Alle Beiträge des Typs Artikel (Netz gegen Nazis)

"Netz-gegen-Nazis"-Jahresrückblick 2014: Feindseligkeit gegen Flüchtlinge, Friedensmahnwachen, HoGeSa, Pegida

Was bleibt uns aus dem Jahr 2014 in Erinnerung? Einerseits baute 2014 der "klassische" Rechtsextremismus ab: Neonazi-Demonstrationen werden blockiert, rechtsextreme Organisationen verboten, der NPD geht es schlechter als je zuvor. Andererseits wächst die Feindseligkeit in Teilen der Bevölkerung, die sich selbst nicht als rechtsextrem beschreiben würden: Hetze gegen Flüchtinge, AfD-Wahlerfolge, Friedensmahnwachen, HoGeSa und Pegida sind deutliche Symptome. Und: Der "Kampf um die Straße" ist offenkundig zurück. Unserer Top-Ereignisse 2014.

Von Simone Rafael

Saarland 2014: Heimat des neuen NPD-Bundesvorsitzenden mit Hooligan-Nazi-Rocker-Mischmilieu

Im Saarland treffen sich rechtsoffene Menschen aus der Hooligan- und Rocker-Szene mit NPD-Anhängern in bekannten Lokalitäten. So entstehen 2014 in dem kleinen Bundesland vielfache rechtsextreme Aktivitäten wie rechtsoffene Montagsdemonstrationen, Hetze gegen Flüchtlinge, eine eigene "SaGeSa" (Saarland gegen Salafisten) oder eine rechtsextreme Bürgerinitiative gegen Sexarbeiterinnen. Spaß machte die "Peniskuchen"-Affäre um Peter Marx.

Von Théo Garrel

Pegida in Dresden: Zu Gast beim Hass

Bei "Pegida" in Dresden versammeln sich junge und alte Wutbürger und Wutbürgerinnen, junge Männer in Kampfsportmarken neben alten Männern in un-farbenen Funktionsjacken, dazwischen Glitzermützen-Frauen mit Kerzen im Glas, auch einige verstörte Kinder sind dazwischen. Es sind Dresdner und Sachsen, aber auch Hasstouristen aus anderen Bundesländern: Sie alle sehen sich stoisch auf dem dunklen Theaterplatz eine "Show" an, die auch "Politically Incorrect News - Das Musical" heißen könnte. Und sie brüllen, wenn man sie auffordert. Denn wenn sie nicht stumpf stehen, dann sind sie voll Hass.

Radebeul/ Coswig: Streit um einen Frauenkalender

Ist es vorstellbar, dass eine städtische Gleichstellungsbeauftragte in einem Kalender eine lokale NPD-Politikerin als Vorbild präsentiert? Im sächsischen Radebeul/Coswig ist genau das gerade passiert. Beschwert haben sich darüber zwei ebenfalls im Kalender abgebildete Politikerinnen vom Bürgerforum /Grüne. Raten Sie einmal, was dann passierte.

Von Mira Erdmann

Hessen 2014: Mögliche rechtsextreme Morde im Wohnungslosenmilieu und durch Burschenschaftler

Hessen wurde im vergangenen Jahr gleichermaßen geprägt von zahlreichen neonazistischen Aktivitäten innerhalb des Parteienlagers, wie auch von rechtsextremen Gruppierungen aus der freien Kameradschaftsszene. Die Anzahl von Übergriffen und Schmierereien, versuchter Agitation gegen Flüchtlingsunterkünfte und rassistischen Flyeraktionen ist augenfällig. Der Höhepunkt rassistischer Gewalt war der Mord an einem ruandischen Wohnungslosen in Limburg Ende Oktober diesen Jahres. In einem weiteren Fall in Marburg, bei dem ein 20-jähriger Studienanfänger von einem Burschenschaftler erstochen wurde, ist ein rechter Tathintergrund ebenfalls möglich.

Wieviel English Defence League steckt in Pegida?

Die English Defence League (EDL) wird häufig als Vorbild für die aktuelle rassistische Mobilisierung in Dresden genannt. Selbst PEGIDA-Mitorganisator Siegfried Däbritz soll sich dahingehend geäußert haben. Ironischerweise liegt die EDL in England längst am Boden, die letzten Versuche Menschen hinter ihrem Banner zu sammeln, sind gescheitert. Tatsächlich gleichen sich viele der Argumente von PEGIDA und EDL. Es gibt aber auch gewichtige Unterschiede. Wir blicken auf die Geschichte der EDL und wagen den Vergleich.

Rassismus der Mitte in Bayern: Der Jahresrückblick 2014

Rassistische, antisemitische und chauvinistische Einstellungen sind in Bayern regelmäßig in einem höheren Ausmaß verbreitet als im sonstigen Bundesgebiet. Die NPD, die viele bayerische Neonazis offensichtlich aufgegeben haben, wurde 2014 weiter gebeutelt. In Germering, Erlangen und Vorra wurden im vergangenen Jahr drei schwere Brandanschläge auf Asylunterkünfte verübt, bei denen insgesamt ein Millionenschaden entstanden ist. Beim “Dritten Weg” begrüßte man die Brandstiftungen u. a. als “vorzeitiges Weihnachtsgeschenk”. Die Behörden verharmlosen rechte Attentate und Waffenfunde nach wie vor. Neben antimuslimischem Rassismus bietet für rechte Wutbürger_innen, Rechtspopulist_innen und Neonazis in Bayern auch die Trias aus Gender-Gegnerschaft, Antifeminismus und Homophobie zunehmend einen Kitt.

Der Jahresrückblick 2014 aus Schleswig-Holstein: Flüchtlingsthematik, Montagsdemos und Rockergangs als neue Organisationsform der Rechtsextremen

Schleswig-Holsteins Rechte hetzten dieses Jahr verstärkt gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Es kam nicht nur zu Aktionen wie Flyerverteilen, sondern auch zu mehreren, gewalttätigen Angriffen auf Geflüchtete und Flüchtlingsunterkünfte. Außerdem werden die Montagsmahnwachen für den Frieden, bei denen sich Antisemit_innen, Reichsbürger_innen, Rechtsoffene sind nun auch im nördlichsten Bundesland praktiziert. Antisemitismus zeigte sich in israelbezogener Form aber vorallem auch auf Demonstrationen anlässlich des Gaza-Israel-Konflikts. Neonazis versuchen sich zudem in Rocker-ähnlichen Vereinigungen zu organisieren und veranstalten Exkursionen, um die erlebnisorientierten Kameradschaften zu stärken.

Wo geht es lang? Die App "Berlin gegen Nazis" weiß es!

Die Hetze gegen Flüchtlinge und damit in Zusammenhang stehende Demonstrationen erhalten in Berlin derzeit enormen Aufwind. Heute Abend zum Beispiel findet in Pankow/Buch wieder eine der rassistischen Versammlungen mit einer antifaschistischen Gegenveranstaltung statt. Nach bisherigen Informationen wird für morgen ins Allende-Viertel nach Köpenick mobilisiert.

Was tun gegen Pegida?

Viele Politiker und Politikerinnen wollen angesichts von Pegida die "Ängste besorgten Bürgern und Bürgerinnen ernstnehmen" und mit ihnen einen Dialog führen. Damit meinen sie die antiliberalen Wutbürger und Wutbürgerinnen, die die Sorge um die eigenen Pfründe und Gewohnheiten in Dresden auf die Straße treiben. Aber sind das die richtigen Ansprechpartner? Und kann man nicht ganz andere Sachen tun?

Von Simone Rafael

Seiten