ich allerdings, dass man es verallgemeinert ausdrückt. Denn diese einseitige Einstellung kann schlimme Folgen haben. Vielleicht sollten wir uns wirklich mal abgewöhnen, immer alles automatisch zu verallgemeinern, denn so ein kleiner Nationalismus denke ich, sitzt zumindest bei den meisten von uns noch drin. Genauso wie wir bei anderen politischen Themen wie die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau meist immer noch an bestimmte Stereotypen denken. Solange wir uns dass nicht abgewöhnen, wird es auch nicht 100%tige Demokratie geben.
Auch wenn es z. B nur scherzhaft oder gut gemeint ist, zeigen Sprüche wie "Die Franzosen haben ja Angst vor andere Sprachen, die wollen ja nur dass man Französisch spricht, sonst sind die beleidigt", dass wir unterbewusst (auch wenn es halt nicht böse gemeint ist) neigen, bestimmte Verhaltensweisen auf eine Gruppe zu verallgemeinern.

Ich denke dennoch nicht, dass dies nun das hauptsächliche Problem des Rechtsextremismus ist. Denn man darf nicht vergessen, dass schon ganz schön viele Gründe aufeinanderkommen müssen, um dann von einem "normalen" Bürger zum Nazi zu werden. Der Rechtsextremismus muss also andere viel entscheidendere Ursachen haben, die wir möglichst beseitigen müssen.

Aber ich finde Sie haben da eine sehr gute Frage gestellt, Herr Molnar.

Mein Vorschlag dazu wäre, dass wir uns das altmodische nationale Denken, dass wir uns nicht abgewöhnen können, der Jugend gar nicht erst geben sollte und die Kinder mit einer ganz anderen Perspektive als wir sie hatten auf die Welt bringen.

Ghostrider

@Franz Molnar

In der Tat sind manche bürgerliche Weisheiten nichts anderes als einen von Vorurteilen behafteter Alltagsrassismus !

Bei arbeitslose ausländische Mitbürger spricht man schon gerne von "soziale Hängematte" !

Kommen nach Deutschland.....!!!

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung von Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab", kann ich mich noch sehr gut an ein Zitat von Horst Seehofer (CSU) erinnern: "Multikulti ist tot!"

Ein netter Versuch, den "ganz normalen" Alltagsrassismus salonfähig zu machen !

Auch mit den eigenen Landsleuten geht man nicht gerade zimperlich um.

Stichwort überversorgte Rentner !

Hilfe ! Wir haben mittlerweile in Deutschland über 20 Millionen Rentner und die Menschen werden immer älter, klang es vor ca. 1 1/2 Jahren fast täglich aus den Medien.

Ja Herrschaftszeiten sollen wir Rentner uns jetzt erschießen um die Pensionskassen nicht weiter zu belasten ?

Ein beliebter Stoff, dass den Politikern die Möglichkeit bietet, erneut über das Renteneintrittsalter zu diskutieren.

In Wahlkampfzeiten reden Politiker sowieso gerne nach Volkesmunde und suchen "Bürgernähe" !

Schließlich geht es um das Kreuzchen an der richtigen Stelle auf dem Stimmzettel, oder ?

Nur zu gerne werden leider auch mal rechtspopulistische Ausrutscher verwendet. Somit werden bewußt oder unbewußt "rechte" Ansichten salonfähig gemacht und bis in der Mitte unserer Gesellschaft tranportiert.

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

Wenn die Hand juckt, gibt's Geld, sagt der Jud.

Mit diesen und vielen ähnlich denkwürdigen Aussagen bringe ich noch heute meinen Vater in Verbindung.
Mein Vater war 18, als der 2. Weltkrieg endete. Er war auch später kein Nazi, eher ein Freund der FDP.
Kommunismus war etwas, was er nicht verstand, die brennenden Autos Ende der 60er Jahre machten ihm große Sorgen.
Zarrazin hätte er als äußerst verdächtigen Namen empfunden, dessen dummes Geschwätz für bare Münze genommen.
Und so weiter und so ...
Ich werde bald 58, habe viel erlebt, viel gesehen, in ganz Europa und darüber hinaus viele Menschen kennen- und schätzen gelernt.
Sie können mir glauben, dass es mir immer noch passiert, manch einen rassistischen Gedanken reflexhaft zu denken, sogar manchmal zu äußern.
Gerade deshalb bemühe und bemühte ich mich umso mehr, meinen mittlerweile erwachsenen Kindern weitmöglichst ein weltoffenes, freies Denken zu ermöglichen.
Geschichte wiederholt sich und wir können daraus lernen.
Bringen wir unsere Kinder endlich in die multikulturelle Welt vielfältiger Religionen, Gedanken und Ansichten ein, ohne ewig gestriges Denken für allzu wichtig und vor allem unumstößlich zu halten, haben wir eine Chance auf Freiheit und Lebensqualität für alle Beteiligten.

