Clickworker finden 1.550 rechtsextreme Internetseiten und Web 2.0–Einträge – Analyse auf netz-gegen-nazis.de

Im Forum heißen sie „NSDAP88“, hören online „Radio Heimattreu“ und suchen bei „Widerstands-Partner“ die Frau oder den Mann fürs Leben: Rechtsextreme sind vielfältig im Internet unterwegs, und die Größe und Schnellebigkeit des Mediums machen es oft schwierig, den Überblick über rechtsextreme Aktivitäten zu behalten und ihnen entgegen zu treten.

Die Aktion

Hier setzt eine Aktion der freien Mitarbeiter des Internetdienstleisters clickworker.com und des Internetportals Netz-gegen-Nazis.de an: Um gegen Rechtsextreme im Internet aktiv zu werden, forderte die „Crowdsourcing“-Firma ihre Clickworker (bei clickworker.com registrierte Internetnutzer) vom November 2009 bis März 2010 auf, rechtsextreme Internetseiten aufzuspüren. Engagiert machten sich die Clickworker, die sonst für Kunden unter anderem Informationen aus dem Internet zusammentragen und bearbeiten, auf die Suche. Es entstand eine Sammlung von über 1.550 Webseiten, Einträgen in sozialen Netzwerken und Videos.

Die Auswertung

Zur Auswertung wurden diese Seiten an die Redaktion von netz-gegen-nazis.de übergeben. Die arbeitete sich durch die Sammlung menschenverachtender Ideologie und analysierte, wie Rechtsextremismus im Internet erscheint. Hierbei zeigt sich: Neben – erwartbaren – Internetseiten rechtsextremer Organisationen oder geschichtsrevisionistischer „Aufklärungsseiten“ finden sich zahlreiche Angebote, die Rechtsextremismus als Lebensstil und Jugendkultur verbreiten: Neben Nazi-Klingeltönen finden sich rechtsextreme Computerspiele im Internet, in denen sich die Nutzer als „arische Kämpfer“ verstehen. Hier kann man seine Google-Startseite mit Frakturschrift „verschönern“ oder in „NaziVZ“ „einmarschieren“. Gerade als „Humor“ deklarierte Angebote bieten oft ein Einfallstor für übelste Ressentiments, die bis in die Mitte der Gesellschaft verbreitet und belacht werden. Die gesamte Analyse findet sich hier:

| Von "Widerstands-Partner“ bis zu antisemitischer Satire: Rechtsextremer Lifestyle im Internet

Aktiv werden!

Die Aktion der Clickworker von clickworker.com ist beispielhaft für das, was sich die Redaktion von Netz-gegen-Nazis.de, dem Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung und der ZEIT, als Engagement gegen Rechtsextremismus im Internet wünscht: „Hier bekennen sich zivilgesellschaftliche Akteure, das Unternehmen clickworker.com und seine Clickworker, sich zu einem demokratischen Standard, den sie im Internet verteidigen wollen. Sie überlegen, wo ihre Stärken liegen – in der unglaublichen Manpower von z.Z. über 60.000 Clickworkern - und werden aktiv“, sagt Simone Rafael, Chefredakteurin von netz-gegen-nazis.de und fährt fort: „Sperrungen rechtsextremer Websites sind ein Signal, dass rechtsextreme Agitation nicht unwidersprochen hingenommen wird. Allerdings sind sie im Internet praktisch schnell zu umgehen und bearbeiten auch nicht das eigentliche Problem, die dahinter liegende Ideologie. Deshalb finde ich es wichtig, dass sich Nutzerinnen und Nutzer wie auch Internetunternehmen überlegen, wie sie sich dafür einsetzen können, dass Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung im Internet möglichst wenig Verbreitung finden.“

Heike Altmeier, Vice President of Marketing von clickworker.com, sagt: "Gesellschaftliches Engagement sehen wir als junges und weltweit agierendes Unternehmen als selbstverständlich an. Wir unterstützen soziale Projekte, für die wir auf Grund unseres enormen Potenzials an Clickworkern geradezu prädestiniert sind. Rassismus in jeglicher Form ist uns zuwider und auch in keiner Weise verständlich oder nachvollziehbar. Wir freuen uns, mit unseren weltweit ansässigen Clickworkern einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung der Veröffentlichung und Verbreitung solcher Inhalte geleistet zu haben. Auch in Zukunft werden wir das große Engagement der Amadeu Antonio Stiftung weiter unterstützen."

Was nun?
Die Daten der 1.550 rechtsextremen Webseiten und Postings sind an die Staatsanwaltschaft übergeben worden Erardo Rautenberg, Brandenburger Generalstaatsanwalt, lobte die Initiative der Clickworker: „Die von Netz-gegen-Nazis.de und clickworker.com vorgelegte Netz-Recherche belegt die Vielfalt rechtsextremistischer Aktivitäten und Erscheinungsformen im World Wide Web, zeigt deren Gefahren auf und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung antidemokratischer und menschenverachtender Ideologien, die sich zunehmend über das Internet verbreiten und vor allem Jugendliche und Heranwachsende  zu indoktrinieren suchen. Mut macht das Engagement derjenigen, die sich im Netz aktiv gegen solche neonazistischen Tendenzen stellen.“ Die Daten werden nun von Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Computer- und Datennetzkriminalität in Cottbus geprüft.

Für die Seiten, die jugendgefährdende Inhalte verbreiten, hat netz-gegen-nazis.de jugendschutz.net gebeten, Kontakte zu Providern oder Seitenbetreibern aufzunehmen, ob sie solchen Inhalten wirklich Platz geben möchten. Diese gemeinsame Einrichtung der Bundesländer für den Jugendschutz im Internet sichtet seit 10 Jahren rechtsextreme Webaktivitäten und geht erfolgreich gegen unzulässige Angebote im In- und Ausland vor. Auf dem Informationsportal hass-im-netz.info von jugendschutz.net können rechtsextreme Internetseiten auch direkt gemeldet werden.

clickworker.com und Netz-gegen-nazis.de wollen die Aktion im kommenden Jahr wiederholen.

Wenn Sie Fragen haben, erreichen Sie uns:

clickworker.com: ines.maione@clickworker.com
Netz-gegen-Nazis.de: simone.rafael@amadeu-antonio-stiftung.de

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

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Mehr im Internet:

| www.clickworker.com

| Rechtsextreme Webseiten melden

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