Alle Beiträge des Typs Artikel (Netz gegen Nazis)

Verfassungsschutzbericht 2013: Rassistische und antisemitische Gewalt nimmt zu - für die Behörden aber kaum ein Thema

Im Jahr 3 nach Aufdeckung des rechtsterroristischen Netzwerks NSU geht die Verfassungschutzbehörde zur Tagesordnung über: Rechtsextremismus scheint kaum noch erwähnenswert - dabei steigt die Zahl rassistisch und antisemitisch motivierter Gewalt(!)taten deutlich an. Auch über eigene Behördenversagen möchten Innenminister Thomas de Maizière und Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen bei der Pressekonferenz zum Verfassungsschutzbericht 2013 in Berlin nicht sprechen. Bericht mit allen relevanten Zahlen aus 2013.

Von Simone Rafael

DFB-Elf: Zu Multikulti für den Volksmob

Das Fußballweltmeisterschaftsfieber steigt mit den vielen guten Spielen, die es schon zu sehen gab. Der rechte Rand bringt sich ebenfalls zur WM in Position. Schließlich möchte man vom wieder aufkeimenden „Party-Patriotismus“ profitieren. So hat die NPD  für dieses Jahr abermals einen „WM-Planer“ aufgelegt. Ein Blick in die sozialen Medien zeigt jedoch: So richtig freuen auf die Fußball-WM können sich Neonazis offenbar nicht. Die Kommentare zeigen allerdings: nationalistische Argumentationen zur WM gehen oftmals fließend in rassistische und neonazistische Positionen über.

Ballstädt: Die Unruhe nach dem Übergriff

Im Februar ging ein brutaler Überfall gegen eine Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt durch die Presse. Warum überfallen Neonazis eine Kirmesgesellschaft? Die Mitglieder des Festes hatten den Neonazis nichts getan. Das war den Nazis allerdings egal. Seitdem lebt die 700-Einwohner*innen-Gemeinde mit der Angst. Der Haupttäter, der im Ort wohnt, kam im April aus der Untersuchungshaft frei, weil er ein Geständnis ablegte. Ein Bürgerbündnis, die "Ballstädter Allianz gegen Rechts", versucht, positiv gegenzusteuern.

Zur Fußball-WM 2014: Do's and Don'ts bei der Spielbetrachtung

Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien! Wir freuen uns schon auf spannende Fußball-Abende, befürchten aber auch rassistische, sexistische und nationalistische Ausfälle aller Art. Deshalb zum Start noch mal ein paar kleine Wünsche für eine möglichst diskriminierungsfreie WM.

Von Simone Rafael

Was wir möchten:

Antiziganismus in Bulgarien: Gewaltexzesse, deren Ursache offiziell geleugnet wird

Die Hetze rechtsextremer Parteien und Organisationen trifft in Bulgarien auf eine jahrhundertelang antiziganistische Tradition. Die Folge: Brutalste Gewaltexzesse gegen Roma sind keine Ausnahmen. Doch die politischen Verantwortlichen verschließen offiziell die Augen vor dem politischen Gehalt der Ausschreitungen.

Von Michael Lausberg

Der Nagelbombenanschlag in der Keupstraße: Den Betroffenen eine Stimme geben

Am Sonntag wurde in Köln ab 11 Uhr das ganztägige Kunst -und Kulturfest "Offene Keupstraße, offene Läden, offene Hinterhöfe!" gefeiert (mehr hier). Dabei wurde auch das Buch „Von Mauerfall bis Nagelbombe“ vorgestellt, dessen Herzstück zahlreiche Interviews mit Betroffenen des Keupstraßen-Anschlags bilden. Herausgegeben wird es von der Gruppe Dostluk Sineması und mit Hilfe der Amadeu Antonio Stiftung veröffentlicht.

Am Wochenende in Köln: BIRLIKTE - Zusammenstehen

Vor zehn Jahren zündeten Mitglieder des selbsternannten »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) in der Mitte der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Am Pfingstwochenende organisiert das Bündnis "BIRLIKTE - Zusammenstehen" in Köln zahlreiche Veranstaltungen, die an den Anschlag erinnern und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Rassismus setzen wollen. In Berlin wurde ein Gedenkversuch gestört - die Polizei zerstörte ein Gedenk-Wandbild, dass ihnen zu staatskritisch erschien.

„Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) in Dresden: Den Nazis keine Zukunft geben!

Für den kommenden Samstag mobilisiert die deutsche Neonaziszene kräftig zum „Tag der deutschen Zukunft“ nach Dresden. Bereits zum sechsten Mal soll die so benannte Demonstration stattfinden, dieses Jahr allerdings erstmalig nicht im Norden Deutschlands. In Dresden wird mit über 1000 Neonazis gerechnet, vor allem aus der gewaltbereiten Kameradschaftsszene. Ein breites Bündnis organisiert den Gegenprotest und will die Nazis nicht marschieren lassen.

Von der Redaktion

„Mitte“-Studie: Rassismus gegen Flüchtlinge, Sinti und Roma und Muslime steigt

Seit 2002 untersuchen Elmar Brähler, Oliver Decker und Johannes Kiess von der Universität Leipzig im Zwei-Jahres-Rhythmus die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen in der so genannten „Mitte der Gesellschaft“. 2014 gibt es gute Nachrichten – etwa ist der Anteil von Menschen mit geschlossenem rechtsextremem Weltbild gesunken (von 9,7 Prozent 2002 auf 5,6 Prozent 2014). Dafür wird Rassismus ausdifferenzierter:  Während die Zustimmung zu allgemeinen ausländerfeindlichen Aussagen sinkt, steigt die Abwertung gegen spezielle Gruppen unter den Migrant*innen. Mit Studie zum Download.

Die Karriere des "SS-Siggi"

"SS-Siggi" aus Dortmund ist bundesweit wohl der bekannteste Neonazi aus der Hooligan- und Kameradschaftsszene. Die Presse berichtet viel und gerne über ihn, schließlich ist er vom Auftreten, Aussehen und Namen her so etwas wie das fleischgewordene Stereotyp des stumpfen Nazischlägers. Ihn darauf zu reduzieren, wäre aber ein Fehler. Der politische Werdegang des Siegfried Borchardt zeugt von seinem Gespür für Dynamiken in der neonazistischen Bewegung und von seiner wichtigen Rolle bei der Vernetzung unterschiedlicher rechtsextremer Strömungen. Nun schaffte Borchardt als Kandidat der Nazi-Partei "Die Rechte" den Einzug ins Dortmunder Rathaus.

Von Joschka Fröschner

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