Ist es nicht ein Absurdum wenn wir den Markt für den globalen Wettbewerb öffnen wir aber gleichzeitig eine Politik der nationalen Interessen verlangen?

Das wir eine Gemeinschaft nur mit einer Währung gestützt haben in der Illusion der Markt würde sich von selbst regulieren!
Ich habe noch nie einen Markt erlebt der von sich aus soziale Grundwerte definiert hat.

Die Konsequenz scheint immer mehr eine globale Gewinnoptimierung auf der einen - und ein "Angst-Nationalismus" auf der anderen Seite zu sein.
Wenn ich sehe das der Armutsbericht 2011 der heute erschien in den Medien kaum noch Erwähnung findet aber jede kleine Erhöhung im Bereich der Ärmsten auf Seite 1 in Frage gestellt wird und viele gerade in der bürgerlichen -oder ehem. Mittelschicht kaum noch eine Perspektive sehen, dann sind diese Gruppen mehr und mehr Beute für einfache Wahrheiten!

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen die Frage nach einer gemeinsamen europäischen Marktwirtschaft kann nicht geteilt werden von der Frage nach einer europ. Werteordnung, dh. die soziale Marktwirtschaft und soziale Gerechtigkeit sind heute wie morgen unser sicherster Schutz vor Extremismus !

Ich will mal versuchen auf einige der oben genannten Argumente einzugehen (so gut es mir halt möglich ist):

...Naja, ich denke nicht, dass Wahlkampfsprüche wie "der faule Grieche" unbedingt Vorurteile sind. Denn man meint es ja nicht verallgemeinert, man drückt es nur verallgemeinert aus, um die Mehrheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu deuten. Schlecht finde ich allerdings, dass man es verallgemeinert ausdrückt....

Nun Frau Bergmann
... wenn ich von "dem faulen Griechen" spreche ohne eine konkrete Person zu benennen dann drücke ich damit schon eine Verallgemeinerung aus. Und jede Typisierung einer Person oder Gruppe die nur vor dem Hintergrund einer Abstammung stattfindet ist Extremistisch!
Ob dies nun der Grieche,Der Hartz IV Empfänger, der Beamte, der Bänker oder der Ausländer ist, den diese Typisierung besagt das eine Person in ein bestimmtes Schema einzuordnen ist nur weil sie einer bestimmten Gruppe zugehörig ist.

@ Gegengerade

....Ein Grund dafür, warum es in Deutschland keine Partei ala FPÖ gibt, ist meiner meinung nach auch das diese Potenzial locker von den etablierten Parteien mitgenommen wird....

Ihre Aussage ist im Kern richtig, aber in Prinzip wenig tröstlich.
Ich erinnere an den Fall Schill in Hamburg wo der bekannte Richter Gnadenlos mit einer gehörigen Portion Populismus und der tatkräftigen Mithilfe einer großen Tageszeitung sich als Seiteneinsteiger am rechten Rand binnen kürzester Zeit bis zum Amt des Vizebürgermeisters hochputschte! Es erweist sich im übrigen auch immer wieder das Volksparteien die solche Partnerschaften eingehen keinen nachträglichen Schaden nehmen (was auf eine gewisse stille Reserve am rechten Rand hinweisen könnte).

..@ Ghostreider

.Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung von Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab", kann ich mich noch sehr gut an ein Zitat von Horst Seehofer (CSU) erinnern: "Multikulti ist tot!"

Ein netter Versuch, den "ganz normalen" Alltagsrassismus salonfähig zu machen ! .....

