Aus der Parteikasse in die Möbelfirma

Der frühere Bundesschatzmeister der rechtsextremen NPD, Erwin Kemna, hat gestanden, rund 700.000 Euro an Parteigeldern veruntreut zu haben. Das Landgericht Münster verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Im Prozess räumte er am Freitag die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weitgehend ein. Der 57-Jährige soll laut Anklage mehr als 800.000 Euro von Partei- auf Privatkonten und Konten seiner Möbelfirma im Münsterland umgeleitet haben. Das Gericht hatte Kemna in Aussicht gestellt, dass seine Bestrafung im Falle eines Geständnisses auf nicht mehr als drei Jahre Haft lauten werde. Kemna sitzt bereits seit sieben Monaten in Untersuchungshaft. Für den Prozess waren ursprünglich acht Verhandlungstage angesetzt.

Zerreißprobe für die Partei

Schwierig wird es jetzt für den Parteivorsitzenden Udo Voigt, seinen "Kameraden" zu erklären, warum er sich trotz der Vorwürfe bis zuletzt hinter Kemna stellte. Das Finanzdesaster könnte Voigt am Ende den Vorsitz kosten. In der Partei rumort es bereits kräftig. „Wenn bei mir in der Fraktion Geld wegkommen würde und ich hätte vorher gesagt, geht mit den Finanzen um wie ihr wollt, dann könnte mich niemand mehr retten und ich müsste zurücktreten. Dass dies nicht auch für den Vorsitzenden gelten soll, kann ich meinen Parteifreunden schwer vermitteln”, soll Udo Pastörs, Chef der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, laut einer rechtsextremen Nachrichtenseite gestichelt haben.

Kemna, der in Ladbergen eine Küchenfirma betreibt, war Anfang Februar festgenommen worden. Anschließend durchsuchten acht Staatsanwälte und 85 Polizisten sein Wohnhaus sowie die Firma in Ladbergen und weitere Gebäude in Lengerich. Auf die Spur kamen ihm die Ermittler durch die Verdachtsanzeige einer Bank. Ihr waren merkwürdige Transaktionen auf den Konten Kemnas und der NPD aufgefallen.

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