Im Webshop von "Phalanx Europa" kann die neurechte Nipster-Kleidung erworben werden.
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Phalanx Europa: Kleidung von Identitären für Identitäre

Springerstiefel, Bomberjacke, Glatze, Bier. Das ist alles Schnee von gestern - und auch ziemlich stigmatisiert. Der modebewusste neurechte Nipster beweist Stil, in dem er sich in die neue Kollektion der Identitären von „Phalanx Europa“ kleidet. Deren Shirts geben sich pseudo-intellektuell mit Nietzsche-Drucken, anti-antifaschistisch mit doch an die Antifa erinnerndem Aufdruck oder etwas eindeutiger rechtsaußen, wenn als „Lampedusa Coastguard“ bedruckt. Da ist für viele (Neu)Rechten etwas dabei, der mit dem Geist der Zeit und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als cool propagieren will.

Von Théo Garrel

Die Identitären scheinen unter den Neonazis die Hipster der Szene zu sein. Eine selbsternannte „Jugendbewegung“, die sich dem Kampf gegen Islamisierung und die Multikulti-Ideologie verschrieben hat, was auch immer das sein soll. Über ihr Logo, den griechische Buchstaben „Lambda“, und die damit verbundene Affinität zum Mythos von Sparta beziehungsweise zu dem Film „300“, wurde auf netz-gegen-nazis.de schon berichtet. Identitäre sehen sich als Verteidiger der eigenen kulturellen Identität und der imaginären Volksgemeinschaft, ein Gedanke, der den auch „klassischen Neonazis“ teilen. Die Identitären jedoch distanzieren sich – zumindest nominell - von Antisemitismus, Sozialchauvinismus und Nationalsozialismus. Dabei bleiben sie aber trotzdem menschenverachtend, rassistisch und diskriminierend. Ihre Forderung ist der Stopp von Masseneinwanderung und der damit verbundene Schutz der „deutschen Identität“. Die Pseudo-Toleranz der Identitären Bewegung setzt sich aus simplen Gedanken zusammen: Sie sagen angeblich Ja zu Vielfalt und verschiedenen Kulturen,  sie befürworten die Existenz anderer Nationalitäten und auch anderer nationaler Identitäten, diese sollen jedoch im „angestammten“ Heimatland gelebt werden, damit sich die verschiedenen Bräuche, Sprachen, Kulturen nicht vermischen – wie es das für die Identitären sehr reale Schreckgespenst eines „Multikulti-Wahns“ wolle. Sie scheinen zu sagen: Kein Problem, wenn du einer anderen Nationalität angehörst, aber doch bitte nicht hier in Deutschland – das ist im Endeffekt „Ausländer raus“ in vermeintlich netteren Worten.

Diese Idee der Verteidigung des eigenen Landes gegen Masseneinwanderung oder die angebliche Islamisierung Europas findet nicht nur in den Köpfen dieser diskriminierenden Menschen, sondern auch auf ihrer Kleidung ihren Platz: Ein Versandhandel aus dem österreichischen Identitären-Spektrum nennt sich „Phalanx Europa“. Phalanx ist ein altgriechisches Wort und bedeutet eine dichtgeschlossene Kampfformation, wie sie vor allem von den alten Griechen im Krieg benutzt wurde. Als diese Schlachtreihe, die anscheinend den Kontinent Europa schützen muss, sehen sich wohl Menschen, die auf der Website Artikel bestellen. Gegründet haben „Phalanx Europa“ nach einem Bericht des neurechten Magazins „Blaue Narzisse“ die Österreicher Patrick Lenart und Martin Sellner im November 2013. Sitz des Versandhandels in in Graz.

Neuer Stil, altes Spiel

Gleichzeitig ist den Machern von „Phalanx Europa“ offensichtlich die Abgrenzung von der Neonazi-Szene wichtig. Besonders auffällig sind die T-Shirts – die eben auch T-Shirts heißen, nicht als nazi-eingedeutschte „T-Hemden“  verkauft werden. Auch Englisch ist hier kein Problem. Die T-Shirts sind denn auch stilistisch weniger mit anderen von Nazis getragenen Labels wie „Label 23“ oder klassischer Weise „Thor Steinar“ zu vergleichen, auch wenn sie nicht unähnliche Themen abdecken.

Die Kleidungsfarben sind nicht dunkel, erinnern nicht an Camouflage oder Militär.  Die Schrift ist keine altdeutsche oder schnörkelig mittelalterliche. Man muss zweimal hingucken, um die Shirts als neonazistisch zu entlarven: Sie sehen hip und modern aus, kommen in vielen hellen Farben daher und könnten von jeder anderen populären Kleidungsmarke stammen, die keinen politischen Hintergrund hat. Die Aufdrucke erinnern zum Teil an popkulturelle Elemente oder gar linksalternative Kleidung.