Ich stimme ihren Beitrag vollauf zu!
Ich füge dem noch hinzu das gerade in Krisenzeiten oft alte Vorurteile durch politische Motivation neuen Anklang finden.
Manche Vorurteile werden auch schlichtweg als Schutzwall vor sozialen Ängsten aufgebaut. Ich will mal vom eigenen Umfeld ausgehen: Ich bin in einer klassischen Niedriglohnbranche tätig ob diese nun die Gastronomie das Frisörhandwerk oder ein anderer unregulierter Dienstleistungssektor ist nebensächlich. heute las ich das im Zuge der Krise wir eine Zunehmende Zuwanderung von Spaniern, Polen, Rumänen, usw. zu verzeichnen haben, da Deutschland zu den wenigen Ländern ohne Lohnuntergrenzen gehört und die klassischen AN-Vertretungen dort nicht greifen führt dieses zu Lohndruck bzw. Lohndumping. Gerade hier haben Sie dann den klassischen Nährboden für Extremismus!

@ Barkham

.... Ich werde bald 58, habe viel erlebt, viel gesehen, in ganz Europa und darüber hinaus viele Menschen kennen- und schätzen gelernt.
Sie können mir glauben, dass es mir immer noch passiert, manch einen rassistischen Gedanken reflexhaft zu denken, sogar manchmal zu äußern.

Da auch ich mittlerweile die 50+ erreicht habe verstehe ich durchaus das kindliche Prägung nicht Spurlos an einem vorbeigeht selbst wenn man weiß "hoppla" was hab`ich da wieder gesagt! Im ländlichen Umfeld in dem ich ran wuchs da war der farbige Mitbürger ein "Neger" und die Sinti und Roma das waren halt Zigeuner! Dieses wird dann oft ohne böse Absicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen obgleich uns dann in den Kopf schießt: hoppla hoffentlich hat Er/Sie das jetzt nicht Missverstanden?!
Es heißt aber das unsere Sprache unser Denken beeinflußt von da her sind wir wohl gut beraten wenn wir uns stetig selbst prüfen .

Sooo jetzt ist`s aber genug für heute sonst wird noch ein Roman daraus ;) !

@ Franz Molnar,
Das haben Sie wirklich gut gesagt. So sehe ich das auch. Europäische Werteordnung - geht das aber ohne Gott? Nach meiner Weltanschauung ist der Aspekt, daß der Mensch nicht dem Menschen, auch nicht dem sozialen Staat als Verfügungsmasse GEHÖRT ein wichtiger Punkt. Was, wenn kein ethischer Maßstab vor demokratischen Entscheidungen sicher ist? Was, wenn die Christen eine immer kleinere Minderheit in Europa werden, wer garantiert mir dann für Werte, die bisher noch common sense sind? Werden wir zuverlässig vor Euthanasie z.B. geschützt sein in dem überalterten Kontinent?

@ H.P.Barkham
Was Sie beschreiben nennt man negative Introjekte. Die haben leider ungeheure Langlebigkeit und tradieren sich geradezu autonom durch "alle Knopflöcher" über viele Generationen.
Man muß sich davon regelrecht "entgiften". Ich habe einmal eine Übung mit einer Gruppe gemacht zum Thema Vorurteile unter Anwendung einer Technik, die sich "repetitives Fragen" nennt. Das Thema "Jude" war mir zu heikel, deshalb habe ich "katholisch ist..." und "evangelisch ist..." oder "Männer sind...", "Frauen sind..." als Frage vorgegeben: Der Frager wiederholt schnell die immer gleiche Frage und der Andere muß schnell antworten über 10 Minuten. Ein Dritter (oder der Frager) schreibt mit.Anschließend wird gewechselt. Das Tempo ist wichtig, um unsere Abwehr zu "unterlaufen".

Das Ergebnis war verblüffend und auch erschreckend: da kamen aus dem Unbewußten und Halbbewußten Inhalte zutage, die mit dem Wertesystem der Befragten, mit ihrer realen Lebenserfahrung nicht das geringste zu tun hatten. Da fühlte man sich unversehens in die Glaubenskriege oder in die Kirchenpropaganda der Nazis versetzt.
Normalerweise wehren wir diese "Giftdepots" mit unserem Wertesystem ab. Ich bin jedoch sicher, daß geübte Manipulatoren diese "Gifte" in uns freisetzen können. Darauf beruht auch jede Massenpsychologie. Das Interessante ist, wenn so eine "Giftspritze" um dich ist, neigt selbst der "Frömmste" zum "giftig" werden.
Daher ist inzwischen mein höchstes "privates" Ziel, für meine "Entgiftungs-maintanance" zu sorgen.
Eine sehr instruktive Übung für Menschen, die eine hohe Meinung von ihrer ethischen Unanfechtbarkeit haben.

