Junge Freiheit

Die Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) war und ist stets bemüht, sich durch Gesprächspartner, die politisch neutral oder Politiker der demokratischen Parteien sind, ein reputierliches Image zu schaffen.

Von Gabriele Nandlinger

Damit will die Junge Freiheit, die Eigenangaben zufolge in einer Auflage von 25.000 Exemplaren erscheint, nicht zuletzt den Geruch der Rechtslastigkeit durch den Anschein überparteilicher Seriosität übertünchen. Zur Verfügung standen für den "Deutsch-Nationalismus" der Jungen Freiheit schon Politiker von CDU/CSU wie Peter Harry Carstensen, Kurt Faltlhauser, Peter Gauweiler oder Jörg Schönbohm, die sich selbst als "Männer klarer Worte" sehen. Aber auch gestandene Sozialdemokraten waren bereitwillige Interviewpartner der JF, so unter anderem Egon Bahr, Peter Glotz oder Christoph Zöpel, was ihnen auch viel Kritik aus der eigenen Partei eintrug. Nicht zimperlich ist die JF jedenfalls mit verbalen Angriffen auf ihr unliebsame Politiker. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy und Niels Annen bezeichnete die JF als "Hintermänner des Abgrenzungswahns der SPD gegen alles, was einigen Nachwuchsfunktionären als rechts erscheint" in ihrem "Kampf gegen Rechts".

Über Jahre stand die Junge Freiheit unter Beobachtung mehrerer Verfassungsschutzämter. Experten weisen der JF eine Scharnierfunktion zwischen dem rechtskonservativen und dem rechtsextremen Spektrum zu. Angekreidet wurde und wird der JF vor allem, dass sie auch Vertretern der extremen Rechten ein Podium bietet. Häufiger Autor in der JF ist unter anderem der Chefideologe der französischen Neuen Rechten, Alain de Benoist. In der Vergangenheit hatte der neurechte Vordenker in der JF beispielsweise die Bedeutung der Menschenrechte als grundlegende Werte des Verfassungsstaates in Frage gestellt: "Das Individuum als solches" könnte "kein echtes Rechtssubjekt sein", da Rechte mit der "Mitgliedschaft in einem politischen Ganzen einhergehen" könnten.

Auch in jüngster Zeit konnte sich de Benoist in der JF mehrfach wieder zu Wort melden. So warf er beispielsweise dem neuen französischen Staatspräsidenten Nicholas Sarkozy vor, dass der noch am Wahlabend "unsere amerikanische Freunde" gegrüßt habe. Der extrem rechte Belgier Filip Dewinter durfte in der JF jüngst über "die wahre Hetze" gegen diejenigen, "die nicht mit der politisch korrekten multikulturellen Heilslehre" einverstanden seien, lamentieren.

Zur Feder für die JF hat über lange Jahre regelmäßig auch der österreichische "Deutschnationale" Andreas Mölzer gegriffen. Der Europaparlamentarier der FPÖ bevorzugt ein Europa in den Grenzen des "alten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und beklagte schon mal eine angebliche "Umvolkung" in Europa. Mölzer war unter anderem auch als Referent bei der rechtsextremen Gesellschaft für Freie Publizistik zugange. In der JF prangerte Mölzer die "EU-Musterdemokraten" an, die im "’Kampf gegen Rechts’ die Meinungsfreiheit" beschränkten und die EU damit Gefahr laufe, "sich zu einer Diktatur der Political Correctness zu entwickeln". Im Herbst 2007 hat die JF die Zusammenarbeit mit Mölzer aufgekündigt, da der zu einer Veranstaltung der damals noch bestehenden Rechtsfraktion im Europäischen Parlament in Straßburg die NPD mit an den Tisch geholt hatte.

Wenig wählerisch zeigt sich die JF jedenfalls bei der Auswahl ihrer Anzeigenkunden. Schon vor Jahren hatte auch die Bundesregierung moniert, dass in der JF "kontinuierlich Anzeigen rechtsextremer Organisationen" geschaltet würden. So dürfen in der JF unter anderem die antisemitischen Unabhängigen Nachrichten, die rechtsextreme Deutsche Partei, die Republikaner oder die ebenfalls im Visier des Verfassungsschutzes stehende Münchner Burschenschaft "Danubia" für sich werben. In ihrer Ausgabe Ende Mai 2007 widmet sich die Zeitung sogar auf zwei Seiten einem "Danubia"-Mitglied, dessen Verfassungstreue das Bayerische Innenministerium anzweifelt, so dass er nicht ins Richteramt übernommen werden kann. Durch die Veröffentlichung von solcher Werbung erscheint der politische Standort der Jungen Freiheit am rechten Rand stark ausgefranst.

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