Was kann ich tun, wenn Neonazis in "meinem" Internet-Forum aktiv sind?


Nicht immer treten Neonazis in Internet-Foren so eindeutig und offen auf wie auf diesem Bild. Foto: © ZEIT-Grafik

Es gibt viele Internetforen, in denen Rechtsextreme aktiv waren oder sind, darunter auch im Netz-gegen-Nazis oder bei Schüler- und Studi-VZ. Wie kann ich mich als Forumsnutzer verhalten, wenn ich nicht möchte, dass Rechtsextremisten das Forum dominieren? Toni Peters vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. beschäftigt sich schon lange mit dieser Frage.

Toni Peters: Das Internet unterscheidet sich in vielen Bereichen kaum vom wirklichen Leben. Fast alle politischen Einstellungen, auf die man in der Gesellschaft trifft, findet man auch im Netz. Dass dazu auch Rechtsextremismus gehört, ist nicht überraschend. Natürlich surfen, chatten und mailen Rechtsextremisten. Sie haben Blogs und Homepages und beteiligen sich in WebCommunities.

Grundsätzlich gilt wie im realen Leben: Ausgrenzung und Rassismus sind menschenverachtend und keine akzeptablen Meinungen unter vielen anderen, die offen diskutiert werden können. Wer ausgrenzen will, gehört selbst ausgegrenzt. Zumal ein demokratischer Dialog Gleichberechtigung und Offenheit der Beteiligten voraus setzt.
Rechtsextremisten sind aber gegen Gleichberechtigung. Ihnen geht es nicht darum, Argumente auszutauschen, sondern zu agitieren, um Räume für ihre Positionen zu erobern. Ihnen genau dieses streitig zu machen ist nicht nur legitim, sondern überaus wichtig - auch im Netz.

Was also tun, wenn man in Foren und WebCommunities auf Rechtsextremisten stößt?

Deutliche Worte finden

In einem Internetforum wird über Kriminalität diskutiert und ein User verdirbt jede Auseinandersetzung, in dem er immer wieder
pauschalisierend auf Ausländer hinweist, die angeblich für jeden einzelnen Gesetzesbruch in Deutschland verantwortlich sein sollen. Ohne einer Tabuisierung des Themas das Wort zu reden, gilt es Stellung zu beziehen.

Wenn pauschalisiert wird, wenn andere Aspekte des Themas (beispielsweise Armut) abgedrängt werden sollen, dann liegt zumindest ein unangemessener Diskussionsstil vor. Darauf deutlich hinzuweisen ist sinnvoll, auch mit dem Hinweis, dass eine Einbahnstraßen-Argumentation rassistische Vorurteile transportiert. Auf diese Art und Weise geht es möglicherweise zurück zu einer hilfreichen Diskussion. Oder die Fronten klären sich und der Gegenüber outet sich als überzeugter Rassist: dann sollte die Diskussion aus den oben genannten Gründen abgebrochen werden. Immerhin verfolgen Rechtsextremisten auch im Internet eine Wortergreifungsstrategie. Das heißt, sie wollen Themen setzen und Dominanz erringen. Und aus taktischen Gründen geben sich Rechtsextremisten zunächst häufig nicht als solche zu erkennen.

Sachlich bleiben

Auch im Umgang mit Vertretern von extrem rechten Positionen oder offen agierenden Rechtsextremisten gilt die Netiquette, also die Benimmregeln im Netz. Bei aller inhaltlichen Deutlichkeit sollte man höflich und sachlich bleiben und nicht in Polemik oder Beschimpfungen abgleiten. Dass man über rechtsextreme Positionen nicht diskutieren muss und will, kann mit kühlen, klaren Worten formuliert werden. Wenn immer weiter provoziert wird, ist es im Interesse der Diskussion sinnvoller, die Störer vorerst zu ignorieren.

Störenfriede melden

Wenn auch nach einer sachlichen Intervention immer weiter gestört wird, empfiehlt es sich, gegebenenfalls zusammen mit anderen Diskutanten, für eine Sperrung der rechtsextremen User einzutreten. Immerhin haben die meisten Foren und OnlineCommunities entsprechende Nutzungsbedingungen, auf deren Einhaltung man bestehen kann.