Gruß,
A.

GEIZ ist GOTTLOS!
Aktion Adveniat

Ghostrider

@Franz Molnar

Auch ich habe den Armutsbericht 2011 gehört, gesehen und gelesen. Und das in einem der reichsten Industrieländer der Welt, nämlich Deutschland !

1 % der Weltbevölkerung verfügt über 34 % der gesamten Geldmenge unseres Planeten, während 50 % der Weltbevölkerung in bitterster Armut lebt. Alle 6 Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen des Hungers.

Diese Daten stammen nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem 21. Jahrhundert.

Mit dem, was alleine in Deutschland an Lebensmitteln innerhalb eines Jahres weggeworfen wird, hätte jeder hungernder Mensch auf dieser Welt 2 Mahlzeiten pro Tag und Hunger wäre fortan Geschichte !

Mittlerweile lese ich Spendenaufrufe für hungernde Kinder in Deutschland !

Wenn Leute arbeiten und so wenig verdienen, dass am Ende des Geldes noch viel Monat übrig bleibt, dann stimmt in diesem System etwas nicht !

Lebensqualität ist zumindest für diese Menschen etwas anderes. Und es werden immer mehr !

Die Besserverdienenden schauen weg oder von oben herab und die Politik will es nicht wahr haben.

Ist aber so !

In den unteren Schichten der Bevölkerung brodelt es demzufolge schon seit Jahren gewaltig. Ganze Industrielandschaften verschwinden. Übrig bleibt Arbeitslosigkeit und Armut. Besonders betroffen sind NRW und Teile von Berlin. Aber auch im Osten unserer Republik sieht es nicht besser aus.

Wie lange wird es wohl noch brodeln, bis die Stimmung eskaliert und das Ganze sich in einen Flächenbrand entlädt, wodurch unserer Regierung das Löschwasser ausgehen könnte.

Der Rechtsextremismus arbeiten schon seit Jahren auf diesen zündenden Moment zu. Das weiß mittlerweile jeder, der sich mit dem Rechtsextremismus befasst, nur unsere Politik will es nicht wahrhaben, genauso wenig, wie sie die NSU wahrhaben wollte. Nur durch den Druck der Medien und der Bevölkerung, versprach die Politik Aufklärung zum Sachverhalt. Gerne tat sie es nicht. Zumindest habe ich so den Eindruck.

Wir alle sind uns im Klaren, dass ein NPD-Verbot unumgänglich ist um die Szene zu schwächen. Aber damit sind die Hausaufgaben noch lange nicht erfüllt.

Das Übel muß an der Wurzel gepackt werden.

Im Klartext:

Lohndumping ist out ! Das Lohnniveau muß motivieren können, damit produktive Arbeit eine neue Wertschätzung erhält !

Soziale Ungerechtigkeit muß weg !

Hungernde Kinder in Deutschland müssen der Vergangenheit angehören.

Steigende Preise sind inflationär und höhlen die Einkommen der Bürger aus.

Heizung, Strom und Kraftstoff muß für den kleinen Mann wieder bezahlbar werden und bleiben, ect.pp.

Unter dieser Voraussetzung hätte der Rechtsextremismus nicht die geringste Chance sich zu etablieren um von den Leuten wahrgenommen zu werden.

Beste Grüße

Ghostrider

Rassismus ist die extremste Form von Intoleranz !

In diese

Schon 1980/81 zeigte die „SINUS-Studie“ als erste sozialwissenschaftliche Studie zur Verbreitung von rechten und extrem rechten Einstellungen in der bundesdeutschen Gesellschaft, dass es zu kurz greift, nur auf „den (offensichtlichen) Nazi“ und „das (offensichtlich) Extreme“ zu schielen:

„Die Sinus-Studie gab an, dass 13 oder mehr Prozent der Bevölkerung über ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ verfügten. (…) Weitere 37 Prozent seien zwar gegen Antisemitismus, Militarismus und Führerkult immun, aber seien dennoch empfänglich für „rechtsextreme Denkinhalte“. Insbesondere die Konservativen hätten rechtsradikales Gedankengut „salonfähig“ gemacht.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/SINUS-Studie_zum...