Motivklau bei der Antifa

Einige Beispiele: Allen voran das Shirt mit dem Aufdruck „Still not <3’ing Antifa“, eine offensichtliche Abkupferung des klassischen Motivs „Still not <3’ing Police“ ist, das in der linken Szene schon lange verwendet wird. Auch das in der linksalternativen Szene weitverbreitete Motiv „Refugees welcome! Bring your families“ wurde von den Machern von „Phalanx Europa“ zweckentfremdet und zu einem rassistischen Statement umgeformt. Auf dem  „Phalanx Europa“-Hemd ist ein Ritter zu Pferd mit einer Lanze zu sehen, der zwei Menschen mit Maschinengewehren davonjagt. Die Überschrift „Islamists not welcome. Stay back or we’ll kick you back“ zeigt die eindeutige rassistische Einstellung, die hinter der Identitären Bewegung steckt. Die offene Stereotypisierung der Muslime als terroristische Islamist_innen ist mehr als nur eine Anspielung. Und der Ritter, der nur mit einer Lanze bewaffnet ist, soll wohl  den tapferen (aber nicht sonderlich schlauen?) Europäer darstellen, der auch angesichts der gefährlichen Islamist_innen nicht den Mut verliert und sie davonjagt. Der „deutsche Ritter“ mit seiner altbackenen Lanze symbolisiert neben der Verteidigung des Abendlandes gleichzeitig das Traditionsbewusstsein und markiert es  als positiv und gewinnend.  

Hetze gegen Flüchtlinge als "witziges" T-Shirt-Motiv

Das Label verwendet sowohl historisch anmutende Motive, wie das antike Griechenland als Verteidiger des Abendlandes (Abbildungen griechischer Soldaten und der Unterschrift „European Spirit - defending the homeland since 500 b.c.“), als  aktuelle Thematiken der Rechten, so beispielsweise den Wunsch nach der Abschirmung Europas gegen illegale Immigrant_innen (Shirts mit der Aufschrift „Lampedusa Coastguard“). Lampedusa ist die italienische Insel, die den Behörden als Vorposten zum Abfangen illegaler Immigrant_innen auf dem Weg nach Europa dient. Vor der Küste Lampedusas kam es immer wieder zu Schiffunglücken, bei denen bereits mehrere Tausend geflüchtete Menschen ihr Leben ließen. „Lampedusa Coastguard“ als Motiv für ein T-Shirt zu wählen- also sich als Wachposten zu sehen, der die Küste Europas vor flüchtenden Menschen schützt - ist nicht nur makaber, sondern menschenverachtend.

Rechtspopulismus scheint hier lustiger

Auch weitere neurechte Themen haben die Macher von „Phalanx Europa“ im Repertoire – „klassische“ Held-Mythologien, anti-muslimischem Rassismus, Anti-Feminismus („Gents against Femen“) und sogar die Vereinnahmung anderer faschistischer Ideologen, wie ein Shirt mit einer Abbildung Yukio Mishimas mit einem Samurai-Schwert. Mishima war japanischer Literat und bekannt für seine nationalistische Gesinnung, die er in seinem Werk äußerte. Er propagierte die Verteidigung der japanischen Kultur angesichts der linken Studierendenenunruhen in den 1960er Jahren in Tokyo. Die Unterschrift des Bildes: "Yodo - you only die once“. Weil die Identitären ja eine Pseudo-Toleranz für andere Nationalitäten und deren Kampf für eigene Kultur vertreten, können sie sich mit nationalistischen Bewegungen eines jeden Landes oder jeder Gruppierung solidarisieren und gleichzeitig an ihrem rassistischen Weltbild festhalten.

Phalanx Europa gibt sich unkommerziell, jung, frisch

So wollen es also die „Ewig Gestrigen“ Neurechten endlich bewerkstelligen, ihre neonazistischen Ideologien zeitgemäß zur Schau zu stellen: In einem neuen, modernen, hippen Design, auch wenn die Inhalte weiterhin rassistische Ressentiments und Hetze gegen Migrant_innen sind - wie auch im „klassischer“ Neonazismus.

Dazu passt die Selbstdarstellung von „Phalanx Europa“ als junges Unternehmen aus und für die Identitäre Szene. Die Macher Patrick Lenart und Martin Sellner sind als Identitäre in Österreich bekannt, treten öfter auch bei identitären Aktionen vor Medien als Wortführer auf. So gelingt es ihnen, sich als politisch engagierte Identitäre darzustellen, die ihr weniges Geld zusammenwarfen, um dieses Modelabel ins Leben zu rufen – um eine „Gegenkultur“ zu schaffen. Ihr Ziel sei – natürlich -  keine kommerzielle Geldmacherei, sondern Kleidung „für Patrioten mit Herz und Hirn“. Und was das für tolle Typten sind, ist auf der Website der Marke beschrieben: „Unser Projekt ist also ein kleiner Baustein in der Gegenkultur, die wir guten Europäer uns aus den Ruinen der Postmoderne schaffen. Phalanx-Klamotten (…) zu tragen positioniert dich klar. Es ist eine Aussage, eine ästhetisch-politische Tat: gegen das Multikulti-Empire, gegen tatenlose Spießer und visionslose Pessimisten. Nein zur Überflutung Europas, nein zu dumpfem  Konsum – ja zum Heroismus.“ So. 

Obwohl die Idee der Identitären und deren Kleidung wie von „Phalanx Europa“ mit ähnlichen Themen und Ressentiments arbeiten wie der „klassische“ Rechtsextremismus, gelingt durch die neue, modebewusste und teils „humoristische“ Aufmachung und das Konzept eines zeitgemäßen, popkulturellen Hipster-Lifestyles eine gefährliche Mischung, die Menschenfeindlichkeit als cool darstellen soll. Es ist Mode für neurechte  Nipster, die Nietzsche lesen und ihn „nationalsozialistisch“ interpretieren, Kitler-Katzenvideos posten und jede Art von nationalistischer Bewegung, eben nicht nur deutsche, feiern. 

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