Das Personal der NPD

Udo Voigt, geb. 1952, ist seit 1996 Bundesvorsitzender der NPD. Sein Vater war Mitglied der SA und Stabsgefreiter bei der Panzertruppe der Wehrmacht. Schon als Schüler trat Voigt der Partei bei, und weil er sie nicht verlassen wollte, musste er 1984 seine Bundeswehrlaufbahn als Hauptmann beenden. Danach stieg er in der Partei auf, wurde in den Bundesvorstand gewählt, leitete jahrelang das NPD-Schulungszentrum, übernahm 1992 den bayerischen Landesvorsitz. Durch die Öffnung zur Neonazi-Szene und Wahlabsprachen mit der DVU hat Voigt den Wiederaufstieg der NPD ermöglicht.

Holger Apfel, geb. 1970, ist ein politischer Ziehsohn Voigts und hat in der NPD eine steile Karriere gemacht. Schon 1990, ein Jahr nach seinem Parteibeitritt, wurde er Mitglied im niedersächsischen Landesvorstand, 1994 übernahm er den Bundesvorsitz der Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Apfel hat maßgeblich zur Radikalisierung der JN beigetragen, er pflegte bereits Kontakte ins Neonazi-Spektrum, als sich die Mutterpartei noch offiziell abgrenzte. Als Chefredakteur der Deutschen Stimme kam er 2000 nach Sachsen und arbeitete jahrelang auf den Einzug in den Landtag hin, wo er seit 2004 NPD-Fraktionschef ist.

Bundesvize Peter Marx, geb. 1956, ist einer der vorzeigbaren NPD-Kader und hat daher schon mehrere Landesverbände geführt und in ganz Deutschland – vom Saarland bis nach Sachsen – als Kandidat gedient. Marx hat Jura studiert (aber das zweite Staatsexamen nicht abgelegt), war u.a. Vorsitzender des NPD-Hochschulbundes und in den 1980er Jahren Geschäftsführer der NPD-Fraktion im Frankfurter Stadtparlament. Dank seiner dort gesammelten Erfahrungen ist er heute der unverzichtbare Manager der Sächsischen Landtagsfraktion.

Fast ihr gesamtes intellektuelles Potenzial hat die NPD heute in Dresden versammelt. Der »Leiter des Parlamentarischen Beratungsdienstes« ist der Historiker Karl Richter, geb. 1962. Er hat zuvor bereits für die Republikaner-Fraktion im Europaparlament gearbeitet und war von 1991 bis 1997 Chefredakteur der extrem rechten Theoriezeitschrift Nation Europa. Wegen eines dort veröffentlichten »Asylbetrügergedichtes« wurde Richter als Volksverhetzer verurteilt.

Gemeinsam mit dem Abgeordneten Jürgen Gansel, geb. 1974 (seine Bezeichnung »Bomben-Holocaust« für die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 sorgte im Landtag für eine Eklat) und anderen Akademikern hat er die so genannte »Dresdener Schule« gegründet; seit der Ankündigung, sie werde die »Denkfabrik« der NPD, war von dieser allerdings nichts mehr zu hören.

Uwe Leichsenring, 1967-2006, gehörte zu der Riege sächsischer Lokalpolitiker, die ihre Partei in einigen Regionen Sachsens bürgerlich verankert haben. In seinem Heimatort Königstein war er als Fahrlehrer allseits bekannt und erreichte bei Wahlen Ergebnisse von über 20 Prozent. Der Geschäftsführer der Landtagsfraktion kam im August 2006 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Zahlreiche Kader aus verbotenen Neonazi-Organisationen bekleiden in der NPD heute Führungspositionen. Thorsten Heise, geb. 1969, einst Naziskinhead, vorbestraft wegen Körperverletzung, Ex-FAP-Landeschef und Besitzer eines Musikversandes sitzt seit 2004 im Bundesvorstand und ist dort zuständig für die Kontakte zu den Neonazi-Kameradschaften.

Jens Pühse, geb. 1972, war Mitglied der verbotenen Nationalistischen Front und Mitte der neunziger Jahre ein wichtiger Nazi-Rock-Verleger, heute ist er Geschäftsführer des Deutsche Stimme-Verlages. Thomas Wulff, geb. 1962, war Vorsitzender der 1995 verbotenen Nationalen Liste, ist heute Wahlkampfmanager und Referent beim NPD-Bundesvorstand. Der Hamburger zog vor einigen Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern und hat den dortigen Landtagswahlkampf 2006 von langer Hand vorbereitet.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum e.V. (apabiz)

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