Nicht immer gehen Betreiber adäquat auf solche Beschwerden ein und - wie im realen Leben in vergleichbaren Situationen - darf man sich keine allzu großen Hoffnungen machen. Schnell tauchen auch gesperrte Internet-Rechtsextremisten wieder auf, angemeldet mit einem neuen, unbelasteten Account.

Es ist eine andauernde Auseinandersetzung, die Beharrlichkeit und ständige Aufmerksamkeit erfordert, doch sie kann sich lohnen. Rechtsextreme müssen Gegenwind bekommen. Wenn ihre Hetze isoliert wird, sind sie genervt und manchmal auch irritiert und verunsichert - und ein wenig Raum für demokratische Diskussionen ist gewonnen.

Betreiber zum Handeln bringen

Was in Foren gilt, in denen sich Rechtsextreme breit machen wollen, gilt nicht unbedingt in Communities wie MySpace, Lokalisten, Studi- und Schüler-VZ. Dort netzwerken Rechtsextreme häufig in eigenen Gruppen und Zusammenhängen und haben dann auf ihrem Teilterrain der Community von vornherein die Oberhand. Hier wird oft mit deutlicherer Symbolik und derberen Aussagen gearbeitet: schließlich sollen ja nicht politischer Raum gewonnen, sondern die eigene Weltanschauung zelebriert werden.

Um gegen solche extrem rechten Online-Parallelwelten vorzugehen, sind aus praktischen Gründen die Administratoren der Communities die ersten Ansprechpartner. Die Beschwerdestellen sollten genutzt werden, um die Betreiber darauf aufmerksam zu machen, was auf ihren Seiten geschieht.

Bei Gesetzeseverstößen - etwa gegen den Volksverhetzungsparagrafen - sind die Betreiber unter bestimmten Bedingungen sogar verpflichtet,
aktiv zu werden. Aber auch politisch kann argumentiert werden. Wenn eine Community glaubhaft bleiben will, darf sie Rechtsextremisten nicht dulden, wenn sie sich gleichzeitig zu demokratischen Werten bekennt. Vermietet ein Wirt seine Kneipe bewusst an Neonazis, dann sollte er dafür kritisiert werden. Das gleiche gilt im Netz: wer der extremen Rechten eine Plattform zur Verfügung stellt, trägt dazu bei, dass sich Rechtsextremismus ausbreitet.

Neben direkter Intervention gegen rechtsextreme Gruppen (und auch Einzelprofile) ist es genauso sinnvoll, selbst Stellung zu beziehen.
Warum nicht eine eigene Gruppe gegen Rechtsextremismus gründen oder sich einer bestehenden anschließen? Warum nicht ein Banner gegen Neonazis auf die eigene Profilseite stellen?

Rechtsextreme Webseiten melden

Weit weniger Einfluß hat man naturgemäß, wenn man abseits von Foren und Communities auf Internetseiten stößt, die gänzlich von Rechtsextremisten für Rechtsextremisten betrieben werden. Immerhin kann man aber helfen, dass Initiativen und Institutionen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, auf dem Laufenden bleiben.

Das Portal Hagalil betreibt beispielsweise die Internetseite nazis-im-internet.de, wo rechtsextreme Seiten gemeldet werden können. Neben dem dokumentarischen Aspekt bemüht sich
Hagalil auch darum, dass eventuell strafrechtlich relevante Inhalte zur Anzeige gebracht werden. Auch auf jugendschutz.net gibt es ein Meldeformular für als jugendgefährdend empfundene Seiten.

