14.11.2011 ... Nach den Rechten sehen

„Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) und Bundesparteitag der NPD sind heute auch bei netz-gegen-nazis die bestimmenden Themen. Worüber sonst noch geschrieben wurde, behandelt die aktuelle Presseschau.

Über 200 Festnahmen nach Warschauer Nationalistenmarsch +++ Homophobe Antisemiten stellen Mitglied in griechischer Übergangsregierung +++ Kampf bis zur Kapitulation – Neue Studie zum Ende Nazi-Deutschlands

Die tägliche Presseschau von netz-gegen-nazis.de

Die drei Rechtsterroristen des „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) und Bundesparteitag der NPD, auf dem der bisherige Bundesvorsitzende Udo Voigt nach 15 Jahren im Amt von Holger Apfel entthront wurde, sind heute auch bei netz-gegen-nazis.de - wir empfehlen die gesonderten Artikel für die Übersicht zum Thema:
| Rechtsextremes Mord-Trio erschüttert die Republik
| Neuer NPD-Chef: Holger Apfel will die NPD "volks- und heimattreu"

Über 200 Festnahmen nach Warschauer Nationalistenmarsch
Im Zuge der Demonstration von polischen Rechtsextremen und Nationalisten am Samstag in Warschau (mut-gegen-rechte-gewalt) kam es zu über 200 Festnahmen. Grund hierfür waren gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Unter den Festgenommenen befanden sich auch über 90 Gegendemonstranten aus Deutschland. Für die Auseinandersetzungen machten Polnische Politiker auch "Import-Kämpfer" und "Krawalltouristen" verantwortlich. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski verglich die Beteiligung aus Deutschland mit dem Einmarsch der Wehrmacht 1939. Laut Ruhrnachrichten wurden die Gegendemonstranten jedoch bereits vor den Krawallen festgenommen worden. Als Konsequenz aus den Ereignissen soll das polnische Demonstrationsrecht geändert werden (Stern, Ruhrnachrichten, Spiegel online).

Homophobe Antisemiten stellen Mitglied in griechischer Übergangsregierung
Neben den beiden großen Volksparteien ist in der griechischen Übergangsregierung auch ein Mitglied der Partei "Orthodoxe Volksbewegung" (Laos) vertreten. Deren Vorsitzender, George Karatzaferis, war in der Vergangenheit durch offen antisemitische und homophobe Äußerungen aufgefallen. So ist Karatzaferis unter anderem Verleger einer griechischen Übersetzung der antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“. Den Erfolg im Parlament verdankt die Partei jedoch eher ihren restriktiven Vorschlägen zur Asylpolitik. (FAZ)

Kampf bis zur Kapitulation – Neue Studie zum Ende Nazi-Deutschlands
Klaus Hillenbrand rezensiert in der Tageszeitung die gerade erschienen Ergebnisse der Studie des britischen Historikers Ian Kershaw zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Er geht der Frage nach, was die Deutschen antrieb, den verlorenen Krieg bis zum Ende mit hohen Verlusten weiter zu führen. Dabei lässt er das Argument nicht gelten, dass die Forderung der Alliierten nach einer "bedingungslosen Kapitulation" eine ehrenhafte Niederlage Deutschlands verhindert habe. Kershaw verweist stattdessen auf eine Vielzahl von erklärenden Ursachen, identifiziert jedoch die Machtstrukturen des NS als zentrales Element.

"Warum spricht niemand von Provokation, wenn im Namen einer Religion Zeitungen verboten, Menschen getötet, Frauen gesteinigt werden?"
In der Jungle World führt Johanna Linsler ein Interview mit Gérard Biard, dem geschäftsführenden Chefradakteur von Charlie Hebdo. Auf die Redaktionsräume des französischen Satiremagazins war kurz vor der Veröffentlichung einer Ausgabe mit Mohammed Karikaturen Anfang November ein Brandanschlag verübt worden. Die Themen des Interviews umfassen die Zukunft des Magazins, Vereinnahmungsversuche von rechts und religiös motivierte Angriffe auf die Meinungsfreiheit.

Nazi-General Rommel als Mahner für eine friedliche Zukunft?
50 Jahre nach der Einweihung eines Denkmals an den Generalfeldmarschall Erwin Rommel in seinem Geburtsort Heidenheim regt sich Widerstand. In einer Inschrift wird Rommel als "Opfer der Gewaltherrschaft" verharmlost. Die Stadtverwaltung hat reagiert und will die Gedenkstätte um eine Tafel ergänzen. Darauf soll der mahnende Charakter der Einrichtung hervorgehoben werden.
(Tagesspiegel)

Religion schafft Vorurteil
Der Bielefelder Psychologieprofessorin Beate Küpper zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen Religion und menschenfeindlichen Vorurteilen. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen religiösen Menschen und homophoben, sexistischen und rassistischen Einstellungen. Ursächlich hierfür seien vornehmlich die traditionellen Absolutheitsansprüche des Christentums. Andere Variablen würden den Einfluss der Religion nicht entkräften. Damit müssten sich Kirchen auseinandersetzen.
(Kölner Stadt-Anzeiger)

Hitler vergleichbar mit Stuttgart 21?
Die diesjährige Verleihung des Georg-Elser-Preises an Dietrich Wagner sorgte innerhalb der Georg-Elser-Initiativen für Kritik. Es stelle sich die Frage, ob der Widerstand gegen den Bahnhofsumbau mit dem Widerstand Elsers gegen die nationalsozialistische Herrschaft vergleichbar sei. Wagner wurde vor einem Jahr bei einer Gegendemonstration durch den Einsatz eines Wasserwerfers an den Augen schwer verletzt. Die Münchener Initiatorin des Preises, Hella Schlumberger, wies die Kritik zurück. Die Vergabe des Preises an Wagner sei durch die Symbolik des Kampfes für Bürgerrechte gerechtfertigt.
(boulevard-baden.de)

Volksverhetzung auf Ku-Klux-Klan Seite führt zu Geldstrafe
Von einem Berliner Verwaltungsgericht wurde ein 58-jähriger Betreiber der Website eines europäischen Ablegers des Ku-Klux-Klans zur Zahlung von 3600 Euro verurteilt. Darauf hatte der Verurteilte unter anderem das verbotene Symbole und diskriminierende Fotos veröffentlicht.
(Die Presse)

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