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Zur Fußball-WM 2014: Do's and Don'ts bei der Spielbetrachtung

Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien! Wir freuen uns schon auf spannende Fußball-Abende, befürchten aber auch rassistische, sexistische und nationalistische Ausfälle aller Art. Deshalb zum Start noch mal ein paar kleine Wünsche für eine möglichst diskriminierungsfreie WM.

Von Simone Rafael

Was wir möchten:

  • Schöne Fußballabende voller Freude über den Erfolg des oder der unterstützten Teams - möglichst, ohne die anderen Teams niederzumachen, denn das tut nicht Not und ist schon ein Schritt in die Abwertungsspirale. Also: "Mein Team ist super!" und nicht "Mein Team ist besser als Dein Team."
  • Freude an der Leidenschaft für guten Fußball, unabhängig von Nationalmannschaften. 
  • Möglichst wenig rassistische, sexistische oder homophobe Klischees beim Beschreiben der Teams. "Die Deutschen", "die Brasilianer" oder "die Engländer" gibt es sowieso nicht und es sind sowieso nur Projektionen. Wenn, dann wären es "deutsche Fußballspieler", und selbst die sind dann ja noch sehr verschieden. Und, weil es da ja offenbar noch Klärungsbedarf gab: ja, Kommentare wie "Hier spielt Pizza gegen Döner" à la Frank Buschmann bei der Autoball-WM sind rassistisch. Vielleicht nicht böse gemeint, aber eben doch rassistisch, und wenn jemand solchen "Humor'" pflegt, dann muss er damit leben, dass das auch so benannt wird. Ebenso, wie die "Bewertung" der "schärfsten Spielerfrauen" eben auch sexistisch ist, liebe BILD.
  • Menschen, die begreifen, dass Nationalismus und Patriotismus etwas anderes sind als Rechtsextremismus, aber trotzdem ihre eigenen Problematiken der Ausgrenzung und Abwertung haben.

Was wir nicht möchten:

  • Hitlergrüße vor Begeisterung. Passiert immer wieder mal, gern beim "Public Viewing". Sollten Sie den Eindruck haben, dass sie die gerne einsetzen würden, hinterfragen Sie, wo Sie das gelernt haben, und lassen sie es. Egal, was Sie sich dabei denken mögen: Für Außenstehende gibt es keine andere Interpretation als: Das ist ein Nazi. Strafbar ist es auch.
  • Menschen, die rechtsextreme Symbolik oder Kommentare auf Fanmeilen akzeptieren und nichts dagegen sagen. Nur weil Innenstädte in schwarz-rot-gold versinken, heißt das noch lange nicht, dass man jetzt ohne Hemmungen rassistisch oder rechtsextrem agieren oder entsprechende Symbolik ausstellen darf. Wir alle sind die Zivilgesellschaft, die hier Stellung beziehen kann und sollte. Zumindest unkommentiert sollten solche Ausfälle nicht bleiben.
  • Das allgegenwärtige Fähnchenmeer: Seit der Weltmeisterschaft 2006 werden EMs und WMs in Deutschland von einem schwarz-rot-goldenen Fahnen- bzw. Fähnchenmeer begleitet. Dabei sind "Party-Patriotismus" und zur Schau gestellte Nationalstolz doch gar nicht nötig, um sich an der Leistung des eigenen Teams zu freuen. Experten wissen: Diese Beschwörung eines "Nationalstolzes" funktioniert in der Regel ausgrenzend gegenüber Menschen, die als "anders" gesehen werden, und führt so zu weniger Weltoffenheit, schlimmstenfalls gar zu rassistischen Ausfällen, und macht anfällig für rechtsextreme Vereinnahmungen (mehr dazu: Führt Fußball-Nationalstolz zu Rassismus?, ngn 2010)
  • Fernseh-Moderator*innen und -Kommenator*innen, die rassistische, sexistische, homophobe Bemerkungen oder Stammtisch-Witze machen und hinterher sagen, sie haben es nicht so gemeint. Dann macht es auch einfach nicht. Natürlich sind Moderator*innen nur so gut wie die Gesellschaft, aus der sie kommen aber: Wer in der Öffentlichkeit steht, hat Verantwortung.
  • Rassistische Beschimpfungen von Gegnern. Wenn es keine sportlichen Argumente gibt, ist Schweigen der weit bessere Weg. Auch auf Twitter oder Facebook (wie es nicht geht: Hier).
  • Sätze, die anfangen mit "Ich bin ja kein Rassist, aber...", "Man muss doch noch einmal sagen dürfen..." Sie enden niemals gut. Auch nicht im Fußballzusammenhang.

In diesem Sinne wünschen wir uns, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 würde uns keinen Anlass zur Berichterstattung mehr geben. Wir sind gespannt.

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