Leser-Kommentare ()

  1. Bild von stinkwut

    Ich ärgere mich seit über einem Jahr über ein Forum, wo pausenlos ca. ein Dutzend Neonazis ihre Sprüche verbreiten.
    Ein Hinweis an den Betreiber brachte nichts.
    Ich habe diese Seite jetzt haGalil gemeldet.
    Es geht um das Forum bei www.hood.de, genauer um das: http://www.hood.de/cafe/42/politik-cafe.htm

  2. Bild von Bogo

    Sowas würde ich dem Jugendschutznetz melden aber sicher nicht der haGalil.com, denn die verweist ihrerseits auf Islamhetzerische Texte, des jüdischen Künstlers Daniel Haw, der sich mit seinem Moische Hundesohn und einer Quietscheente ordentlich über die hier lebenden Muslime auslässt.
    Wo da der Unterschied zum herkömmlichen Rassismus sein soll, will sich mir nicht erschließen.
    Seit ca. 3 Monaten, versuche ich mit freundlichen Worten jemanden darauf aufmerksam zu machen, angefangen vom Künstler selbst über die haGalil.com bis zu Wolfgang Thierse Schirmherr über "Mut gegen rechte Gewalt", die ihrerseits auf die haGalil.com als Partner, im Kampf gegen Rechtsextremismus verweist.
    Wobei ich ausdrücklich darauf hinweise das ich die Mut Redaktion keines Falls verantwortlich mache, sie aber in der Lage sehe, sich von einem Partner zu trennen, der vorgibt gegen Rechtsextremismus zu kämpfen und selbst den Rassismus fördert.
    Wahrscheinlich kann man sich einen Ast ärgern, bewegen kann man als kleiner Mann gar nichts.

  3. Bild von stinkwut

    oh, danke, ist ja interessant.
    Dem Jugendschutznetz habe ich bereits Meldung geschickt.
    Naja, Jugendliche sind dort in diesem besagten Forum weniger zu finden, wobei das auch nicht ganz klar ist.
    Aber: Jugendliche haben Zugang, und das reicht m.E.

    Mit deinem letzten Satz muss ich dir leider zustimmen. Es ist sehr, sehr schwer, diese Agitationen zu bekämpfen.
    Und daraus entstand mein Nick :-)))

  4. Bild von Bogo

    Eigentlich ist das Jugendschutznetz immer in erster Instanz, zuständig.
    Da die Jugendlichen so gut wie überall im Netz unterwegs sind.
    Die Stinkwut kann ich gut verstehen, besonders wenn gar nicht reagiert wird von den Betreibern.
    Anders herum ist es aber auch ärgerlich, wenn man Antworten bekommt, die das ganze verharmlosen.
    Eine solche Antwort war z.B. von einer Organisation die gegen Rechtsextremismus kämpft, dass man dann ja gar nichts mehr verlinken könnte.
    Ich sehe das wie in obigem Artikel, wenn der Wirt seine Kneipe vermietet, hat er darauf zu achten an wen er vermietet.
    NGN verlinkt ja auch nicht irgendwelche Schmuddelseiten.
    Eine andere Antwort war, dass es der Künstler sicher nicht so gemeint habe.
    Haben sie sich mal den Moishe Hundesohn angesehen?
    Seit dem ich mich kontinuirlich beschwere, gehen seine Antiislamtiraden um so häufiger über die Bühne.
    Manche Sachen von ihm mögen ja recht witzig sein, doch mir ist die Lust daran vergangen und an der haGalil.com sowieso.
    Wenn man gegen Rechtsextremismus, Antisemetismus und Rassimus kämpft, dann doch bitte für alle hier lebenden Ausländer, egal welche Religion sie haben.
    So, dass ist wohl meine Stinkwut.

  5. Bild von stinkwut

    danke für deine Antwort...
    Ich beobachte besagtes Forum, und was mich natürlich ärgert ist, dass die weiter so munter hetzen und ihren Mist verbreiten können.

    herzliche Grüße,
    eine die einfach "stinkwut" hat über die Aktivitäten der Neonazis im Internet

  6. Bild von Bogo

    Jetzt kann man sich auch bei der haGalil, gut aufgehoben fühlen.
    Ich empfehle es sogar ausdrücklich, denn die haGalil.com ist ihren Moishele losgeworden und er treibt sich nun da rum wo er hingehört auf PI als Direktlink.
    Wer auch immer das geschafft hat, ich danke ihm und jetzt bedanke ich mich erst mal bei der haGalil.

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