Seitdem ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, autoritäres Denken etc. pp. kein alleiniges Problem eines „exklusiven“ Minderheit am rechten Rand der Gesellschaft darstellen, sondern mal mehr, mal weniger Verbreitung und Verankerung in der sog. „Mitte der Gesellschaft“ (bis hin zu ihrer Linken) finden, in zahlreichen weiteren Studien immer wieder analysiert und bestätigt worden.

Schon seit 30 Jahren hätte diese Erkenntnis also zum gesellschaftlich-selbstverständlichen Allgemeinwissen zählen können – noch viel länger, wenn wissenschaftliche Versuche wie das „Milgram Experiment“ zu einem ernsthaften Anlass für breite gesellschaftliche Diskussionen geworden wären …

… doch allzu lange haben sich allzu viele darum bemüht, solche Erkenntnisse zu Verharmlosen, zu Verdrängen und von sich weg zu projizieren: Mit mir und meinem sozialen Umfeld hat das doch rein gar nichts zu tun – und übrigens: Man wird doch wohl noch mal sagen dürfen, dass …

Die Republikaner, die DVU, die NPD, die verirrten Jugendlichen, die faulen Arbeitslosen, die bildungsfernen Schichten, die Protestwählerinnen und -wähler, die primitiven Glatzköpfe … und solange die allein das Problem darstellen, kann ich ja meine alltäglichen Ideologien der Ungleichwertigkeit – ganz wohldosiert und gesittet natürlich – hegen und pflegen: Am Stammtisch, im Betrieb, in der Hochschule, beim sonntäglichen Familienkaffeetisch … früher hach und überhaupt hab ich ja nichts gegen Ausländer …

Und wieder mal zeigt man sich aktuell äußerst überrascht über den rechten Terror, den es doch schon seit Jahrzehnten (!) in der Bundesrepublik gibt. Und wieder wird hauptsächlich um eine Aufrüstung im Bereich von Polizei und Verfassungsschutz (oder doch besser „Verfassungsschutz“?) zur „Lösung des Problems“ diskutiert. Doch was nützen eigentlich mehr Polizei, mehr Geheimdienst, mehr Überwachung, mehr und engere Verzahnung der Strafverfolgungs- und Überwachungsbehörden (und damit die absehbare , zukünftige Quasi-Abschaffung einer weiteren Lehre aus dem Nationalsozialismus – der strikten Trennung von Polizei und Geheimdienst), wenn dort auch in Zukunft niemand auf die Idee kommt, rechten Terror zu vermuten – sondern „Döner-Morde“? Nächstes Mal vielleicht dann – vermeintlich - begangen von einer „Knoblauch-Mafia“? Weiß man doch, wie die da eben so sind …

… es war ja auch nicht alles schlecht … und so ein kleiner Klaps hat ja auch noch niemandem geschadet ...

Plötzlich können auch beinahe im Wochentakt neue Verdächtige mit bedeutsamen Verbindungen zur NSU aufgespürt und festgenommen werden. Ganz ohne GAR und Vorratsdatenspeicherung. Und auf einmal wird dann doch wieder ernsthaft über ein NPD-Verbot nachgedacht – was ja zuvor nicht möglich war ...

„Allerdings, eine Terrorzelle wie den „Nationalsozialistischen Untergrund“ habe ich mir in dieser Dimension nicht vorstellen können.“

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Fromm.

Bezeichnender lässt sich das Versagen der Geheimdienste wohl kaum illustrieren: Nicht einmal der Chef des BfV war bis zum Bekanntwerden der NSU-Affäre in der Lage, zu erkennen, dass Nazis IMMER als potentielles Terrorrisiko ernst genommen werden MÜSSEN – erst recht von einer Überwachungsbehörde wie dem Verfassungsschutz.

Ob Herr Fromm nun wirklich dazugelernt hat?

Ist der alltägliche Rassismus (von dem auch ich mich nicht freisprechen kann – mit Verbeugung an H.P. Barkam für Ihren bemerkenswerten Kommentar), der offensichtlich mancherorts zur unhinterfragten Selbstverständlichkeit geronnene Gedanke der Ungleichwertigkeit in den Köpfen von Medienvertreterinnen und –vertretern, in Polizei, Justiz, Geheimdiensten, Politik, Bevölkerung mit der Erkenntnis um die Existenz der NSU auf einmal verschwunden??

