Neonazi-Archetypen in Sozialen Netzwerken (5): Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien

Welche Archetypen von Nazis sind in Sozialen Netzwerken aktiv? Wie nennen sie sich, was finden sie gut und wie versuchen sie, andere Leute anzusprechen? Heute: Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien.

Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien nutzen die Sozialen Netzwerke sehr intensiv, um für die eigene Sache zu werben. Der Facebook-Auftritt der NPD ist als sehr professionell zu bezeichnen. Funktionär/innen, Unterorganisationen und verschiedene Ländergruppen unterhalten Profile, die gut miteinander vernetzt sind und aktuell betreut werden. Von der offen rassistischen und antisemitischen Hetze auf den Parteitagen der NPD ist auf den Facebook-Seiten der Organisation nichts zu finden. Man möchte vornehmlich die „Mitte“ ansprechen und gibt sich entsprechend bürgerlich – und außerdem möchte man nicht gelöscht werden, was bei offener rechtsextremer Agitation inzwischen in den meisten Sozialen Netzwerken geschieht.

Neben den Partei-Profilen und den Profilen einzelne NPD-Funktionäre und –Funktionärinnen (siehe „Bürgerliche Strategie“) versucht es die NPD bei Facebook mit eigenen Gruppen und Seiten, die gesellschaftliche Aufregungs-Themen meinungsbildend besetzen sollen. Jede/r Nutzer/in kann hier den „Gefällt mir“-Button drücken und den Stream zu dem jeweiligen Thema verfolgen. So erreicht etwa die NPD-Kampagnen-Gruppe „Raus aus dem Euro“ über 1.000 Mitglieder. Eine NPD-nahe Seite zum Thema Kindesmissbrauch brach bisher alle Rekorde, erreichte 70.000 Nutzer/innen und mit Online-Veranstaltungen sogar über 200.000 Nutzer/innen – und das, obwohl offen nicht nur rechtsextreme Musik verbreitet, sondern auch offene NPD-Werbung betrieben wurde (Mehr im Kapitel Themen: „Keine Gnade für Kinderschänder“).

Gleiches lässt sich auf der Seite „Es ist bereits Fünf vor Zwölf!!! Hört endlich auf mit dem Multikultiwahn“ beobachten. Das Bild der Gruppe zeigt eine glücklich-lachende Familie und den Slogan „Sicher leben ohne Multikulti“ und zielt auf die vielbeschworene „Angst vor Überfremdung“ ab. Neben antiislamischer Hetze findet sich dort auch sehr offene Werbung für die NPD. Dabei ist die thematische Affinität zu Parteien der Pro-Bewegung oder Die Freiheit wesentlich größer. Diese sind ebenfalls auf Facebook vertreten, nutzen die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke aber wesentlich weniger aus. Die rechtspopulistischen Parteien sind zwar auf Facebook präsent, aber die NPD nutzt alle Möglichkeiten des Netzwerks. (jb)

Mein Profil-Name: NPD („Nationaldemokratische Partei“), „Die soziale Heimatpartei“, „Die Volksunion“, JN („Junge Nationaldemokraten“), RNF („Ring nationaler Frauen“), „Deutsche Stimme“ (DS), „Bürgerbewegung Pro Deutschland“, „Die Freiheit“
Typische Begriffe und Slogans auf meinem Profil: „Kampf um die Köpfe, Kampf um die Straße. Kampf um die Parlamente.“, „Härtere Strafen für Kinderschänder“, „Raus aus dem Euro“; „Multikulti – nein danke!“, „Wir lieben DIE FREIHEIT“, „abendländischen Charakter Deutschlands erhalten“, „Wir unterstützen Thilo Sarrazin“.
Auf meinem Profilbild: Bild der Person, oft mit einem Button: NPD-Logo oder weißer Pfeil auf rotem Grund (JN); durchgestrichene Moschee („Pro“-Bewegung); weißes „F“ auf blauem Grund („Die Freiheit“)
Meine Lieblingssymbole: Parteisymbolik
Meine Lieblingsmusik: Frank Rennicke, Lunikoff Verschwörung
Meine Lieblingsfilme: Troja, Ben Hur, Gladiator, Apocalypto, Schtonk
Meine Lieblingslektüre: Deutsche Stimme (DS aktuell), Altermedia, Deutschland-Echo, Kopp-Verlag
Meine Lieblingszitate: „Nichts ist so mächtig wie eine Zeit, deren Idee gekommen ist“ (Victor Hugo)
„Man muss Unmögliches verlangen, um das Mögliche zu erreichen.“ (Otto von Bismarck)
„Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen!“ (Plato)

* Die Beschreibung ist beispielhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! *

Dieser Text ist ein Auszug aus der neuen Broschüre von www.netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net: "Zwischen Propaganda und Mimikry - Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken". Sie steht hier zum Download bereit und kann - solange der Vorrat reicht - per Mail bestellt werden unter: netz@amadeu-antonio-stiftung.de. Versand gegen Portokosten. Über das Projekt no-nazi.net bieten wir auch Workshops zum Thema "Nazis in Sozialen Netzwerken" an.

Mehr aus der Broschüre auf netz-gegen-nazis.de:
| Broschüre 2012

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