19.03.2012 ... Nach den Rechten sehen

Toulouse: Zwei Kinder vor jüdischer Schule erschossen +++ Mehr als 20 V-Leute müssen in der NPD-Führung abgeschaltet werden +++ Bundes-NSU-Ausschuss will nicht mit sächsischem NSU-Ausschuss zusammenarbeiten

Die tägliche Presseschau von netz-gegen-nazis.de

Toulouse: Zwei Kinder vor jüdischer Schule erschossen
Ein Unbekannter hat am Montag vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse nach Angaben der Polizei mehrere Menschen getötet und verletzt. Bei der Schießerei sind nach Augenzeugenberichten mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen seien zwei Kinder, berichtete ein Korrespondent des TV-Nachrichtensenders BFM unter Berufung auf Polizeikreise (DerStandard).

Mehr als 20 V-Leute müssen in der NPD-Führung abgeschaltet werden
Für ein NPD-Verbot müssten mindestens 20 von aktuell 130 V-Leuten in der rechtsextremen Szene abgeschaltet werden - aber selbst dann würde ein Erfolg noch schwierig (Rheinische Post, Tagesspiegel)

Bundes-NSU-Ausschuss will nicht mit sächsischem NSU-Ausschuss Zusammenarbeiten
... weil im sächsischen NSU-Untersuchungsausschuss auch die NPD mit am Tisch sitzt (DerWesten, mdr).

Demonstrationen gegen Nazis am Wochenende:

800 in Darmstadt gegen Rechtsextremismus
Rund 800 Menschen haben am Samstag in Darmstadt gegen Rechtsextremismus demonstriert (t-online News).

450 in Trier gegen Nazis
„Trier braucht dich und keine Nazis“: Diesem Aufruf des Bündnis gegen Rechts sind am Samstag bis zu 400 Menschen gefolgt, um gegen Rassismus und Faschismus zu demonstrieren. Anlass war eine Kundgebung der NPD, die rund 40 Teilnehmer/innen hatte (16vor, Abendblatt, volksfreund).

Glinde: 300 gegen "Thor Steinar"-Laden
"Glinde, Glinde, das sind wir, wir wollen keine Nazis hier." Immer wieder rufen die rund 300 Demonstranten diese Worte, während sie von der Marktpassage in Richtung Glinder Berg laufen. Sechs Monate ist es her, seit das Modegeschäft Tønsberg, das die in Neonazikreisen beliebte Bekleidungsmarke Thor Steinar verkauft, in Glinde eröffnet hat. Seitdem organisiert die Bürgerinitiative "Glinder gegen Rechts" täglich Mahnwachen vor dem Geschäft und andere Protestaktionen (Hamburger Abendblatt).

Demo für besseren Umgang mit Nazi-Argumentationen in Insel
35 Antifa-Aktivist/innen aus Magedeburg demonstrieren in Insel gegen Neonazis und rechtsextreme Argumentationen gegen Sexualstraftäter in Insel - und sind damit nicht überall willkommen (az-online).

250 gedenken Neonazi-Opfer Gustav Schneeklaus in Buxtehude
250 Menschen gedachten am Sonnabend des vor 20 Jahren am Buxtehuder ZOB von Neonazis brutal totgeschlagenen Kapitäns Gustav Schneeclaus (Hamburger Abendblatt).

Berlin: Zahl rechter Gewalttaten verdoppelt
Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten hat sich zuletzt verdoppelt. 2011 wurden 60 dieser Delikte gezählt, 2010 waren es 29. Als Gewalttaten zählen Brandstiftung, Körperverletzung, Landfriedensbruch und Widerstand. Die Zahl aller rechten Taten, also auch der Propagandadelikte, hat sich nur gering erhöht, von 1127 auf 1156 (Tagesspiegel).

NS-Verbrecher John Demjanjuk ist tot
Der verurteilte Nazi-Verbrecher John Demjanjuk ist im Alter von 91 Jahren in einem Pflegeheim bei Rosenheim gestorben. Im Mai 2011 wurde Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28 000 Juden angeklagt. Das Urteil gegen den früheren KZ-Wachmann wurde jedoch nicht rechtskräftig (FOCUS Online, taz, BILD)

NPD will zur Landtagswahl mit Lautsprecherwagen durch Schleswig-Holstein fahren
Lautsprecherwagen, die in brüllender Lautstärke rechte Parolen in die Wohnzimmer schleudern - diese unerfreuliche Vorstellung wird zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein Realität. Die NPD hat beim Land eine Genehmigung für solche Fahrten beantragt, und sie wird diese Genehmigung auch bekommen. Es gibt offenbar keine rechtliche Möglichkeit, sie zu verbieten (Hamburger Abendblatt).