DIE sind doch bloß zu ... Wollen nur unser … Und wir sind ja nicht … weiß man ja. Und überhaupt: Was hab ICH damit noch zu tun??

Warum redet dann die Öffentlichkeit – obwohl auch sie es schon seit langem besser wissen müsste – nicht endlich einmal breit und dauerhaft davon, wie die alltägliche Ideologie der Ungleichwertigkeit, das „kleine bisschen“ Menschenfeindlichkeit (man gönnt sich ja sonst nichts in Zeiten der Krise …) ernsthaft bekämpft und überwunden werden kann??

„Seehofer sprach sich außerdem gegen Zuwanderung "aus fremden Kulturkreisen" aus. Dagegen werde sich die CSU "sträuben bis zur letzten Patrone". "Dass wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bekommen, das wollen wir nicht", rief er in die Halle und erntete dafür tosenden Applaus.“

Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-0...

Ekelhaft? Sicher.

Und komischer Beigeschmack jetzt dieser Satz, oder? So vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie.

Der Kreis schließt sich. Währenddessen haben Regierung, Strafverfolgungs- und Überwachungsbehörden nun die Bedrohung von Rechts "ernsthaft erkannt" und wollen "alles" dafür tun, …

Das „Netz gegen Nazis“ kämpft derweil um Spenden. Jeder Euro hilft.

Horst Seehofer bleibt selbstverständlich in Amt und Würden. Die Anzeige wegen Volksverhetzung wird sich als vollkommen haltlos erweisen - das Verfahren wird eingestellt.

Und nun zum Wetter.

Hallo Leute,

rechtsextremistische Ideologie entsteht nicht im luftleeren Raum. Im Grunde genommen hat sie noch nie eine originäre eigene Idee produziert, sondern sich einfach Ideen bedient, die andere produziert und vorbereitet haben. Es bedurfte nicht erst der Nazis, um den Antisemitismus zu "erfinden". Rassismus und Herrenmenschentum sind untrennbar an koloniale Ausplünderung und Unterjochung anderer Völker und deren Versklavung gebunden. Der gelbe Stern diente schon im 14. Jahrhundert in der italienischen Stadtrepublik Venedig zur Kennzeichnung von Juden und Prostituierten...

Rechtsradikale Ideologien greifen lediglich prämoderne, konservative "Ideen" auf und radikalisieren sie "lediglich".

Ich habe nicht alles gelesen, aber Fakt ist, dass besonders die CSU eine offene Flanke nach rechts hat. Die deutschen Sozialsysteme sollen "bis zur letzten Patrone" verteidigt werden, meinte jedenfalls Seehofer.
Ein Kommilitone aus Bayern sagte mal so treffend: "Bei uns in Bayern wird nicht NPD gewählt, das deckt die CSU ab."

@ Franz Molnar: Es gibt einen Unterschied zwischen "Meinen" und "Ausdrücken". Viele von uns neigen leider immer noch dazu, gerne Sachen verallgemeinert auszudrücken, meinen es aber natürlich (zum Glück fast immer) nicht so. "Der faule Grieche" ist z. B ein Satz, wo nicht eine bestimmte Person gemeint ist, aber auch nicht die Griechen alle zusammen, sondern nur die meisten von denen oder zumindest viele. Man will damit nur betonen, dass eine bestimmte Bevölkerung im Allgemeinen ein Problem darstellt, das heißt aber nicht, dass alle so sind.
Ich bin aber auch der Meinung, dass solche Sprüche trotzdem lieber vermieden werden sollen. Die bisherigen Generationen haben immer noch einen Ticken "Nationalen Denkens" bewahrt und werden sie wohl auch nicht abgwöhnen, doch die Jugend sollte das "Nationale Denken" gar nicht erst bekommen, sondern sich leidiglich auf das "Persönliche Denken" zu beschränken, damit rechtsextremes Gedankengut sich nicht mehr so leicht verbreiten kann.

