Demonstranten bei einer "Pegida"-Demonstration im November 2014: Eine imaginierte "christlich-jüdische Abendlandkultur" wird als vom "Islam bedroht" dargestellt.
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Angesichts Pegida, PI-News und Co: Was ist Kulturrassismus?

Schwerpunkt Mai  2015: Rassismus. Seit Oktober 2014 mobilisiert die Bürgerinitiative „Pegida“ wöchentlich tausende Menschen zu  Montagsspaziergängen, um gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren. Bei diesen Demonstrationen werden Parolen skandiert, die Menschen, die als Muslim*innen wahrgenommen werden,  aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit vereinheitlichen, als anders und nicht integrierbar darstellen und so herabsetzen. Dieser antimuslimische Rassismus basiert nicht auf der „Theorie“ des klassischen Rassismus, der von einer Unterschiedlichkeit menschlicher „Rassen“ aufgrund biologischer Merkmale, wie beispielsweise der Hautfarbe ausgeht. Viel eher handelt es sich um eine erneuerte Form -  den Kulturrassismus. 

Von Johanna Voß

Klassischer Rassismus schließt von der Hautfarbe auf Charaktereigenschaften

Als Prototyp für den klassischen Rassismus kann der Kolonialismus gelten.  Zur Zeit der kolonialen Eroberungen wurde die einheimische Bevölkerung in den Kolonien aufgrund ihrer Hautfarbe, also wegen eines biologischen Merkmals, zu einer bestimmten „Rasse“ zugeordnet. Die Kolonisatoren schrieben ihnen im Zusammenhang mit der Hautfarbe eine bestimmte „Wesensart“ zu - sie wurden als „primitiv“ und „unzivilisiert“ charakterisiert und einer anderen „Rasse“ zugeordnet, um ihre Versklavung legitimieren zu können. Denn eigentlich gingen die Europäer damals schon von der Gleichheit und Freiheit aller Menschen aus.  Dieses System der Ungleichwertigkeit diente den Kolonisatoren, um die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten.

Diese Form des auf biologischen Merkmalen begründeten Rassismus ist nach 1945 politisch, moralisch und wissenschaftlich in Misskredit geraten. Jedoch hat die Kritik am biologischen Rassismus nicht zu einem Verschwinden sondern zu einer Veränderung der Erscheinungsform geführt – die Funktion ist allerdings die gleiche geblieben.

Kulturrassismus nimmt stattdessen eine angeblich unveränderbare Kultur

Weil man offiziell Menschen also nicht mehr nach ihrer äußeren Erscheinung in Gruppen ordnen und abwerten darf, erfanden Rassist*innen den Umweg über die „Kultur“, um trotzdem abwertende Unterscheidungen beibehalten zu können. Im Kulturrassismus ist „Kultur“ also eine Verschlüsselung von „Rasse“. Denn auch der „Kultur“ von Menschen werden hierbei  Eigenschaften zugeschrieben, die als natürlich, angeboren und unveränderbar dargestellt werden. Das dient genau wie beim Konzept des biologischen Rassismus dazu, wirtschaftliche, politische und kulturelle Dominanz- und Machtverhältnisse zu rechtfertigen.  Ein Beispiel: Wenn das eigene (europäische / deutsche / christliche / traditionelle) Lebensideal als vorbildlich dargestellt wird, kann man von allen „anderen“ etwa „Anpassung“ fordern.

Auch eine Religion kann man so abwerten

Der aktuell in Europa weit verbreitete antimuslimische Rassismus kann als eine Form des Kulturrassismus verstanden werden. „Er basiert auf der Vorstellung von Muslim*innen als homogener Gruppe, der bestimmte (zu meist negative) Kollektiveigenschaften zugeschrieben werden und die als nicht zugehörig angesehen wird“ (Dr. Yasemin Shooman 2015). Oft wird der antimuslimische Rassismus als Religionskritik getarnt. Der Islam sei beispielsweise eine nicht „aufgeklärte“ Religion. Überdies wurde auf einer „Pegida“-Demonstration ein Plakat mit der Aufschrift „Islam=Karzinom“ hochgehalten. Der Islam in Europa wird so mit einer tödlichen Krankheit im menschlichen Körper gleichgesetzt. „Da »der  Islam«  aber kein sozialer Akteur ist, stellt sich die Frage, ob Muslim*innen hier nicht zwangsläufig mit gemeint sind, wenn ihre Religion [auf diese Weise] attackiert wird“ (Dr. Yasemin Shooman 2015). Auf diesem Wege werden Muslim*innen herabgestuft und aus der deutschen und europäischen Gesellschaft ausgegrenzt.

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