Brandenburg: Neonazis am laufenden Band
Rechte wollen in nächsten Wochen gleich fünfmal in Brandenburg aufmarschieren. Die NPD versucht damit, bei jungen Kameradschaften zu landen. Gegner planen vielfältige Proteste und Blockaden (taz).

Bundespräsidentenwahl: Drei Stimmen für NPD-Kandidat Rose
Am Sonntag wurde Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Auch die NPD hatte einen Kandidaten ins Rennen geschickt: der revisionistische Historiker Olaf Rose erhielt drei Stimmen - die der NPD (Spiegel online). Beate Klarsfeld hat dagegen einen Achtungserfolg erzielt und konnte auch Stimmen jenseits der Linkspartei auf sich vereinen (Spiegel online).

Linke Thüringen: Infozentrum statt Verfassungsschutz
Nach dem Desaster um den V-Mann Einsatz des Verfassungsschutzes, will die Linkspartei die Problembehörde nun gegen ein Informations- und Dokumentationszentrum ersetzen (tlz).

Axel Springer und der Philosemitismus
Axel Springer war ein großer Freund der Juden. Wer in seinem Konzern arbeitet, verpflichtet sich noch heute zur Aussöhnung. Eine Ausstellung zeigt eine wenig bekannte Seite des Verlegers (FAZ).

Vertrauen der Einwanderer hat Risse bekommen
Berlins Integrationsbeauftragter ist besorgt: Einwanderer verlieren ihr Vertrauen in die Gesellschaft. Zugleich machen sich dort Vorbehalte gegen Ausländer breit (Welt).

Lettland: Marsch der SS-Veteranen in Riga
In der lettischen Hauptstadt Riga gedachten rund 2.000 Nationalisten der im Zweiten Weltkrieg gefallenen "Lettischen Legionäre", einer Abteilung der Waffen-SS - ein Fest für Rechtsradikale (Die Presse).

Der Sport als gesellschaftliche Problemzone
Die Grünen wollen Diskriminierungen im Breitensport nicht mehr tolerieren. Aber lassen sich Fußballfans auf korrekte Wortwahl verpflichten? (Welt)

Sneak Preview: Vier Minunten "Iron Sky"
Was wäre, wenn die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes bis heute überlebt hätten? Diese Frage beantwortet die finnische Film-Satire "Iron Sky" In zweieinhalb Wochen kommt der Film in die deutschen Kinos. Um diese Wartezeit zu verkürzen, entließen die Macher die ersten vier Minuten des Mondnazi-Films ins Netz: Moviepilot.de

Pille gegen Nazis?
Skurile Studie: Bei speziellen Betablockern, so wollen Forscher des Zentrums für Neuroethik der Universität Oxford festgestellt haben, tritt als Nebenwirkung ein vorteilhaftes Toleranzverhalten auf, das Rassismus vermeiden könnte. So wurde bei Herzpatienten, die Propranolol-haltige Betablocker eingenommen hatten, festgestellt, dass sie keinen Fremdenhass mehr hatten (probanden-online.de).

Wie ist Pastörs privat?
Über den Privatmann Udo Pastörs ist wenig bekannt, ebenso über sein Treiben vor seiner Zeit als NPD-Chef im Landtag von Schwerin. ENDSTATION RECHTS unterhielt sich genau darüber mit der Bürgermeisterin seinen Heimatortes Lübtheen, Ute Lindenau.

Das Problem heißt nicht Mücheln. Das Problem heißt Rassismus!
Fast drei Wochen nach einem rassistischen Angriff in einem Müchelner Imbiss und einer knappen Woche, seit der Vorfall durch Medienberichte bekannt wurde – die zuständige Polizei hatte ihn nicht für berichtenswert befunden und stattdessen als Auseinandersetzung übers Rauchverbot, vulgo „Kneipenschlägerei“ vertuscht – liegen einem die Ereignisse noch immer schwer und unverdaut im Magen (mut-gegen-rechte-gewalt.de).

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