...geht das aber ohne Gott? Nach meiner Weltanschauung ist der Aspekt, daß der Mensch nicht dem Menschen, auch nicht dem sozialen Staat als Verfügungsmasse GEHÖRT ein wichtiger Punkt. Was, wenn kein ethischer Maßstab vor demokratischen Entscheidungen sicher ist? Was, wenn die Christen eine immer kleinere Minderheit in Europa werden, wer garantiert mir dann für Werte, die bisher noch common sense sind? Werden wir zuverlässig vor Euthanasie z.B. geschützt sein ...

@ think different

Ehrlich gesagt betrachte ich die Logik der meisten autokratischen Gesellschaften die ihre Werte mit einen "Vordenker" verknüpfen der blindes Gehorsam abverlangt als Hinterfragenswert! Jede Kultur ist zwar maßgeblich von ihrer Religion geprägt dennoch sollte sie ihre Werte im demokratischen Grundverständnis und nicht im religiösen Eifer finden !

Es gab wohl jetzt wieder ne Studie die belegen konnte, dass Antisemitismus immernoch sehr stark in der deutschen Gesellschaft verankert ist. Der "Trost", dass es in anderen europäischen Ländern gleich, wie schlimmer ist, ist da nicht wirklich tröstend.

Im Endeffekt sind solche "Schubladen" nie wirklich tot zu bekommen, da sie schlichtweg einfache Denkweisen beinhalten, vorallem wenn es um eigene Defizite oder Ängste geht, die dann auf eine schwächere Schublade projeziert wird. Früher hat man gegen rothaarige Frauen gewettert, blonde Frauen sind dumm, Südländer Terroristen und genetisch minderwertig, Juden böse und gemein, Homosexuelle pervers, Religiöse Menschen bringen sich immer gegenseitig um, weil die anderen einen anderen Gott haben, Ungläubige sind überhaupt so doof, die muss man umbringen, Frauen, die viele Sexualpartner haben und keine Kopftücher tragen sind Schlampen, Ausländer nutzen uns nur aus, HarzIVler sind faul, weiße sind genetisch voll der Bringer und alle anderen deshalb ihre Sklaven...

Jede Schicht, Religion, Kultur, Gattung hat da ihre Schubladen, gegen die man sich stellen kann um mit seinen eigenen Fehler klarzukommen. Das Problem: Diese Schubladen werden immer weiter zur nächsten Generation gegeben. Dem entgegenzuwirken ist schwierig wie müßig. Aufklären, Bildung, Kommunikation, Kennenlernen, Aufeinanderzugehen, auch mal akzeptieren, dass andere einfach anders sind. Jedem Tierchen sein Plesierchen, und solange man leben läßt, sollte es kein Problem sein. Aber das "Leben lassen" ist für viele schon ein Problem, da dann Faktoren wie Neid, Misgunst, Unzufriedenheit ne sehr große Rolle spielen, die dem entgegenwirken. Im Kleinen wie im Großen.

Und selbst im Unradikalen beginnt es ja schon. Da wird Özil nicht nur einfach als Nationalspieler angesagt, sondern als Nationalspieler mit türkischen Migrationshintergrund. Das wird immer so krass erwähnt, als ob er unheilbar krank wäre. Genauso passiert das mit diversen Comedians, Schauspieler, Künstler, Politiker etc.. Warum? Die meisten wisses es doch. Ist doch eigentlich egal. Wir erwähnen ja auch nicht ständig, wenn ein Herr Malewski was macht, dessen polnische Vorfahren vor Rund 300 Jahren hier eingewandert sind, dass er unheilbar an Migrationshintergrund erkrankt ist. Warum diese Schubladen? Da fängt es ja schon an. Warum sind Blonde Frauen immer Sexbomben, Dunkelharige nicht? Rothaarige Frauen sind verbrennungswürdige Hexen - laut Kirche damals, blonde Frauen aber nicht. Juden müssen vergast werden, Arier aber nicht, Polen klauen, Deutsche nicht, Griechen sind faul, Deutsche nicht, Deutsche sind fleissig, der Rest der Welt nicht, Deutsche haben den Plan, der Rest der Welt nicht, der Rest der Welt hat Humor und ist gelassen, der Deutsche nicht. Ergibt alles keinen Sinn aber man macht es trotzdem. Iss leider wohl ne Macke vom Menschen und wird leider aufgrund seiner Primitivität kaum wirklich rauszubekommen sein. Leider...

Mit freundlichen Grüßen
Olli

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Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot! - Das Känguru