Inszeniert sich als Mitläuferin - weil es strategisch besser für sie ist? Beate Zschäpe mit ihrem Anwalt Mathias Grasel im Dezember 2015 im NSU-Prozess
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Veranstaltungstipp: Strategien rechtsextremer Frauen und ihre Wahrnehmung in den Medien

Rechtsextreme Frauen werden nach wie vor kaum mit ihren politischen Einstellungen und Handlungen wahrgenommen. Vielmehr zeigen Analysen, dass sie oft übersehen und unterschätzt werden. Das verwundert, gerade angesichts des NSU. Am 28.01.2016 macht die Amadeu Antonio Stiftung dazu eine Veranstaltung in Berlin.

Von der Fachstelle Gender und Rechsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung

Rechtsextreme Frauen werden nach wie vor kaum mit ihren politischen Einstellungen und Handlungen wahrgenommen. Vielmehr zeigen Analysen, dass sie oft übersehen und unterschätzt werden. Das verwundert: Mit der Debatte um die rechtsextreme Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ richtete sich seit Herbst 2011 der Blick auch auf die Rollen von Frauen im heutigen Rechtsextremismus. Beate Zschäpe, Mitglied des NSU, steht vor Gericht. Geklärt wird ihre Mitverantwortung für die Morde und Gewalttaten. Seit Prozessbeginn begleitet und analysiert die Amadeu Antonio Stiftung den Verlauf aus Perspektive von Geschlecht: Wie inszeniert sich die Angeklagte? Wie wird sie seitens der Medien dargestellt? Wie haben Polizei und Verfassungsschutz Zschäpes Rolle wahrgenommen?

In ihrer Aussage am 9. Dezember 2015 inszeniert sich Beate Zschäpe als unpolitisch, naiv und bedient sich bestimmter Stereotype über Frauen. Sie verharmlost ihre Rolle und ihre Verantwortung. Damit stellt sie sich in die Tradition deutscher Schuldabwehr. Auf der Veranstaltung möchten wir Ergebnisse des Prozess-Monitorings insbesondere hinsichtlich von Geschlechteraspekten vorstellen. Außerdem möchten wir über Reaktionen nach der Einlassung Zschäpes und mit Blick auf das erwartbare Prozessende diskutieren. Wir haben zwei Gäste eingeladen:

Isabelle Hannemann spricht zum Täterinnenbild in der journalistischen Berichterstattung zum NSU-Prozess. In diesem, so ihre These, bestätigt sich, was für die künstlerische und mediale Inszenierungen weiblicher Verbrechen insgesamt gilt: „Das Wesen der Verbrecherin, nicht des Verbrechens steht im Fokus.“ Will man den Opfern gerecht werden, TäterInnen tatsächlich 'erkennen' und den NSU und anderen neonazistischen Strategien nahe kommen, so müssen Frauen als aktiv Handelnde, Gewalt ausübende und gruppenbezogene Menschlichkeit vertretende Subjekte, TäterInnen und/oder Terroristinnen ernst genommen werden“?. Isabelle Hannemann arbeitet derzeit an ihrer Dissertation zum Thema „Grausamkeit und Geschlecht" an der Leibniz Universität Hannover.

Ulrich Overdieck ist Referent der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus bei der Amadeu Antonio Stiftung. Er  beobachtet den Prozess seit Beginn, seine diesbezüglichen Analysen sowie detaillierte Recherchen zu Strategien rechtsextremer Frauen in der ehemaligen BRD sind veröffentlicht in: Rechtsextreme Frauen. Übersehen und unterschätzt (Amadeu Antonio Stiftung 2014, hier pdf zum Download). Sein heutiger Fokus: Beate Zschäpe ist nicht die einzige an den Taten beteiligte Frau. Die Hauptangeklagte steht zwar im Zentrum der Aufmerksamkeit, jedoch kamen im Prozessverlauf weitere rechtsextreme Frauen und ihr Wirken zur Sprache.

Moderation: Dr. Heike Radvan (Amadeu Antonio Stiftung)

 “Auf der Suche nach Liebe“. Strategien rechtsextremer Frauen und ihre Wahrnehmung in den Medien im Prozess gegen Beate Zschäpe

Donnerstag, 28.01.2016

18–21:00 Uhr

Amadeu Antonio Stiftung, Novalisstraße 12, 10115 Berlin

Die Veranstaltung wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.

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